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Die Polizei wartet auf die Biker

Die Motorradsaison beginnt. Das Kloster Weltenburg wird Ziel für hunderte Biker. Die Polizei wird im Einsatz sein.
Von Jochen Dannenberg

Am 1. Mai will die Polizei im Landkreis Kelheim Motorradfahrer kontrollieren. Foto: Hirsch, Archiv
Am 1. Mai will die Polizei im Landkreis Kelheim Motorradfahrer kontrollieren. Foto: Hirsch, Archiv

Kelheim.Der Frühling ist da, die Temperaturen steigen und damit beginnt auch wieder die Motorradsaison. Einen ersten Höhepunkt erlebt die Saison an diesem Wochenende im Landkreis Kelheim. Dann werden nicht nur die einheimischen Motorradfahrer unterwegs sein, sondern auch viele Biker aus Franken. Sie haben im Rahmen einer Sternfahrt am 1. Mai das Kloster Weltenburg als Ziel. Möglicherweise sind damit am Maifeiertag mehrere hundert Motorradfahrer zusätzlich im Landkreis Kelheim unterwegs. Die Polizei ist gewarnt.

„Die kommen jedes Jahr“, sagt Polizeihauptkommissar Gerald Halbritter, Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Kelheim. Sein Augenmerk gilt diesem „verlängerten“ Wochenende. „Im vorigen Jahr waren es mindestens 200 Motorradfahrer, die das Kloster als Ziel hatten“, sagt er. „Wir werden die Fahrer und die Fahrzeuge kontrollieren.“

Ein Video zum Thema:

Tiips zum Start in die Motorradsaison Video: Dannenberg

Der Polizei geht es nicht um Schikanen, sondern um die Sicherheit im Straßenverkehr. Deshalb stehen auch Überprüfungen des technischen Zustands der Fahrzeuge auf dem Programm. Die Kontrollen sind nötig – auch zum Schutz der Fahrer. „Leider kommt es immer wieder vor, dass Motorradfahrer ihre Maschinen nach dem Winter aus der Garage holen und losfahren, ohne sich um den Zustand der Bikes zu kümmern“, gesteht auch Günter Schweiger, Obermeister der Mechanik-Innung Niederbayern/Oberpfalz, in der die Zweiradbetriebe der beiden Regierungsbezirke organisiert sind.

Ohne Bremsbelag

Die Kontrollen der Polizei im vorigen Jahr in Weltenburg bestätigen: Von 62 beim Kloster geprüften Fahrern und ihren Motorrädern wurden acht Biker angezeigt, weil ihre Maschinen „gravierende Mängel“ aufwiesen. In zwei Fällen wurde die Auspuffanlage bemängelt, da diese nicht ordnungsgemäß angebracht oder betrieben wurde. Vier Fahrer waren mit unzulänglicher Bereifung unterwegs. Bei einem Motorrad war ein unzulässiger Spiegel angebaut und ein weiterer Fahrer war mit einer Hinterradbremse unterwegs, die keinen Bremsbelag mehr hatte. Zwei Fahrer mussten ihre Maschinen stehen lassen. Um die Mängel zu erkennen, „sind Spezialisten im Einsatz“, kündigt Polizeihauptkommissar Halbritter an.

Ein Unfall mit einem Pkw und einem Motorrad ereignete sich im Januar auf der „Rennstrecke“ zwischen Kelheim und Ihrlerstein. Ein 57-jähriger Biker war laut Polizei auf nasser Fahrbahn zu schnell auf der Staatsstraße 2233 von Kelheim in Richtung Ihrlerstein unterwegs. Er geriet mit seinem Motorrad in einer Kurve ins Schleudern. Dabei kam er auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit einem entgegen kommenden Kleinwagen. Der Motorradfahrer zog sich unter anderem eine offene Beinfraktur zu. Foto: Weigert
Ein Unfall mit einem Pkw und einem Motorrad ereignete sich im Januar auf der „Rennstrecke“ zwischen Kelheim und Ihrlerstein. Ein 57-jähriger Biker war laut Polizei auf nasser Fahrbahn zu schnell auf der Staatsstraße 2233 von Kelheim in Richtung Ihrlerstein unterwegs. Er geriet mit seinem Motorrad in einer Kurve ins Schleudern. Dabei kam er auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit einem entgegen kommenden Kleinwagen. Der Motorradfahrer zog sich unter anderem eine offene Beinfraktur zu. Foto: Weigert

