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Tradition

Die Schäffler schlagen neue Wege ein

Bei den Kelheimer Schäfflern geht es dem Endspurt entgegen – aber am Sonntag mussten sie einige Premieren meistern.
Von Roland Kugler

Geschafft! Die Schäffler gehen in Stausacker von Bord. Sie sind zum ersten Mal mit der Fähre übergesetzt. Seekrank wurde keiner. Foto: Roland Kugler
Geschafft! Die Schäffler gehen in Stausacker von Bord. Sie sind zum ersten Mal mit der Fähre übergesetzt. Seekrank wurde keiner. Foto: Roland Kugler

Kelheim.Es ist nicht leicht, sich nach über 100 Jahren Vereinsgeschichte noch etwas Neues einfallen zu lassen. Doch die Kelheimer Schäffler schaffen das. Am Sonntag gab es gleich drei Premieren für die Tänzer, die selbst Altgediente staunen ließen.

Es ist schon etwas Besonderes, wenn sie überhaupt auftreten. Denn sie tun es nur alle sieben Jahre, so ist es der Brauch. Über 250 Buchungen in der aktuellen Saison zeigen, wie beliebt die Schäffler in der Bevölkerung sind. Und weil die Männer in den roten Jacken aus echt guten Holz geschnitzt sind, ist ihnen kein Weg zu weit und kein Auftrag zu schwierig. Sie tanzen nicht nur auf großen Plätzen und Straßen, sondern auch in engen Gassen, Höfen und Gärten. Und seit neuestem auch auf dem Wasser.

Sie hatten noch nie im Kloster getanzt

Die Schäffler tanzen in Stausacker – zum ersten Mal, wie zuvor im Kloster Weltenburg, auf der anderen Seite der Donau. Foto: Roland Kugler
Die Schäffler tanzen in Stausacker – zum ersten Mal, wie zuvor im Kloster Weltenburg, auf der anderen Seite der Donau. Foto: Roland Kugler

„Es ist schön, diese Tradition auch hierher zu bringen“, sagt der Weltenburger Ernst Beil. Er ist einer der zahlreichen Besucher, die gespannt auf den Auftritt warten. „In Weltenburg haben wir früher schon getanzt, aber noch nie im Kloster“, sagt Adolf Pfaffelhuber. Der Kelheimer war von 1963 bis 1984 selbst aktiver Tänzer. Und er ist 1998, als Not am Mann war, nochmals eingesprungen. „Wir haben heute gleich drei Neuerungen“, sagt Oberschäffler Christian Dirscherl kurz vor dem Einmarsch in den Klosterhof. „Wir sind zum ersten Mal hier im Kloster, dann setzen wir mit der Fähre über nach Stausacker, und danach geht es noch nach Gut Schwaben.“

Jux und Schabernack auch auf „hoher See“

Auch auf der Fähre sind die Schäffler gut gelaunt. Foto: Roland Kugler
Auch auf der Fähre sind die Schäffler gut gelaunt. Foto: Roland Kugler

Langweilig wird es den Tänzern also nicht – im Gegenteil: Sie versprühen beste Laune. Dazu tragen natürlich auch die Kasperln bei: Während sich die Tänzer im Gleichschritt auf ihre Figuren konzentrieren, sausen die bunt gekleideten Gaudiburschen herum und treiben allerhand Schabernack. Sie malen den Besuchern rote Nasen oder Herzchen, tanzen mit Kindern und drehen eine Runde mit einem Dackel, der gerade rumsteht. Einer schnappt sich eine hübsche Frau aus dem Publikum, trägt sie auf der Schulter im Kreis und stellt sie zur Freude der Zuschauer auf das Schäfflerfass. Sie lachen und klatschen begeistert mit.

Reifenschwinger Florian Laußer hält zum Schluss wie immer eine passende Dankesrede. Und er fragt den Abt, ob es für die kleinen Sünden der Schäffler nicht einen Generalablass gäbe, wenn man schon mal im Kloster sei. „Wenn alle in den Beichtstuhl passen“, gibt Abt Thomas Maria Freihart gut gelaunt zurück.

Auch der Durst will gelöscht sein

So viel Einsatz macht natürlich durstig. Nach dem Tanz gibt es Weltenburger Schnäpschen und ein Dunkles, das der eine oder andere Tänzer vielleicht auch braucht, um sich für die große Überfahrt zu stärken. Denn jetzt geht es zur Fähre, die eigens für diesen Tag aus der Winterpause in Betrieb genommen wird. Gleich zwei Fährmänner warten: Burkhard Rappl vom städtischen Bauhof, der auch als Fährmann aushilft, und dem Neuen zeigt, wie es geht. Das ist Peter Endrulat, er tritt im April sein Amt an. Er staunt, wer da mitten im Winter über die Donau will.

Kelheims Schäffler auf neuen Wegen

Kaum an Bord, schwingen einige Schäffler ihre Beine: Selbst, wenn sie nicht müssen, tanzen sie gerne. Dazu singen sie Lieder wie „Einst ging ich am Strande der Donau entlang“ oder „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“. Nicht unbedingt Nummern, die die Schäffler sonst singen, aber sie sind halt spontane und gut gelaunte Burschen. Und auf hoher See darf man das.

Am anderen Ufer geht ebenso heiter weiter. Als anschließend die Musikanten übergeholt werden, werden sie von den Schäfflern mit einem umgedichteten „An der Donauküste“ begrüßt. „Genau so, wie es sein soll“, freut sich der Stausackerer Stephan Schweiger. „Früher haben die Schäffler nach der Pest die Leute auch wieder zusammen- und zum Lachen gebracht.“

Landrat ist ein Schäffler-Fan

Fast der ganze Ort ist auf den Beinen: „Wir fiebern schon seit Tagen dem Auftritt entgegen“, sagt Heike Bauer. Ihr Mann Karl ist Vorsitzender der Feuerwehr und hat mit Peter Trickl von den Stockschützen den ersten Auftritt in Stausacker organisiert. Zu diesem Ereignis kommen nicht nur Einheimische, sondern auch Freunde und die Familien der Tänzer sowie Kelheims Politiker sind dabei: Bürgermeister Horst Hartmann ließ sich den ersten Tanz im Kloster nicht entgehen und setzt mit den Schäfflern über. Auf der Stausackerer Seite wartet bereits Landrat Martin Neumeyer: „Ich bin ein echter Schäffler-Fan“, sagt er. Er kommt soeben aus Mainburg, wo er sich die dortigen Schäffler angesehen hat.

Beim Feuerwehrhaus zeigen die Tänzer, was sie können. Die Kasperln ebenso: Aus dem ersten Stock fliegt Klopapier und die Zuschauer werden mit einer Handspritze erfrischt. Eine junge Frau wird nicht nur entführt, sie muss auch im Feuerwehrschlauch Seilspringen. Nach einer Brotzeit geht es in bester Stimmung zur letzten Premiere des Tages tief in den Wald zum Wirtshaus nach Gut Schwaben.

Alles über die Kelheimer Schäfflersaison lesen Sie hier.

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