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Die Pandemie für die Zukunft festhalten

Wie geht es den Menschen der Region während der Corona-Zeit? Unser Zeitzeugenprojekt sammelt Antworten, jeder kann mitmachen.
Von Heike Heindl und Manfred Forster

 Eine Frau mit Stoffmaske geht an einem Wandgemälde vorbei, das als Botschaft des Dankes Gesundheitspersonal mit Mundschutzen abbildet. Corona betrifft aktuell die ganze Welt. Wie werden sich zukünftige Generationen an die Situation 2020 erinnern? Dazu will das Zeitzeugenprojekt einen Beitrag leisten.
Eine Frau mit Stoffmaske geht an einem Wandgemälde vorbei, das als Botschaft des Dankes Gesundheitspersonal mit Mundschutzen abbildet. Corona betrifft aktuell die ganze Welt. Wie werden sich zukünftige Generationen an die Situation 2020 erinnern? Dazu will das Zeitzeugenprojekt einen Beitrag leisten. Foto: Dita Alangkara/picture alliance/dpa

Kelheim. Die letzte Pandemie liegt ziemlich genau 100 Jahre zurück. Damals infizierten sich rund 500 Millionen Menschen weltweit an der Spanischen Grippe. Eine Mundschutzpflicht wurde eingeführt und Schulen geschlossen. Doch es gibt kaum Aufzeichnungen darüber, wie die Menschen damals damit umgegangen sind.

Damit das nicht mehr passiert, wurde das Corona-Zeitzeugenprojekt ins Leben gerufen: ein gemeinsames Vorhaben der Museen Abensberg und Kelheim, des Donau-Gymnasiums Kelheim und der Mittelbayerischen Zeitung sowie der Dolina Gesellschaft für Landeskunde.

Das von der Regierung von Queensland/Australien zur Verfügung gestellte historische Schwarz-Weiß-Foto zeigt Frauen mit Mundschutzmasken in Vorbereitung auf die Spanische Grippe in Brisbane 1919. Das Coronavirus weckt Erinnerungen an die damalige Zeit. Nur ist über die Auswirkungen der Spanischen Grippe kaum etwas bekannt.
Das von der Regierung von Queensland/Australien zur Verfügung gestellte historische Schwarz-Weiß-Foto zeigt Frauen mit Mundschutzmasken in Vorbereitung auf die Spanische Grippe in Brisbane 1919. Das Coronavirus weckt Erinnerungen an die damalige Zeit. Nur ist über die Auswirkungen der Spanischen Grippe kaum etwas bekannt. Foto: Queensland Government/picture alliance/dpa

Dr. Wolf-Heinrich Kulke vom Stadtarchiv Kelheim weiß: „Die Schulen mussten schon damals geschlossen werden und darüber ist gar nichts dokumentiert worden. Verständlicherweise, weil da gerade der Erste Weltkrieg zu Ende ging und die Leute andere Sorgen hatten.“ Nun sollen unterschiedliche Altersgruppen zu Wort kommen. Es sollen Erfahrungen, Gefühle, Ängste, Wünsche, Hoffnungen aus der herausfordernden Corona-Zeit schriftlich fixiert werden.

Dr. Wolf-Heinrich Kulke Stadtarchivar
Dr. Wolf-Heinrich Kulke Stadtarchivar Foto: Heike Heindl

Gegenwart wird Geschichte

Kelheims Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke, Geschichtslehrerin Michaela Mallmann vom Donau-Gymnasium Kelheim, Dr. Bernd Sorcan vom Archäologischen Museum Kelheim, Veronika Leikauf vom Stadtmuseum Abensberg und Dr. Gudrun Weida von der Dolina Gesellschaft für Landeskunde haben nun das gemeinsam mit der Mittelbayerischen Zeitung erarbeitete Konzept vorgestellt.

