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Donau-Nationalpark

Ein Bündnis wirbt für Wildnis am Wasser

Befürworter eines dritter Nationalparks formieren sich: Sie werfen vor allem Kelheimer Gegnern Fehlinformation vor.
Von Martina Hutzler

Seeadler schicken sich derzeit an, als Brutvogel in die Donau-Auen zurückzukehren. Für solche imposanten Bewohner wäre ein dritter Nationalpark ein Segen, argumentiert das neu formierte „np3“-Bündnis. Foto: Christian Charisius/dpa
Seeadler schicken sich derzeit an, als Brutvogel in die Donau-Auen zurückzukehren. Für solche imposanten Bewohner wäre ein dritter Nationalpark ein Segen, argumentiert das neu formierte „np3“-Bündnis. Foto: Christian Charisius/dpa

Neuburg. Rund 150 Natur-Interessierte haben am Montag in Neuburg/Donau das „Bündnis Auen-Nationalpark“ gegründet. Vertreten sind darin Kelheim und alle weiteren Landkreise, in denen Bayerns geplante dritter Nationalpark („np3“) entstehen würde. Das Bündnis will für die Chancen eines solchen Nationalparks für Mensch und Natur werben. Endlich, sagten mehrere Redner: Für so eine Kampagne sei es „fünf vor Zwölf“.

Denn „das Mobilisierungspotenzial der Park-Gegner“ sei „fast zum neidisch werden“, sagte Dr. Norbert Schäffer, Landesvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Den Gegnern, die sich in Kelheim als Interessengemeinschaft (IG) „Ja zum Naturschutz – nein zum Nationalpark an unserer Donau“ formiert haben, warfen mehrere Redner allerdings „Panikmache“ vor.

„Glasklare Unwahrheiten“

„Das Infoblatt der IG enthielt glasklare Unwahrheiten. Da wird Meinung manipuliert“, kritisierte etwa Peter-Michael Schmalz, einer von drei Sprechern des neuen Bündnisses. Der Langquaider Kreisrat vermutete bei Vereinen wie dem Kelheimer Kanuclub auch wirtschaftliche Interessen hinter dem Protest.

Bündnis für den „np3“

  • Bündnis:

    Das „Bündnis Auen-Nationalpark“ will Argumente für einen „np3“ an Donau und Isar der Öffentlichkeit vorstellen und zeigen, dass in der geplanten Gebietskulisse längst nicht nur np3-Gegner leben. Geplant sind Info-Veranstaltungen, Werbekampagnen und ein Internet-Aufritt.

  • Sprecher:

    Peter-Michael Schmalz (Kelheim), Dr. Christine Margraf (Freising), Hans-Jürgen Steinherr (Neuburg). Regionaler Ansprechpartner für Kelheim ist auch Konrad Pöppel.

  • Organisation:

    Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Bund Naturschutz (BN) sowie die private „Stiftung Naturerbe Donau“ sind tragende Säulen des Bündnisses. Die Stiftung hat ein über 500 Hektar großes, seit Jahrzehnten unbewirtschaftetes Auwaldgebiet bei Neuburg zum Naturrefugium und Forschungsgebiet erklärt. Das Bündnis vereint nach eigenen Angaben auch noch weitere Grundstücksbesitzer, ferner Wissenschaftler, Jäger, Fischer, Imker und „naturverbundene Bürger“. (hu)

Falsche Argumente müsse man „absolut sachlich richtigstellen“, forderten mehrere Redner eine Devise „Argumente statt Trillerpfeifen“. Diejenigen Bürger, die noch gar keine Vorstellung, geschweige denn Meinung haben zum Nationalpark, will das Bündnis „emotional mitnehmen“ und mit der Aussicht auf „wilde“ Natur überzeugen.

Die hätte gerade an Donau und Isar eine Chance verdient auf höchstmöglichen Schutz, gerade auch vor Holzeinschlag, erklärte Dr. Christine Margraf. „Flüsse und Auwälder sind die ,Hotspots’ der Artenvielfalt in Europa“, und der geplante np3 würde Bayerns wertvollste „Hotspots“ sichern: zwischen Vohburg und Kelheim etwa den einen von zwei letzten freifließenden Donau-Abschnitten, dazu die Weltenburger Enge; an der mittleren Isar bei Freising wertvolle Auwälder, schilderte Margraf, Artenschutz-Referentin beim Bund Naturschutz (BN).

