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Verkehr

Ein ganz einfaches Geheimnis

Rudi Zirngibl aus Neustadt ist seit 50 Jahren unfallfrei mit dem Auto unterwegs. Wie schafft man das?
Von Jochen Dannenberg

50 Jahre unfallfrei: Rudi Zirngibl freut sich über die Auszeichnung. Foto: Dannenberg
50 Jahre unfallfrei: Rudi Zirngibl freut sich über die Auszeichnung. Foto: Dannenberg

Neustadt.50 Jahre lang unfallfrei Autofahren – das schaffen nur wenige. Einer davon ist Rudi Zirngibl aus dem Neustädter Ortsteil Schwaig, der für diese Leistung nun von der Kreisverkehrswacht ausgezeichnet wurde. Im Interview mit der Mittelbayerischen verrät er sein Erfolgsgeheimnis.

Zehn Jahre, zwanzig Jahre unfallfrei schaffen viele. Dreißig oder vierzig Jahre sind eine Ausnahme. Aber fünfzig, ein halbes Jahrhundert? Rudi Zirngibl beteuert: „Es war kein Unfall in der Zeit.“ Dabei fährt Zirngibl nicht nur am Sonntag und bei Sonnenschein, sondern bei jedem Wetter und das auch noch täglich. Rudi Zirngibl ist Fuhrunternehmer, Kiesgrubenbesitzer und Abbruchunternehmer und längst im Rentenalter. 83 Jahre ist er alt.

Und jeden Tag ist er mit seinem Pick-up, dem Klein-Lkw mit Ladefläche, unterwegs. Oft auch in Kombination mit einem Anhänger. Und da soll es keinen Unfall gegeben haben. „Nicht einen“, schwört Rudi Zirngibl, der früher auch viele Jahre Mitglied des Stadtrats gewesen ist. Die Kreisverkehrswacht Kelheim hat es bestätigt. Vor kurzem verlieh sie ihm das „Goldene Lorbeerblatt“ für fünfzig Jahre unfallfreies Fahren mit Pkw. Zugleich bekam Zirngibl die „Auszeichnung in Gold mit Eichkranz“ für dreißig Jahre unfallfreies Fahren als Berufskraftfahrer. „Eigentlich“, sagt er, „waren das ja schon über 42 Jahre, aber so war die Ehrung nun mal.“

Unfälle als Warnung

Rudi Zirngibl ist u.a. auch Abbruchunternehmer. Auch dabei ist es nie zu einem Unfall gekommen, sagt er. Foto: Dannenberg
Rudi Zirngibl ist u.a. auch Abbruchunternehmer. Auch dabei ist es nie zu einem Unfall gekommen, sagt er. Foto: Dannenberg

Ohne Glück geht das nicht, sagt der 83-Jährige. Aber man könne dem Glück auch etwas „nachhelfen“, indem man vorausschauend fährt und versucht, die Fehler der anderen rechtzeitig zu sehen. Das gelte umso mehr, je größer die Fuhre ist. „Wenn man mit dem Lkw unterwegs ist, muss man auf die Ladung aufschauen, dass nichts runterfällt und wenn es eng wird, muss man auch aufschauen und langsamer fahren“, erklärt Zirngibl. „Wenn einer was bestellt hat, wo ich mit dem Lkw hinmusste, habe ich immer gefragt, wie breit ist die Einfahrt?“

Verkehr

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Die Unfälle, die er bei seinen täglichen Fahrten sah, waren ihm eine Warnung. „Ich habe mich dann oft gefragt, was ist da passiert? Hat da jemand zu wenig aufgepasst oder war der Fahrer abgelenkt? Hat er vielleicht was während der Fahrt getrunken?“ Das sind die Gedanken, die auch vielen anderen Menschen durch den Kopf gehen, wenn sie an einer Unfallstelle vorbeikommen. Dennoch gelingt es nicht jedem, ein halbes Jahrhundert unfallfrei zu bleiben. Vielleicht gibt es noch einen – möglicherweise den entscheidenden – Unterschied. Bei Rudi Zirngibl ist der Führerschein die Grundlage für seinen Betrieb gewesen. Der Führerschein war die Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Und der erste Lkw, den Zirngibl einst in Abensberg kaufte, war sein ganzes Betriebsvermögen. Wobei, erzählt der 83-Jährige freimütig, er damals gar nicht das Geld hatte. Unter diesen Voraussetzungen durfte es keinen Unfall geben.

Verkehrssicherheit

  • Ziel:

    Die Kreisverkehrswacht Kelheim wurde 1972 mit dem Ziel gegründet, die Sicherheit auf den Straßen im Landkreis zu erhöhen.

  • Gemeinsam:

    Diese Arbeit leistet die Verkehrswacht mit der Polizei und Wirtschaftsunternehmen.

  • Training:

    Aushängeschild ist der Überschlagsimulator, mit dem das richtige Befreien bzw. Bergen nach Überschlag trainiert werden kann.

Die Kreisverkehrswacht hat es überprüft. Geschäftsführerin Christine Dauerer erklärt, dass es zwei Bestätigungen gebe – „eine schriftliche vom Geehrten und eine vom Kraftfahrtbundesamt“. Das registriert alle Unfälle, die sich in Deutschland ereignen. Allerdings nur jene, zu denen die Polizei hinzugezogen wurde. Das sind in der Regel die Fälle, bei denen es einen Personenschaden gegeben hat. Wer zum Beispiel einen Zaun beschädigt, sich mit dem Eigentümer einigt und deshalb nicht die Polizei hinzugezogen wird, gilt als unfallfrei.

Rücksicht ist sicherer

„Es geht bei der Auszeichnung um die Vorbildfunktion, die die Geehrten haben“, betont Christine Dauerer. Schließlich gehe es der Verkehrswacht darum, die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Das sieht auch Christian Prasch, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Kelheim, so. Er sagt: „Es gibt im Straßenverkehr immer zwei Gruppen – die Raser und die Rücksichtsvollen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rücksichtsvollen die fünfzig Jahre unfallfreies Fahren schaffen, ist höher als die der anderen.“

Darum geht es auch bei der Straßenverkehrsordnung. Verkehrsregeln sind eigentlich nichts anderes als Unfallverhütungsvorschriften.

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