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Interview

Die voglwuide Maria mit dem rollenden R

Maria Reiser aus Mainburg kombiniert bayerische Mundart mit Reggae und Hip Hop. Sie hat sich aufgemacht, mit dieser Mischung Berlin zu erobern.
Von Katrin Wolf, MZ

  • In den USA hat Maria Reiser gelernt, dass Träume wahr werden können. Im Frühjahr 2014 soll ihr erstes Album erscheinen. Foto: Seylan
  • Beim Interview im Café in Abensberg Foto: Wolf
  • Maria Reiser auf der Kinopremiere von „Vatertage“ im Roxy Kino Foto: Wolf
  • Maria Reiser singt vor dem Abensberger Roxy-Kino Foto: Wolf
  • Erst hat Maria Reiser etwas g‘scheits gelernt, bald will sie mir ihrer Musik durchstarten. Foto: Zehtentmeier

Mainburg. Maria Reiser ist auf Heimatbesuch. Die gelernte Modellbauerin hat mittlerweile die Musik zu ihrem Hauptberuf und Berlin-Friedrichshain zu ihrer Basis erklärt. Im Frühjahr 2014 erscheint ihr erstes Album. Während des Interviews in einem Abensberger Altstadt-Café teilt sie ihren mitgebrachten glutenfreien Kuchen und erinnert sich an die Location: „Ich glaube, hier hatte ich mal ein Date!“

Maria, du singst auf Bairisch – warum wohnst du ausgerechnet in Berlin?

Berlin ist einfach ein voglwuides Pflaster. Es ist exotisch. Ich spiele viel in Clubs – wir machen ja keine Bierzeltmusik, sondern Anspruchsvolles, das muss man den Leuten eben klarmachen. Mit meiner neuartigen, noch nie da gewesenen Mundart-Musik leiste ich Pionierarbeit in der Hauptstadt!

Nervt es dich nicht, in Berlin und den Medien immer „die Frau mit dem rollenden R“ zu sein?

Das ist eigentlich eine lustige Geschichte: Ich habe 2004/2005 schon mal ein Album in München produziert, damals auf Hochdeutsch, aber das R hat man immer rausgehört. Dialekt war damals noch verpönt. Ich habe gesagt, „Leute, das bin ich, das R rollt man hier eben“. Die Jahre der Entwicklung im eigenen Lande haben das dann möglich gemacht. Und ich habe gemerkt, wenn du sagst „das ist meine Musik, das bin ich“, dann wird das geschluckt und akzeptiert. So etwas macht dich ja stark – mit der Norm kann jeder gehen.

Wie setzt sich denn dort auf deinen Konzerten das Publikum zusammen?

Alles – Berliner und Brandenburger, auch ausländische Touristen, die das noch mitnehmen wollen. Darum bin ich auch so gerne in Berlin, die sind da alle recht offen, weil eh alles voglwuid ist. Ich habe mit meiner Live-Band schon einige Konzerte gespielt, wo ich dachte, entweder du gewinnst, oder du verlierst bodenlos – und wir haben gewonnen.

Welches Feedback bekommst du von Nicht-Bayern?

Die verstehen manchmal nicht viel von den Texten. Doch sind wir mal ehrlich, ich meine, wie viele amerikanische Rapper verstehen wir hier denn? Wichtig ist die Musik, sie ist das Band, das entsteht nicht im Kopf, das ist das Erdige was direkt in den Bauch geht. Das Außergewöhnliche reißt das Publikum mit.

Auch in Los Angeles und Las Vegas bist du schon aufgetreten.

Dort ist meine Musik sehr gut angekommen. Ich bin ins Hofbräuhaus in Las Vegas gefahren und habe mit der österreichischen Band vor Ort geredet, ob wir mal ein paar Lieder zusammen machen wollen. Die haben da einen riesigen „Indoor“-Biergarten mit einem lebensgroßen künstlichen Baum – da meinst du verreckst. Ein bisschen spinnen sie schon, die Amis.

Du nennst deine Musik „Bayerischen Jodel-Pop“ – kannst du das genauer beschreiben?

Bayerisch natürlich wegen der Mundart, gejodelt wird auch, aber nicht überwiegend, und dann ist es Popmusik im Sinne von populär – das heißt auch es gibt viele Einflüsse aus anderen Richtungen, wie aus Reggae und Dancehall, Hip Hop, Discosound und Walzer. Es ist traditionell gehalten, aber aufgepeppt. Ich singe auch Balladen – es gibt einfach ein großes Spektrum, die Amis nennen es „Bavarian Wildstyle“.

Wie hast du deinen besonderen Stil entwickelt?