Veronika Leikauf vom Stadtmuseum Abensberg
Veronika Leikauf vom Stadtmuseum Abensberg Foto: Heike Heindl

Das Konzept für die Berichterstattung der Schulkinder wurde im Deutsch-Online-Unterricht mit der Klasse 7b des Donau-Gymnasiums gemeinsam mit Lehrerin Michaela Mallmann entwickelt: „Die Schülerinnen und Schüler waren von Anfang an voller Eifer für das Projekt.“

Menschen aus der Region Kelheim erzählen, was ihnen wichtig ist.
Menschen aus der Region Kelheim erzählen, was ihnen wichtig ist. Foto: stock.adobe.com/strichfiguren.d

„Ich finde das Zeitzeugenprojekt wichtig, weil unsere Nachkommen wissen müssen, was sich in der Zeit der Corona Pandemie ereignet hat“, sagt Schüler Quirin Lederer. Auch Lisa Schweiger findet das Projekt gut: „Es ist auch deshalb eine gute Idee, da man hier das Ganze auch aus der Sicht von Jüngeren sieht. Außerdem ist es ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass man in 100 Jahren Thema im Geschichtsunterricht ist.“

Dr. Gudrun Weida von der Dolina Gesellschaft
Dr. Gudrun Weida von der Dolina Gesellschaft Foto: Heike Heindl

Die Mitglieder der Dolina Gesellschaft bilden dabei einen Kontrast zur jungen Generation. Dr. Gudrun Weida: „Als Frau Mallmann auf uns zukam, dachten wir, es wäre eine gute Sache, wenn wir da auch mitmachen.“

 Michaela Mallmann, Geschichtslehrerin am Kelheimer Donau-Gymnasium
Michaela Mallmann, Geschichtslehrerin am Kelheimer Donau-Gymnasium Foto: Heindl

Die beiden Museumsleiter Veronika Leikauf und Dr. Bernd Sorcan wollen auf Facebook und Instagram die Zeitzeugenberichte dokumentieren. Kelheims Stadtarchivar Dr. Kulke indes legt besonderen Wert drauf, dass die Berichte auch auf Papier dokumentiert sind. „Man weiß ja nicht, ob die digitalen Medien in 100 Jahren noch lesbar oder verfügbar sind“, sagt er. Wir, die Mittelbayerische Zeitung, werden die Berichte im Laufe der nächsten Wochen auf unseren Kanälen veröffentlichen.

Der Teddy bleibt zu Hause

Spannend findet Veronika Leikauf vor allem die Zusammenarbeit mit dem Archiv: „Damit gehen wir einen Trend, der sich immer mehr fortsetzt, dass sich Museen und Archive ja als die bewahrenden Institutionen zusammen tun.“ Ein wichtiger Aspekt ist für sie auch, die Gegenwart zu sammeln: „Wenn wir heute sammeln, haben wir morgen Sachen um die Vergangenheit auszustellen.“

Dr. Bernd Sorcan vom Archäologischen Museum Kelheim
Dr. Bernd Sorcan vom Archäologischen Museum Kelheim Foto: Heike Heindl

Dr. Sorcans Überlegung: „Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit und vergessen auch ganz schnell. Gerade bei Jugendlichen geht das noch viel schneller, wenn man an die eigene Kindheit zurückdenkt. An ein paar Highlights kann man sich erinnern, aber gerade was unangenehm war, das blendet man ganz oft aus, und genau das wollen wir festhalten.“

Anfangs war unklar, wie die Corona-Zeit dokumentiert werden soll. Zunächst gab es die Idee, Objekte zu sammeln. Doch es gab Zweifel. „Man kann sich schwer vorstellen, dass man gerade das, was man jetzt lieb gewonnen hat, das, was einem geholfen hat, aus der Hand gibt“, meint Dr. Bernd Sorcan. Klassisch denkt er dabei an den Knuddelbär: „Den gibt natürlich keiner her.

Machen Sie mit beim Zeitzeugenprojekt

  • Inhalt

    Was ist Ihnen in der Corona-Zeit wichtig? Worüber denken Sie nach? Schreiben Sie das auf und senden Sie uns Ihren Beitrag (maximal 2000 Zeichen) mit einem Foto, auf dem Sie zu sehen sind.

  • Kontakt

    Senden Sie ihren Zeitzeugenbericht (Betreff: Zeitzeugenprojekt) per E-Mail an kelheim@mittelbayerische.de. Geben Sie bitte ihre Kontaktdaten an und den Fotografennachweis.

Weitere Berichte aus dem Landkreis Kelheim finden Sie hier.

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