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Musik

Die „Wolpis“ werden 30

Das Abensberger Vokalensemble feiert Geburtstag. Brigitte Kuttler und Harald Gollnau blicken zurück auf TV-Hochzeiten, Chorleiterwechsel und legendäre Kostüme.

  • Sie sind ein „Eyecatcher“: Rot und Schwarz sind heute das optische Erkennungszeichen der Wolperdinger Singers. Fotos: Chor
  • Wie die Zeit vergeht: Harald Gollnau (vorne rechts) blätterte für die MZ im „Wolpi-Album“ und förderte diese Aufnahme aus dem Jahr 1988 zutage.
  • „Wir sind Abensberger“: Das Cover der ersten CD zierte der Stadtplatz.
  • Zum Jubiläum erscheint die neue Scheibe „Wolperdinger Singers to go“.

Abensberg.Eines ist sicher. Eine Ehrennadel ans Revers gibt es auch nach 30 Jahren nicht. Denn: Die klassische Vereinsmeierei ist ihre Sache nicht. Heute wie vor 30 Jahren. Als kleine Formation unter Freunden gingen die Wolperdinger Singers, kurz die „Wolpis“, wie sie in und um Abensberg heißen, 1982 an den Start. Drei Jahrzehnte später stechen sie wie ein Fliegenpilz aus der Chorszene im Landkreis. Dass sie zu den besten Laienformationen im Land gehören, haben sie schriftlich. Im Gespräch mit der MZ erzählen Harald Gollnau und Brigitte Kuttler, zwei langjährige Mitglieder, was das Vocalensemble sonst noch auszeichnet.

Acht Freunde singen Gospel

Mit einer Hochzeit in Tollbach hatte 1982 alles angefangen. Acht Freunde begannen Gospels zu singen. „Wir wollten uns abheben von den anderen Chören“, erinnert sich Harald Gollnau, ein „Wolpi“ der ersten Stunde. Die hatten damals meist rhythmische, deutsche Lieder im Repertoire. Schnell zog die Begeisterung Kreise. Nach einem Jahr hatten sich die Sänger um Chorleiter Reinhold Rückerl verdoppelt. Ihre Auftritte waren gefragt. Da sich immer öfter die Frage stellte: Wie heißt ihr denn? Musste ein Name her.

Als die Gruppe gemütlich beim „Schoafara“ in Siegenburg beieinander saß und auf die urige Einrichtung blickte, fiel der Groschen: Wolpertinger. „Wir sind genauso vielseitig und witzig, wie das zusammengestückelte bayerische Fabelwesen“, darin waren sich die Männer und Frauen einig. Weil sie sich von der originären Schreibweise mit T absetzen wollten, wurde „Wolperdinger“ daraus.

Da der Name zwar originell war, sich aber für Außenstehende nur schwer zuordnen ließ, kam noch der Zusatz „Singers“ hintendran. „Zuvor wussten die Leute nicht, sind die ein Trachtenverein, Schützen oder ganz was anderes.“ Denn trotz ihres „urbayerischen“ Wesens passten die Wolpis in keine Schublade. Statt Lederhose und Dirndl waren die Outfits bei den Auftritten schwarz-weiß.

Von Anfang an spielte neben dem Singen das Gesellige eine wichtige Rolle. Harald Gollnau erinnert sich an legendäre Faschingskostüme. Regelmäßig sahnten die „Wolpis“ Preise bei Maskenprämierungen ab. Als Marsmännchen, „Asterix und Obelixe“ oder „Biene Majas“. Echt aufwändige Kostüme seien da entstanden, erzählt Gollnau, der auch lange 1. Vorsitzender war. Nur einmal hatten sie Pech. Kurz vor dem ersten Faschingsball explodierte im Januar 1986 die Raumfähre Challenger. Sieben Astronauten starben. „Da wäre es pietätlos gewesen, als Astronauten zu gehen“, sagt der 53-Jährige. Schnell wurden die fertigen Kostüme zu Tiefseetauchern umgearbeitet.