Seeadler schicken sich derzeit an, als Brutvogel in die Donau-Auen zurückzukehren. Für solche imposanten Bewohner wäre ein dritter Nationalpark ein Segen, argumentiert das neu formierte „np3“-Bündnis. Foto: Christian Charisius/dpa
Seeadler schicken sich derzeit an, als Brutvogel in die Donau-Auen zurückzukehren. Für solche imposanten Bewohner wäre ein dritter Nationalpark ein Segen, argumentiert das neu formierte „np3“-Bündnis. Foto: Christian Charisius/dpa

An beiden Flüssen laufen bereits Projekte zur Renaturierung. Mit einem Nationalpark könnte man die noch viel ambitionierter betreiben – und dabei Auwälder als natürlichen Hochwasser-Überflutungsraum wiedergewinnen, warb sie. Dass das geplante np3-Gebiet über weite Strecken nur aus einem schmalen Gehölzstreifen am Fluss besteht, sei kein Gegenargument: Auwälder – also der Bereich, den ein ungezähmter Fluss regelmäßig überflutet – seien „nie flächig, sondern immer ein relativ schmales Band“.

Sprecher Peter-Michael Schmalz erklärt, was das Bündnis vorhat:

Peter-Michael Schmalz stellt das „Bündnis Auen-Nationalpark“ vor. Video: Martina Hutzler

Von den vielen Fakten pro Nationalpark müssten insbesondere die Anwohner entlang des geplanten np3 überzeugt werden, forderte Thomas Dorsch. Bislang würden dort wildeste Gerüchte befeuert, von Betretungsverboten und einem „eingezäunten“ Nationalpark, beobachtet der Natur- und Landschaftsführer aus Kelheim. „Selbst der Harvester-Einsatz im Staatswald wird für eine Vorbereitung für den Nationalpark gehalten“. Dorsch forderte, in jedem der np3-Landkreise (Kelheim, Pfaffenhofen, Eichstätt, Neuburg, Donau-Ries, Freising, Stadt Ingolstadt) Infoveranstaltungen zu halten. Ja – und zwar mit genaueren Karten, ergänzte Christiane Lettow-Berger: Die vom Umweltministerium veröffentlichte Gebietskulisse sei so ungenau, dass sie Gerüchte und Ablehnung erst angeheizt habe, urteilte die Kelheimer Kreisrätin.

Das Ministerium habe diese Gebietskulisse zwar naturschutzfachlich festgelegt, dann aber eingekürzt um regionale Konfliktzonen wie Privatflächen – doch daran sei man als ehrenamtliches „Bündnis Auen-Nationalpark“ ja nicht gebunden, befand Konrad Pöppel (Mainburg).

Die Sprecher (v.re.) Hans-Jürgen Steinherr, Dr. Christine Margraf, Peter-Michael Schmalz und Fachberater Siegfried Geißler. Foto: Hutzler
Die Sprecher (v.re.) Hans-Jürgen Steinherr, Dr. Christine Margraf, Peter-Michael Schmalz und Fachberater Siegfried Geißler. Foto: Hutzler

„Wir können alle fachlich wertvollen Flächen zumindest benennen“, stimmte Siegfried Geißler (Neuburg) zu, der Fachberater im Bündnis. „Es gäbe zum Beispiel durchaus Privatleute, die gerne Flächen für einen np3 hergeben würden.“

„Ungefragt vereinnahmt“

Nicht nur die Gruppe der Grundstücksbesitzer wird nach Meinung des Bündnisses ungefragt als np3-Gegner vereinnahmt. Bündnis-Schriftführerin Ulla Eller kritisierte, dass sich die Jäger-Kreisgruppen Donauwörth und Neuburg gegen den np3 positioniert hätten – ohne ihre Mitglieder zu befragen. Dabei sei Jagd in einem Nationalpark nicht nur möglich, sondern als Wildtier-Management sogar nötig. „Ich bin Jägerin – und pro Nationalpark!“, bekräftigte Eller, und nahm ihren Landes-Jagdverband in die Pflicht: „Wie kann man als anerkannter Naturschutzverband gegen den Nationalpark sein? Das wäre hoch egoistisch!“

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