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BBW-Tagung

Digital arbeiten – bis in die Chefetage

Apps, Daten-Wolken, künstliche Intelligenz: Unsere Arbeitswelt wandelt sich gewaltig, zeigten Experten in Abensberg.
Von Martina Hutzler

Auch das Berufsbildungswerk St. Franziskus muss auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten. Philipp Ettenreich, angehender Fachinformatiker für Systemintegration, lernt in Abensberg unter anderem den Umgang mit 3D-Druckern. Fotos: Hutzler
Auch das Berufsbildungswerk St. Franziskus muss auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten. Philipp Ettenreich, angehender Fachinformatiker für Systemintegration, lernt in Abensberg unter anderem den Umgang mit 3D-Druckern. Fotos: Hutzler

Abensberg. Arbeiten mit Apps und internet-gesteuerten Geräten; mit weltweit verstreuten Kollegen und Dateien; mit 3D-Druckern, die Gebrauchsgegenstände und ganze Häuser passgenau ausspucken; mit Entscheidungen, die nicht der Chef, sondern Künstliche Intelligenz trifft: Wir werden noch so manches Wunder erleben, wie sich unsere Arbeitswelt in zwei, fünf, zehn Jahren verändert. Und uns mal drüber freuen, mal drauf fluchen. Das ließ die Fachtagung „Die Zukunft ist … jetzt!“ ahnen, bei der Experten am Berufsbildungswerk (BBW) St. Franziskus Abensberg einen Blick voraus in die „Lebenswelt 4.0“ warfen.

Auch das Berufsbildungswerk St. Franziskus muss auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten. Philipp Ettenreich, angehender Fachinformatiker für Systemintegration, lernt in Abensberg unter anderem den Umgang mit 3D-Druckern. Fotos: Hutzler
Auch das Berufsbildungswerk St. Franziskus muss auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten. Philipp Ettenreich, angehender Fachinformatiker für Systemintegration, lernt in Abensberg unter anderem den Umgang mit 3D-Druckern. Fotos: Hutzler

Da ist zum einen der grenzenlose, Zugang zu Informationen. Wissen ist Macht? Nicht mehr zwingend: Nicht wissen macht auch nichts – so lange WLan funktioniert. Und so lange der Unternehmer oder Mitarbeiter weiß, wo und auf welchen Kanälen, in welchen Netzwerken er Infos findet.

Von wegen: unersetzlich

Denn, und das ist das Nächste: Das Arbeiten wird komplexer, schneller. „Intelligente“, digital gesteuerte Helfer erledigen Routine-Arbeiten zügig, stupide und pausenlos. Und längst nicht mehr nur einfache Jobs. Computerprogramme aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) – die also selbstlernend sind – überholen uns Menschen gerade auf Feldern, in denen wir uns für unersetzlich hielten, schilderte Zukunftsforscher Kai Gondlach: IBM-„Watson“ beispielsweise sucht aus dem weltweiten Knowhow von Onkologen in Sekunden eine passgenaue Krebstherapie zusammen. Die vollelektronische Investmentfirma „DAO“ sammelt und verwaltet Investoren-Kapital ohne jedes Zutun von Bankern – und das höchst profitabel.

"Die Zukunft ist ... jetzt": Arbeit 4.0

„Die Digitalisierung ist mittlerweile bei Expertenjobs und in den Chefetagen angekommen“, bilanzierte daher Kai Gondlach („2b Ahead“-GmbH). Dafür gewinnt eine andere Qualifikation von uns Menschen an Bedeutung: Mensch sein. Wir schätzen das medizinische Wissen von Dr. KI – aber Trost und Zuspruch wollen wir von Menschen erfahren. „Womöglich ist künftig ein Pfleger besser bezahlt als ein Arzt“, sinnierte Gondlach über goldene Zeiten für Dienstleistungs-Berufe.

In dieser Branche ist die Digitalisierung zwar kein Selbstzweck. Aber auch dort wird sie immer mehr ein Mittel zum Zweck und deshalb ein Wettbewerbsfaktor, erklärte Dr. Helmut Kreidenweis, Professor für Sozialinformatik an der Katholischen Uni Eichstätt-Ingolstadt.