Wie nötig Kontrollen sind, zeigt auch die Verkehrsstatistik. So registrierte die Polizeiinspektion Kelheim im vorigen Jahr eine Zunahme der Verkehrsunfälle, an denen motorisierte Zweiräder beteiligt fahren. Die Gesamtzahl dieser Unfälle stieg von 64 im Jahr 2016 auf 74 im Jahr 2017. 67 Personen wurden dabei im vorigen Jahr verletzt, zwei getötet. Zum Vergleich: Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Mainburg kam es im vorigen Jahr zu lediglich 29 Motorradunfällen mit 27 Verletzten. Den Unterschied zwischen Kelheim und Mainburg erklärt Mainburgs Inspektionsleiter Johann Stanglmair: „Wir sind nicht das Motorradziel.“ Das sieht im Bereich von Stanglmairs Kelheimer Kollegen anders aus. Hier lockt das Altmühltal, aber auch der Weltenburger Berg und die „Rennstrecke“ von der Goldberg-Klinik hoch nach Ihrlerstein. Die „Rennstrecke“ und der Weltenburger Berg mit ihren zahlreichen Kurven überfordern jedoch immer wieder Motorradfahrer, weshalb es auf diesen Strecken besonders oft scheppert.

Kompetenz ist gefordert

Der Verkehrssicherheitsbeauftragte des Landratsamtes Kelheim, Bernhard Strauß, stellt fest: „Das Motorrad als Freizeitgerät findet immer mehr Anhänger. Die ständig steigenden Zulassungszahlen belegen diesen Trend.“ Ende vorigen Jahres waren beim Landratsamt 10150 Motorräder registriert. Ein Jahr zuvor waren es 9910 Fahrzeuge. Im Jahr 2015 wurden 9596 Motorräder gezählt und ein weiteres Jahr zuvor 9289. Im Jahr 2010 waren es 8196 Fahrzeuge – ein Anstieg um 20 Prozent in sieben Jahren.

Sicherheit

  • Für jeden

    Motorradfan ist die fahrerische Kompetenz wichtig. Sie zeigt sich nicht nur in der Fahrfertigkeit, sondern gerade auch in der Einstellung zum Motorrad fahren.

  • Fahrkönnen und

    körperliche Fitness sind wichtige Grundvoraussetzungen für die Beherrschung des „Bikes“. Nach längeren Pausen (z. B. Winter) „verblassen“ diese Fähigkeiten.

  • Die Fähigkeiten

    müssen neu aktiviert werden. Das bedeutet: Vor der ersten Ausfahrt üben! Und die Technik muss überprüft werden (Reifenprofil, Luftdruck, Bremsbeläge usw.).

Bernhard Strauß warnt: „Für jeden verantwortungsbewussten Motorradfan ist es wichtig, sich mit den speziellen Problemen des Motorradfahrers auseinander zu setzen. Denn die fahrerische Kompetenz zeigt sich nicht nur in der Fahrfertigkeit, sondern gerade auch in der Einstellung zum Motorrad fahren. Fahrkönnen und körperliche Fitness sind wichtige Grundvoraussetzungen für die Beherrschung des Bikes.“ Nach längeren Fahrpausen „verblassen“ diese Fähigkeiten und müssen neu aktiviert werden.

Johann Stanglmair, der auch Vorsitzender der Mainburger Verkehrswacht ist, rät zu Fahrsicherheitstrainings. „Wir von der Verkehrswacht bieten ein Motorradtraining“, sagt er. Jedes Jahr gebe es mehrere Termine, die Teilnahme sei kostenlos. Besonders empfehlenswert sei das Schräglagentraining, bei dem die Teilnehmer risikofrei die Grenzen ihres Fahrzeugs kennenlernen können.

Der Mainburger Pfarrer Frank Möwes, der selbst gern Motorrad fährt, sagt, ein zumindest kurzes Gebet vor Fahrtantritt könne nicht schaden. „Es ist eine Besinnung auf die Gefahr, die vorhanden ist und auf die Begegnung mit Natur und Umwelt und der Schöpfung. Das sind spirituelle Erlebnisse für Menschen, die die Welt erfahren und die Schöpfung erleben wollen.“

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