Nach ersten musikalischen Versuchen mit meiner Gruppe „Mondenkind“ habe ich als gelernte Modellbauerin an mehreren Filmprojekten mitgewirkt. Diese haben mich ins Ausland gebracht, unter anderem nach Afrika. Dort fing ich an zu jodeln, auf bairisch zu texten und Reggae Songs zu spielen. Das was man wirklich will und im Herzen schlägt, lässt sich nicht so schnell begraben.

Welchen Künstlern stehst du musikalisch am nächsten?

Das kann man so nicht sagen. Ich mache keinen Weichspüler-Pop, meine Musi hat diesen Rumms, der auch von Seeed oder Peter Fox kommt. Ich bin inspiriert von La Brass Banda und Goisern, aber auch von Alanis Morissette. Nach der Arbeit an einem Filmprojekt machte ich eine lange Erkundungsreise durch Afrika – ich habe mir in Namibia eine Auszeit genommen. Da war ich auch auf einigen afrikanischen Festivals, die nehmen dich gleich in die Mitte, die haben keine Rhythmusangst. Da denk ich mir auch „Da bin i dahoam, des bin i“. Ich bin zwar a Bayer, aber eigentlich bin i a Afrikaner (lacht). Und dann habe ich von meiner Mutter her noch ungarische Wurzeln.

Du bist viel gereist, lebst in Berlin – wie heimatverbunden bist du?

Ich würde mich als bayerische Weltenbürgerin bezeichnen. Was ich aus Bayern mitnehme, ist einfach diese Gelassenheit, dieses „Basst-scho“-Gefühl, dass man sich selbst nicht ganz so ernst nimmt. Dazu gehört auch die Geselligkeit und das Kennenlernen über einfache Dinge wie die Bierkultur. Das ist zwar jetzt romantisch dargestellt, aber im Bierzelt hocken’s alle zusammen, da macht es keinen Unterschied, ob du grün, blau oder rosa bist – am Ende sind alle gleichermaßen besoffen. Deshalb heißt mein Motto auch „Bayern goes World“ – ich trage das auf meine Weise nach außen, diese Verbundenheit mit der Erde, das Zusammengehörigkeitsgefühl. Wenn ich einen Auftritt in Bayern habe, lege ich jedes Mal einen Stopp bei meiner Familie ein. Die Verbundenheit ist also da. Außerdem inspirieren mich Anekdoten aus dem Familienleben.

Woher nimmst du sonst deine Ideen?

Ich setze mich oft Situationen aus, die mich irgendwie inspirieren. Und meistens ist es am inspirierendsten, wenn man in der Scheiße hockt. Diese Situationen transformiere ich dann aber und mache was Lustiges draus. Als Künstler musst du dir bewusst sein, was willst du transportieren, was willst du den Menschen mitgeben? Das ist zum Teil auch eine Therapie für mich selber.

Wann dürfen wir jetzt mit deinem ersten Album rechnen?

Meine EP, also einige Auskopplungen von der späteren CD, kommen dieses Jahr im September heraus. An meinem Album arbeite ich derzeit noch mit Hochdruck zusammen mit dem Produzenten und Schlagzeuger Stephan Ebn aus Abensberg. Im Frühjahr 2014 wird dieses voraussichtlich über das Label Magic Mango Music veröffentlicht. Mir ist es wichtig, ein gescheites Projekt in der Hand zu haben, das mich glücklich macht und mir gefällt. Gerade bin ich wieder in einem Filmprojekt in Berlin tätig, um Geld zu verdienen. Solange man keine Sponsoren hat, braucht man einen langen Atem. Aber wenn’s läuft, ist das der geilste Job, den du machen kannst: Du tust was dir Spaß macht, und bewegst und inspirierst dabei die Menschen. Als Schauspieler musst du schauspielern, da spielst du eine Rolle – aber als Musiker bist du der, der du bist, wenn du’s willst!

Willst du deine Karriere als Modellbauerin ganz aufgeben?

Also mit der Musik geht hobbymäßig gar nichts, das ist ein Fulltime-Job. Mein Vater hat zu uns gesagt, „Erst lernt’s was g’scheits, dann kennt’s macha, was wollt’s“ – und genau so hab’ ich’s gemacht. Mein Job als Modellbauerin und Produktgestalterin hat mir dabei viel geholfen. Der Unterschied ist nur die Frage, willst du für andere gestalten oder für dich. In den USA habe ich gelernt, dass Träume wahr werden können, wenn man sich fokussiert. Ich denke, das geht auch in Deutschland – du fängst jetzt in Deutschland an, in Bayern, und deine Sprache ist die Musik. Ich sehe hier schon eine Marktlücke. „Bayern goes World“ eben – du musst groß denken um Großes zu erreichen (lacht).

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