Digitalisierung wird auch in sozialen und Dienstleistungsberufen zum Wettbewerbsfaktor, beobachtet Prof. Dr. Helmut Kreidenweis. Fotos: Hutzler
Digitalisierung wird auch in sozialen und Dienstleistungsberufen zum Wettbewerbsfaktor, beobachtet Prof. Dr. Helmut Kreidenweis. Fotos: Hutzler

In diesem Wettbewerb hinken Anbieter aus der „analogen Welt“ den „Digital Native“-Firmengründern oft hinterher. Kreidenweis zeigte das am Beispiel von „FlixBus“, der Bahn- und Post-Busse abgehängt hat. Oder an Plattformen, deren Betreuungsangebote vom Garten übers Kleinkind bis zur Oma alles abdecken, was sich Kunden „analog“ bei vielen einzelnen Anbietern zusammensuchen müssten.

Auch Kunden werden „digitaler“

Zudem muss sich die Sozial-Branche darauf einstellen, dass ihre Kunden immer „digitaler“ werden. Davon kann etwa BBW-Gesamtleiter Walter Krug ein Lied singen: Für die 500 jungen Menschen, die das BBW betreut, ist schnelles Internet quasi lebensnotwendig fürs persönliche Wohlbefinden. Und den Jugendlichen störungsfreies Daddeln, Streamen und Posten zu ermöglichen, reicht natürlich nicht.

Mehr Mitarbeiter aus dem IT-Bereich wünscht sich KJF-Qualitätsbeauftragter Johannes Magin für Einrichtungen wie das BBW. Fotos: Hutzler
Mehr Mitarbeiter aus dem IT-Bereich wünscht sich KJF-Qualitätsbeauftragter Johannes Magin für Einrichtungen wie das BBW. Fotos: Hutzler

Ein Berufs-Bildungswerk muss – wie auch Schulen, Ausbildungsbetriebe – auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten, betonte Johannes Magin, Qualitätsbeauftragter der Katholischen Jugendfürsorge (KJF).

Daraus folgert er, dass das BBW und andere KJF-Einrichtungen neben „klassischen“ Pädagogen zunehmend auch IT-Fachleute benötigt. Fachleute, die sattelfest sind im Umgang mit 3D-Drucker, smart home- Geräten und Co. – in deren Einsatz auch das BBW Abensberg bereits seine Auszubildenden schult.

Das sieht ja aus wie gedruckt!

Solche IT-Fachleute müssen aber noch mehr vermitteln als Fachwissen: Sie müssen den jungen Leuten auch Orientierung geben in der immer schnelleren, grenzenloseren Arbeitswelt. Denn darin drohen sich gerade Menschen mit besonderem Förderbedarf zu verlieren, warnte BBW-Leiter Walter Krug. Andererseits sind mit intelligenten Geräten und Programmen ganz neue Hilfesystem denkbar, die menschliche Behinderungen und Einschränkungen ausgleichen: Das eröffnet neue Chancen der beruflichen Teilhabe, betonte Krug.

IT als Ausbildung am BBW

  • Das Berufsbildungswerk

    bildet im Bereich Informationstechnologie auch aus: Fachinformatiker für Systemintegration und für Anwendungsentwicklung, Informatik- und IT-Systemkaufleute, erklärt Ausbilder Tobias Guisl.

  • Im „IT-Lab“

    konnten Fachtagungsbesucher zum Beispiel den Einsatz von „Alexa“, also der Geräte-Sprachsteuerung via Smartphone, in einem Multimedia-Tagungsraum testen. Und ein Virtual-Reality-Computerspiel.

  • Zwei 3D-Drucker

    waren im IT-Lab ebenfalls zu sehen. Sie stellen Gegenstände wie Schrauben oder Stecker computergesteuert her, Schicht für Schicht nach individuell einstellbaren Maßen und Größen. (hu)

Weshalb BBW-Einrichtungsleiter Krug letztlich trotzdem positiv in die digitale Zukunft blickt. Wie auch Christine Völtzow von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, die namens VBW-Präsident und Tagungs-Schirmherr Alfred Gaffal ein Grußwort sprach, sowie Landrat Martin Neumeyer und Abensbergs Vize-Bürgermeister Dr. Bernhard Resch: Sie alle forderten, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.

Christine Völtzow überbrachte Grüße vom Schirmherrn der Tagung, VBW-Präsident Alfred Gaffal. Fotos: Hutzler
Christine Völtzow überbrachte Grüße vom Schirmherrn der Tagung, VBW-Präsident Alfred Gaffal. Fotos: Hutzler

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