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Ein-Blicke über den Zaun

  • Liebe zum Detail, das zeichnet die Gärten in der Stadtgraben-Gasse aus. Dieser Piepmatz ist bei den Ilnsehers gelandet. Foto: Hutzler

Es ist ein Durchschnaufen, zum Beispiel vorm Start in einen stressigen Arbeitstag: an den Gärten zwischen Stadtgraben und gleichnamiger Gasse entlang zu gehen. Die Familien Solfrank und Ilnseher sind zwei der Gärtner in diesen Oasen; sie haben uns einen Blick in ihre „Wohnzimmer im Grünen“ gestattet.

Ein Wohnzimmer, für das die Hausherrn erst mal eine Straße überqueren muss: Die zugehörigen Häuser befinden sich ja auf der anderen Seite der Stadtgrabengasse. Ihre drei Kindern fanden das früher ganz gut, erinnert sich Brigitte Solfrank: „ ein bissl weg von den Eltern“. Mittlerweile sind es die vier Enkel, die ganz gerne mal Rutsche und Schaukel, Gartenhäusl und die verträumten Nischen bei Oma und Opa im Garten genießen.

Je länger man dort verweilt, desto mehr Details entdeckt man. Vor allem Manfred Solfrank ist Sammler; das beweist das Bataillon an Halbliter-Bierkrügln im Gartenhäuschen oder entfernt verwandte Gartenzwergerln, die hier und dort aus dem Gras lugen. Davon zeugen die Kieselsteine, denen eine Laune der Natur Löcher mitgegeben hat, so dass sie sich wunderbar auffädeln lassen. Oder der massive Grenzstein, der im Kofferraum vom Brenner an die Donau reiste: „Der lag abgebrochen im Straßengraben.“

Praktischen Nutzen hat das alte Blechwandl vorm Gartenhäusl: Die letzten Tomaten des Jahres reifen dort gerade noch. Die Gurken sind abgeerntet, die Weintrauben („heuer recht sauer“) stibitzen sich die Amseln; das war’s dann schon weitestgehend in der Rubrik Nutzgarten. Der Hauptnutzen für den mittlerweile pensionieren OP-Krankenpfleger Manfred Solfrank und für seine Frau liegt in der Erholung, die ihnen ihr Grün bietet, seit sie 1982 im zugehörigen Haus einzogen.

So friedlich-beschaulich ging es am Stadtgraben nicht immer zu. Unter Ziergras und Fliederbusch liegen die Reste der Kelheimer Stadtmauer. Von dieser weg bis zum Stadtgraben hin war in früheren Jahrhunderten das Bebauen oder Bepflanzen verboten, weiß Stadtarchivar Wolf-Heinrich Kulke: „Da brauchte man freies Schussfeld“. Gemüsegärten hatten die Kelheimer stattdessen schon im Mittelalter am heutigen „Aukofer“-Areal, so Kulke: Es war unter dem Flurnamen „Krautgärten“ in viele winzige Grundstücke aufgeteilt.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts verkaufte die Stadt Grundstücke wie die an der Stadtmauer an Privatleute. Die Fläche zwischen Gasse und Stadtgraben blieb bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine eine einzige, langgestreckte Parzelle, mit Obstbäumen bepflanzt. Das wissen die Solfranks von älteren Nachbarn. Später wurde der lange Schlauch in kleine Parzellen unterteilt. Den heutigen Besitzern kommt das grad recht: Mehr Fläche, da würde Gartenarbeit schnell zum Stress, ahnt Brigitte Solfrank. „Aber wenn wir hier mal acht Tage mal nichts tun, macht das auch nichts.“

Das sieht Hannelore Ilnseher ganz genauso: Der Platz inmitten von Blumen, Sträuchern und einem Brunnen reicht fürs Gartenhäusl, den kunstvollen Grill, die Hängematte und den Liegenstuhl, und „das Rasenmähen ist in 20 Minuten erledigt“ – Herz, was willst Du mehr! Auch sie und ihr Mann Hans-Peter wollten ihr grünes Wohnzimmer keinesfalls missen. Die meisten Sommerwochenenden spielen sich dort ab, gegessen wird am liebsten im Freien. „Nur, dass man mit dem Tablett über die Straße gehen muss – daran hab‘ ich mich erst mal gewöhnen müssen“, erinnert sich Hannelore Ilnseher lachend an ihren Einzug in Elternhaus und -garten ihres Mannes. Der im übrigen eine gemütliche Tradition dort pflegt: Seit über 35-jährige kommt dort sein Stammtisch zusammen, im Sommer draußen im Garten, im Winter im bequemen Gartenhäusl.

Ein Mal im Jahr herrscht hier hektische Betriebsamkeit: zum 24-Stunden-Rennen. Die Ilnsehers sponsern ein bis zwei Teams; ihre Garage dient den Radlern als Fahrerlager, aus der Küche kommt Kohlenhydrat-Nachschub für die ausgezehrten Dauer-Biker. Und der Garten? Wird beim Race24 zur idealen Tribüne, mit Blick auf die Alleestraße als Teil der Strecke. „Da können wir unser Team bei jeder Runde kräftig anfeuern!“

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