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Naturschutz

Die Waldbewohner und -nutzer managen

Behördenvertreter informierten in Maierhofen über das EU-Vogelschutzgebiet. In der Diskussion klang einiges Misstrauen durch.
Von Martina Hutzler

Martin Lauterbach stellte vor, welche Vogelarten und Lebensräume untersucht werden.
Martin Lauterbach stellte vor, welche Vogelarten und Lebensräume untersucht werden. Foto: Hutzler

Maierhofen.Vogelschutz im Wald – für viele Waldbesitzern wohl nicht das vordringlichste Anliegen. Warum es trotzdem auch für den Menschen bedeutsam ist, wenn sich Vögel in einem Waldgebiet wohlfühlen, versuchten Behördenvertreter bei der Infoveranstaltung zum Vogelschutzgebiet „Felsen und Hangwälder im Altmühl-, Naab-, Laber- und Donautal“ zu vermitteln. Einige der rund 130 Besucher sorgten sich freilich, dass der Naturschutz zu Lasten uneingeschränkter Waldbewirtschaftung gehen könnte.

Schon vor elf Jahren wurde besagtes Vogelschutzgebiet offiziell ausgewiesen, als Teil des europaweiten Biotop-Netzwerks „Natura 2000“. Jetzt erst beginnt in dem rund 4800 Hektar großen Gebiet, das sich aus Wald- und Offenland-Flächen vieler Einzelgrundstücke zusammensetzt, die vorgeschriebene Erarbeitung eines „Managementplans“. Vorab sei man bemüht, alle vom Schutzgebiet betroffenen Grundstücksbesitzer zu informieren, sagte Hans-Jürgen Hirschfelder, Niederbayerns Leiter der „Natura 2000“-Kartierer. Jeden schriftlich einzuladen, wäre aber bei rund 2000 Eigentümern ein zu großer Aufwand gewesen, wies der Kelheimer Natura 2000-Betreuer Jens Ossig die entsprechende Forderung eines Zuhörers ab.

„Natur für die Zukunft bewahren“

Martin Lauterbach von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hob das Ziel von Vogelschutz-Gebieten hervor: nicht allein der Schutz einzelner Vogelarten, sondern auch von deren Lebensräumen. Denn „die Vögel sind sozusagen die Zeiger, die uns auf wertvolle Lebensräume hinweisen“. Damit diene diese EU-Richtlinie eigentlich in erster Linie dem Menschen: Man bewahre naturnahe Gebiete für nachfolgende Generationen.

Martin Lauterbach stellte vor, welche Vogelarten und Lebensräume untersucht werden.
Martin Lauterbach stellte vor, welche Vogelarten und Lebensräume untersucht werden. Foto: Hutzler

Das verdeutlichte Lauterbach an einigen der 17 Vogelarten, die an den Hängen von Donau und Co. nun, stellvertretend für alle Arten, kartiert werden: Der Eisvogel zum Beispiel benötigt strukturreiche Flüsse und Bäche mit unverbauten Ufern, in die er seine Brutröhre graben kann – dort findet auch vieles andere eine Heimat, was kreucht, fleucht und wächst. Ähnlich bei Dorngrasmücke und Neuntöter: Ihre Nahrung suchen sie im kurzrasigen Offenland, wo eine bunte Flora viele Insekten, Nagetiere und andere Fauna anlockt. Gerade an den steinig-mageren Steilhängen des Schutzgebiets gibt es solche Flächen. Dort jagt auch der Rotmilan gerne, der aber zudem einen sicheren Brutplatz im Wald benötigt. Noch anspruchsvoller ist der Uhu, der ganzjährig Wert legt auf einen ungestörten Brut- und Rückzugsort. Die Familie der Spechte schafft mit ihren selbstgezimmerten Höhlen Lebensräume, die 50 bis 70 Jahre lang von anderen Höhlenbrütern genutzt werden können – wenn denn der Waldbesitzer solche Höhlenbäume zu- und stehenlässt.

Dabei soll nicht zuletzt der Managementplan helfen. Er enthält neben der Zustandsbeschreibung Vorschläge, um die Lebensbedingungen der untersuchten Vögel zu verbessern. Die Vorschläge seien nur für Behörden verbindlich; „für Privateigentümer sind sie freiwillig“ und sollen durch staatliche Förderung attraktiv werden, betonte Hans-Jürgen Hirschfelder. „Die bisherige Nutzung kann in aller Regel fortgeführt werden, aber es gilt ein Verschlechterungsverbot“ zum Beispiel für Rodungen.

„Knüppel zwischen die Füße“

Das habe er anders erlebt, berichtete ein Waldbesitzer mit Flächen in einem FFH-Gebiet hat – FFH- sind Vogelschutzgebieten vom Prinzip her vergleichbar. Forstwegebau und Bau einer Lagerhalle seien erst abgelehnt worden und nur per Widerspruch und zusätzliche Planungskosten durchsetzbar gewesen, kritisierte er. „Ich bin grundsätzlich positiv eingestellt“ zum Naturschutz, sagte er, „aber wenn man Knüppel zwischen die Füße kriegt, wird man misstrauisch.“ Er forderte außerdem, mit den Vögeln auch gleich den Jägern „was Gutes zu tun“ und zum Beispiel abendliche Sperrungen für Reiter, Radler und Co. anzuordnen.

Immerhin, die Erfahrung des Waldbesitzers zeige ja, dass Wege- oder Hallenbau dann doch möglich gewesen seien, meinte dazu Wolfgang Lorenz, Natura 2000-Koordinator an der Regierung von Niederbayern. Er riet indes, beim Wegebau Vorsicht walten zu lassen und im Vorfeld mit dem örtlichen Natura 2000-Betreuer abzusprechen.

„Lieber genehmigen lassen“, lautete auch die Antwort auf die Frage, ob Höhlenbäumen im Zuge der Verkehrssicherung gefällt werden dürfen. Eine Spechthöhle bedeute ja noch nicht, dass der Baum instabil sei, relativierte Jens Ossig. Er riet generell, sich bei Fragen rund um Natura 2000 an die Gebietsbetreuer zu wenden.

Nach der Präsentation konnten sich Besucher bei Annette Scholz und ihren Kollegen am Rechner ansehen, wo die genauen Grenzen des Vogelschutzgebiets verlaufen..
Nach der Präsentation konnten sich Besucher bei Annette Scholz und ihren Kollegen am Rechner ansehen, wo die genauen Grenzen des Vogelschutzgebiets verlaufen.. Foto: Hutzler

Das taten im Anschluss einige Besucher gleich direkt: Sie ließen sich an Laptops zeigen, ob ihre Grundstücke im besagten Vogelschutzgebiet liegen. Im Internet sei eine flächenscharfe Einsichtnahme nicht möglich, war ein weiterer Kritikpunkt an diesem Abend.

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