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Brauchtum

Die Perchten treiben ihr Unwesen

Sagengestalten der Raunächte zogen in einer wilden Jagd durch Abensberg – und brachten Frauen mit dem Schlagen ihrer Rossschwänze zum Aufschreien.

Hermann Plekat verwandelt sich von einem sympathischen jungen Mann in eine unheimliche Sagengestalt. Foto: Thaler

Abensberg.Der hell erleuchtete Herzogskasten glich einer warmen Höhle in dunkler Nacht. Doch in dieser Höhle braute sich nichts Gutes zusammen – sie glich einem Schmelztiegel der Unterwelt, in dem sich die Geister der Rau-, Los- und Freinächte auf ihren Gang an die Oberfläche vorbereiteten. Hohles, blechernes Gebimmel von Schellen und Kuhglocken drang schon jetzt durch Fugen und Ritzen nach draußen – als Vorbote, der die Abensberger vor den dunklen Gestalten warnen sollte.

Auch Hermann Plekat hüllt sich in einen dichten Pelz aus brauner Heidschnuck-Wolle. Für das Gewand hat er sich die Wolle eines Tiers ausgesucht und es passend für sich anfertigen lassen. Es wiegt zusammen mit der Holzmaske, die er sich später über den Kopf ziehen wird, rund 30 Kilogramm. Ein Waldmann hüllt sich in einen grünen Lodenmantel. Unter seinem Trachtenhut zeigt er ein stoisches, versteinertes Antlitz. Andere Sagengestalten ziehen sich bereits ihre Masken über. Sie tragen düstere, teuflische Züge.

Die Regensburger Wuide Dragn, die an diesem Abend in einer wilden Jagd das Blut der Abensberger in Wallung bringen, haben sich der Pflege urbayerischen Brauchtums verschrieben. Sie verkörpern die Gestalten der zwölf Rau-, Los- und Freinächte. Da gibt es neben den Perchten die Truth, eine Magd, die keine Ruhe findet und in den Nächten ihr Unwesen treibt, die Lucia, den Klaubauf und den Damerl mit dem Hammer. Viele Menschen würden denken, die Geister seien böse, aber eigentlich bewirkten sie Gutes, sagt Plekat. Mit ihrem nächtlichen Rumoren vertreiben sie die Gefahren des Winters – bis am 5. Januar in der Lichtnacht vor Dreikönig das Treiben ein Ende findet.

Die wilde Jagd, die von vielen Städten gebucht werde, sei aber nur ein Bestandteil dieser Sagenwelt, sagt Plekat. Die anderen Geschichten der Rau-, Los- und Freinächte blieben häufig unbeachtet. Dafür sind an diesem Abend einige Lichtgestalten wie der Hl. Nikolaus und liebreizende Engel dabei, die die Perchten bei ihrem Zug durch die Gassen begleiten und die unheimliche Wirkung abmildern. „Die Darbietung muss kommerzialisiert werden – das wird so gewünscht“, sagt der Regensburger.

Als sich auch noch der letzte Mensch im Herzogskasten in ein Untier verwandelt hat, ziehen die Perchten mit blechernem Gebimmel los – und verfehlen nicht ihre Wirkung. Frauen schreien laut auf, als die pelzigen Gesellen sie mit ihren Rossschwänzen schlagen. Dann, als es vorbei ist, geht das Entsetzen in befreiendes Gelächter über – Sie sind schon schaurig-schön, diese Perchten! (ts)

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