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Region Kelheim
Freitag, 25. Mai 2018 24° 8

Landwirtschaft

Ein Gewinn nicht nur für die Natur

Gewässerrandstreifen und wechselnde Fruchtfolge auf den Feldern bringen etwas für die Umwelt und den Geldbeutel.
Von Wolfgang Abeltshauser

Stephan Schmerbeck ist zufrieden, wie sich der Boden durch die Fruchtfolge verbessert. Fotos: Abeltshauser

Abensberg.Gewässer- und Bodenschutz ist seit Jahren ein Thema in unserer Gesellschaft. Das weiß Roswitha Heiß-Brenninger – Chefin vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Abensberg – nur zu gut. Landwirt Stephan Schmerbeck – dem Verwalter vom Klostergut Buchhof – geht es nicht anders. Den sprechen Zeitgenossen schon mal an, wenn sie glauben, er ackere zu nahe an Wasserläufe heran. Er will jetzt mithelfen, seinen Berufskollegen die Bedeutung von Schutzmaßnahmen nahezubringen. Und zeigen, dass sich das auch rechnen kann.

Seit 2017 gibt es ein Netzwerk von so genannten Demonstrationsbetrieben in ganz Bayern, die ein vom Staatsministerium aufgelegtes Aktionsprogramm umsetzen. Gewässerschonendes Arbeiten soll praktiziert werden. So war es bei einem Pressegespräch im Abensberger Amt und auf dem Klostergut Buchhof zu erfahren. Schmerbeck hat nach eigenen Worten durchaus gute Erfahrungen gemacht mit grünen Randstreifen und Wintersaat mit wechselnder Fruchtfolge auf den Feldern. Unter dem Strich spare das auch Dünger und Pestizide. Mehre so also den Gewinn des Betriebs.

Es besteht Handlungsbedarf

Grundsätzlich ist Siegfried Schneeweis-Müller vom Amt für Landwirtschaft zufrieden mit den hiesigen Landwirten. Die Zahl der Anträge – etwa für die Förderung von Gewässer- und Erosionsschutzstreifen – sei steigend. Trotzdem gebe es sehr wohl noch Handlungsbedarf. Überzeugungsarbeit bei Schmerbecks Berufskollegen sei nach wie vor notwendig. Und finanzielle Anreize braucht es wohl auch. Selbst der Buchhofener Verwalter räumt ein, dass für ihn die Unterstützungsgelder schon ein starkes Argument waren. Schneeweis-Müller betont: „Landwirte müssen Boden- und Gewässerschutz als Auftrag annehmen.“ Das fordere die Gesellschaft.

Schmerbeck hat solche Streifen auf Feldern angelegt. Je nach Hangneigung sei das absolut wirtschaftlich. Denn ab einer bestimmten Neigung gebe es Einschränkungen, was den Einsatz von Düngemitteln betrifft. Sollte so ein Randstreifen fehlen. Gemeinsam mit den Fördergeldern sei das letztendlich auch eine wirtschaftliche Entscheidung.

Nicht nur Fließgewässer

Nicht nur entlang von Fließgewässern sollen laut Schneeweis-Müller solche Randbereiche angelegt werden – sondern auch bei Mulden, in denen sich Wasser sammelt. Schmerbeck hat einen Teich, der zwischen den Feldern liegt, mit Sträuchern umgeben. Und sieht, dass dies bei Starkregen hilft. Erdreich werde nicht einfach ins Nass geschwemmt, sondern von den Pflanzen aufgehalten. Und gehe so nicht verloren.

Experten wie Schneeweis-Müller raten den Landwirten dazu, außerdem eine Wintersaat auf den Feldern auszubringen. Wenn Grünes auch über die kalte Jahreszeit hinweg auf den Feldern stehe, würde das Erosion entgegenwirken. Das macht nun Schmerbeck seit geraumer Zeit. Außerdem wechselt er dabei auch noch die Fruchtfolge.

Wasserpakt des Staatsministeriums

  • Demobetriebe:

    Sie sollen laut Landwirtschaftsministerium mithelfen, Landwirte praxisnah zu informieren, wie Wasser zu schützen ist. Ziel sei, für den gesamten Freistaat hundert solcher Höfe zu installieren.

  • Berater

    : Die Zahl der Wasserberater an den Fachzentren Agrarökologie ist fast verdoppelt worden. Es sind deren 35 für Bayern. Vor dem Aktionsprogramm waren es nach eigener Aussage nur deren 18 Experten.

  • Forschung:

    Die Staatsregierung steckt 1,5 Millionen Euro in spezielle Forschungsprojekte. Da geht es unter anderem darum, den Einsatz von stickstoffhaltigen Düngern zu reduzieren. Güllausbringung ist auch ein Thema. (wo)

Er berichtet von deutlich positiven Effekten. Eine stärkere Verwurzelung des Erdreichs sorge in der Tat dafür, dass weniger Boden verloren geht. Der Fachmann aus dem Landwirtschaftamt berichtet von Versuchen auf Feldern, die entsprechend bewirtschaftet werden. Sie seien fruchtbarer, würden nicht mehr so viel Dünger benötigen. Schmerbeck selbst berichtet davon, dass Schädlinge deutlich weniger ein Problem darstellen, seit er dieses System anwendet. Diese Vorgehensweise – die es übrigens schon im Mittelalter gab – ist also ganz unabhängig vom Naturschutz sinnvoll.

Jeder den eigenen Weg finden

Wobei jeder Betrieb für sich entscheiden müsse, welche Früchte da helfen. So Schmerbeck. Der betont, dass die Betriebe, die sich im Programm befinden, regelmäßig überprüft werden. Mittel zu sparen ist in den Augen von Schmerbeck, der sich zur konventionellen Landwirtschaft bekennt, sehr wohl ein Argument. Nicht nur, weil es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Auch, weil er selbstverständlich die Natur schonen will. „Wenn ich daheim die Wasserleitung aufdrehe, will ich davon auch trinken können“, sagt er dazu.

Wenn sich in Zukunft weitere Landwirte Schmerbeck als gutes Beispiel nehmen, dann wird die Menge der auf die Felder ausgebrachten Chemie weniger. Bis wann sich das dann im Trinkwasser in besseren Werten auswirkt, vermögen die Experten aber nicht zu sagen. Die Versuche hätten ja erst begonnen. Es könne schon etliche Jahre dauern, bis Wasser, dass ins Erdreich eindringt, bei den Brunnen der Wasserversorger ankommt.

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