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Ein guter Hirte ist wichtiger denn je

Pfarrer Georg Birner spricht in seiner Sonntagspredigt über systemrelevante Berufe und was Jesus damit zu tun hat.
Von Pfarrer Georg Birner

Zwei Hirten beim „Fachsimpeln“: Florian (li.), Praktikant beim Einiger Schäfer Schlamp, im Gespräch mit Abensbergs Pfarrer Georg Birner  Foto: Dr. Rupert Hanrieder
Zwei Hirten beim „Fachsimpeln“: Florian (li.), Praktikant beim Einiger Schäfer Schlamp, im Gespräch mit Abensbergs Pfarrer Georg Birner Foto: Dr. Rupert Hanrieder

Abensberg.In den letzten Wochen und bis heute ist immer wieder die Rede von den „systemrelevanten Berufen“: Gemeint sind damit die unterschiedlichsten Berufsgruppen, die unser Land „am Laufen halten“, das ja immer noch mit erheblichen Einschränkungen zurecht kommen muss.

Ich habe die Verkäuferinnen in den Geschäften vor Augen, in denen wir für den Haushalt des Pfarrhauses einkaufen. Sie fertigen die Menschen an der Kasse nicht ab, sondern geben ihnen auch noch den guten Wunsch mit: „Bleiben Sie gesund!‘

Ein Rettungssanitäter erzählt mir, wie er die Frau eines sehr alten Patienten bitten muss, sich noch im Rettungswagen von ihrem Mann zu verabschieden, da sie ihn die nächsten Wochen nicht im Krankenhaus besuchen darf. Wie viel Fingerspitzengefühl ist hier neben aller fachlichen Fähigkeit gefragt!

Bildung

Schüler stehen beim Neustart Schlange

Teilung von Klassen, Gitter, zeitversetzter Busverkehr – Kelheims Schulen wird viel abverlangt. Schüler schildern ersten Tag.

Ein Mönch aus der Benediktinerabtei Scheyern, der vor seinem Ordenseintritt Krankenpfleger war, arbeitet in diesen schwierigen Wochen übergangsweise wieder als solcher, weil es der Klinikleitung wichtig war, dass jemand medizinische Handgriffe ausführen und auch mit vielleicht schwierigen psychischen oder seelsorgerlichen Situationen umgehen kann.

Es sind Frauen und Männer, die aber alle das Eine gemeinsam haben: Sie stellen sich selber zur Verfügung, um die Not anderer Menschen zu lindern, um auf die Bedürfnisse anderer zu hören und tatkräftig zu antworten, oft auch unter Inkaufnahme erheblicher Risiken für die eigene Gesundheit.“

Ziegenhirten kümmern sich an einem Brunnen im Adrar-Gebirge in der Wüste Mauretaniens um Wasser für ihre Tiere. Foto: Manfred Forster
Ziegenhirten kümmern sich an einem Brunnen im Adrar-Gebirge in der Wüste Mauretaniens um Wasser für ihre Tiere. Foto: Manfred Forster

Hoffentlich können Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese wenigen Beispiele mit eigenen Erlebnissen bestätigen und vor allem auch, was darüber hinaus beeindruckt: In der Corona-Krise, wächst in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Leistungen der Menschen in diesen Berufsgruppen und sie werden wahrgenommen – vielleicht zum ersten Mal so richtig.

Ein systemrelevanter Beruf im Orient war in biblischer Zeit und ist es dort oft noch bis heute der Beruf des Hirten.

Zumindest sehe ich bei den Pilgerreisen in das Heilige Land immer wieder solche Hirten mit ihren Schafen und Ziegen und auch bei einer Reise nach Mauretanien in den zurückliegenden Faschingsferien war das ein ganz selbstverständliches Bild: Hirten mit ihren Herden.

Sehnsucht nach Verbindlichkeit

Und so war es nicht weit hergeholt, sondern aus der Alltagswelt der Menschen seiner Zeit genommen, als sich Jesus mit diesem Bild den Menschen vorgestellt hat: „Ich bin der gute Hirte.“ (Joh 10,11). Jedes Jahr am 4. Ostersonntag wird in den Gottesdiensten ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium verkündet, der um dieses Bild kreist.

Weitab von jeder Idylle und Romantik, über die die Hirten und Schäfer von damals und heute wahrscheinlich nur müde lächeln können, drückt dieses Bild zunächst einmal die Treue und Verbindlichkeit aus, mit der Jesus Christus für die Menschen da ist.