Chortechnisch waren 1993 die „wilden Jahre“ vorbei. Die Wolpis wurden ein eigener Verein. Zuvor hatten sie als Untergruppe des Siegenburger Liederkranzes formiert. Bis 2004 sammelten sich in der Ära Reinhold Rückerl zahlreiche Höhepunkte an. Die Wolpis sangen mit Bigband im Weißbierstadl, belegten den zweiten Platz beim Deutschen Chorwettbewerb oder erhielten den Kulturpreis der Stadt Abensberg. Zum 20. Geburtstag traten sie vor knapp 1200 Zuhörern in der Josef-Stanglmeier-Halle auf. Mit schwarzer Folie war diese in eine Musical-Arena verwandelt worden, erinnert sich Brigitte Kuttler. „Wir haben uns zu Tode geschwitzt – aber schön war’s.“ Auch TV-Auftritte hatten die Wolpis. Bei Arabella Kiesbauer sangen sie eine Fernsehhochzeit. Lilafarbene amerikanische Klischee-Kutten mit Kapuze ließen sie sich von den Fernsehleuten allerdings nicht aufschwatzen. „Aufregend“ wars trotzdem. Bei der BR-Produktion „Bayern-Champions“ mit Gerd Rubenbauer trällerten die Wolpis „Omschberg ist einmalig“, die Babonen-Version von „Sonderzug nach Pankow“. Darin erinnern sich Gollnau und Kuttler noch gut. Ob Abensberg damals gewonnen hatte „weiß ich nicht mehr“, sagt Gollnau, da hilft auch kein Blättern im Presseordner.

Vroni Bertsch übernimmt

Nach einer Probe Anfang Dezember 2004 erklärte Reinhold Rückerl, dass für ihn neue Zeiten ohne die Wolpis anbrächten, so Gollnau. Er brauchte einen Tapetenwechsel – und die Wolpis einen neuen Chorleiter. Da fügte es sich gut, dass die „Neue“ schon seit vielen Jahren ein „Wolpi“ war. Die „studierte Musikerin“ Vroni Bertsch musste nicht lange überlegen, als sie gefragt wurde. Seither ist der Chor wieder unterwegs „back to the roots“. Einst als reiner A-capella-Chor gegründet, liegt seither auf reiner A-Capella-Literatur das Augenmerk. Pop, Schlager, Swingendes und Jazziges wird geprobt. 30 Frauen und 16 Männer zwischen 19 und 56 Jahren sind heute die Wolpis. Ein Viertel stammt aus Abensberg, wo das Ensemble auch seinen „Sitz“ hat, wie Harald Gollnau betont. Die restlichen Mitglieder stammen aus Mainburg, Ingolstadt und Regensburg.

„Ganz normal darfst nicht sein“

Ein gebürtiger Abensberger pendelt sogar jeden Mittwochabend aus Amberg zu den Proben an die Abens, die bald wieder im frisch sanierten Aventinum stattfinden können.Warum er gern ein Wolpi ist, will die MZ von Gollnau wissen. „Ich mach’s halt gern. Und – das hört sich jetzt vielleicht etwas kitschig an – da ist die Verbundenheit zu den Leuten.“ Grundsätzlich seien die Wolpis „ein ganz eigener Schlag von Menschen, die sich zum Singen treffen. Ganz normal darfst nicht sein“, schiebt er schmunzelnd hinterher. „Der Wolpi an sich“ ist für Brigitte Kuttler „belastbar, regelmäßig bereit den inneren Schweinehund zu überwinden, diszipliniert am Chorklang zu arbeiten und bei Festen immer mitten auf der Tanzfläche anzutreffen“. Die Wolpis seien ein Chor, „der sich von Optik, Programmauswahl und die Choreografien“ von anderen Chören abhebt. „Für mich sind sie die Chance, das zu tun, was ich schon als Kind gerne gemacht hab’ – nämlich singen“. (re)

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