75 Jahre Kriegsende

Ein Arzt rettete Abensberg

Verschwörer um Stabsarzt Dr. Franz Ardelt wollten ein friedliches Kriegsende. Dafür täuschten sie mehrfach die SS.

Wie oft heißt es in der Werbung: „Sie können dieses und jenes Produkt ganz unverbindlich testen. Rückgabe jederzeit möglich!“ Unverbindlich – das ist ein Wort, dass so harmlos klingt, das den Umgang unter den Menschen aber in eine gewisse Beliebigkeit auflöst.

Unverbindlich heißt ja: Ich brauche mich nicht binden, ich brauche mich nicht entscheiden, ich muss mich nicht festlegen. Die Sehnsucht der Menschen richtet sich aber auf Verbindlichkeit. Denn sie macht das Leben erst möglich!

Verlässlichkeit steht ganz oben auf der Wunschliste

Und Umfragen zeigen es immer wieder: Junge Leute, die vielleicht Vieles über Bord werfen, was in unserer Gesellschaft lange üblich war und die einfach „ganz anders“ sein wollen, stellen Werte wie Treue, Verlässlichkeit und sichere Beziehungen ganz oben auf ihre Wunschliste.

Sie spüren es: Es muss Dinge geben auf die ich mich verlassen kann. Und noch mehr muss es Menschen geben, auf die Verlass ist! Wie wohltuend sind deshalb die Worte, die die Hirten-Rede im Johannesevangelium überliefert: Sie sprechen in großer Verbindlichkeit!

Und genau in der Mitte dieser Hirtenrede steht das Wort, mit dem sich das ganze Wirken Jesu zusammenfassen lässt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)

So versteht sich Jesus: Er schleicht sich nicht ein, er überrumpelt nicht, er ködert nicht mit unverbindlichen Versprechungen und Angeboten. Er sagt von sich, wer er ist und wozu er kommt: Der, der sich gesandt weiß, Menschen – alle – einzuladen zu einem Leben mit Gott, und der mit Leib und Leben bezeugt, dass Gott unser Leben am Herzen liegt.

Auf dem Weg zu erfülltem Leben

„Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.“ (1 Joh 4,9)

Aus dieser Verbindlichkeit Jesu kann bei den Menschen ein Vertrauen wachsen, das Hirten und Schäfer bis heute bestätigen können: Die Schafe kennen die Stimme ihres Hirten, sie hören auf diese Stimme und folgen ihm! (vgl. Joh 10,3f)

Blick in die Abensberger Klosterkirche. Von hier wird am Sonntag der Gottesdienst im Livestream übertragen.   Foto: Wolfgang Abeltshauser
Blick in die Abensberger Klosterkirche. Von hier wird am Sonntag der Gottesdienst im Livestream übertragen. Foto: Wolfgang Abeltshauser

Eine vertraute Stimme – Das kennt vermutlich jeder Mensch: Eine vertraute Stimme, die man mit geschlossenen Augen erkennt, der man „blind“ vertrauen kann. In der Ordensregel des heiligen Benedikt finde ich einen Hinweis darauf, was dieses vertrauensvolle Hören im Letzten bedeutet: Benedikt beginnt seine Weisungen nämlich mit der Aufforderung „Höre!“ und endet mit der Zusage „Du wirst ankommen.“

Erkenntnisse

Diese Spur zieht das Virus in Kelheim

Täglich prasseln neue Corona-Statistiken und Infos auf uns ein. Doch was sagen diese Zahlen eigentlich aus - und was nicht?

Das Hören auf die Stimme des guten Hirten Jesus Christus und das Mitgehen mit ihm gibt mir die Gewissheit, dass ich ankomme – in einem erfüllten Leben. Das Bild vom guten Hirten – unzählige Male in der kirchlichen Kunst dargestellt und vielen Menschen vertraut! Weil aber alle Vergleiche hinken und Bilder auch falsch gedeutet oder umgedeutet werden können, ist auch beim Bild des Hirten wichtig, was die Benediktinerin Charis Doepgen schreibt:

„Hirtenbilder sind schön, aber entbehrlich. Unverzichtbar ist nur die Stimme und das Wort vom Leben in Fülle.“

Alles zur Corona-Situation im Landkreis Kelheim finden Sie hier.

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