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Region Kelheim
Freitag, 22. Juni 2018 18° 3

Entwicklungshilfe

Ein kleines Wunder vollbracht


Von Manfred Forster, MZ

Hanns-Peter Kirchmann kann es kaum fassen: das Gebäude der neuen Geburtsstation am Centré Medical Maximilien Kolbe (CMMK) in Sabou im westafrikanischen Burkina Faso ist abgenommen. Nach europäischen Normen ist der Bau zwar weder gereinigt, noch ist baulich alles nach unserem Standard fertig, aber in den nächsten zwei bis drei Monaten werden die noch zirka 200 Mängel beseitigt. Türen, die selbst nach afrikanischem Standard den Namen nicht verdienen, müssen ausgetauscht werden, es gibt hohle Fliesen, Duschräume ohne Entlüftung und vieles mehr. Die leichte Ironie, die bei Hanns-Peter Kirchmann mitschwingt, wenn er die Mängelliste durchgeht, ist nicht zu überhören. „Aber so schlimm, wie am Berliner Flughafen ist es dann doch nicht“, sagt er.

Der Aktionsradius des CMMK mit 100 Kilometer im Umkreis ist für uns in Deutschland unvorstellbar groß, und die Menschen fiebern der ersten Geburt im neuen Entbindungsgebäude entgegen!

Doch noch vor ein paar Monaten hätte Kirchmann selbst nicht zu glauben gewagt, dass die Bauabnahme doch so unproblematisch von Statten geht. Und Emmanuel, ein Pfleger am Centre Médicale Maximilien Kolbe, ist sichtlich stolz ob des Neubaus: „Das ist“, sagt er, „ein Krankenhaus wie in Europa!“

Einweihung soll im Dezember sein

Jetzt geht es darum, die medizinische Einrichtung, die inzwischen eingekauft ist und auf die Einschiffung wartet, im Krankenhaus zu installieren, dazu kommt noch die normale Funktionseinrichtung wie Stühle, Betten, Tische, usw. „Es wird also noch bis Ende Oktober dauern, bis alles eingebaut ist und der Betrieb aufgenommen werden kann“, so Kirchmann nach seinem jüngsten Besuch in Burkina Faso. Anfang Dezember soll der Neubau eingeweiht werden, exakt vier Jahre nach der Einweihung des bisherigen Gesundheitszentrums. Auch damals schon hatte Hanns-Peter Kirchmann, Vorstand der Stiftung Main dans la Main, symbolisch einen Schlüssel überreicht – immerhin war es auch damals schon das Abensberger Ehepaar Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann, das das Gesundheitszentrum in Sabou fast seit seinen Anfängen unterstützt.

Auch die personelle Situation, die vorübergehend und nach dem Weggang von Schwester Dr. Marie Groleau gar nicht positiv ausschaute, scheint geregelt. „Gleich zum Start der neuen Geburtsstation steht uns die deutsche Ärztin Dr. Ute Leifert zur Verfügung, die so eine Art erste Bestandsaufnahme machen wird, eine Hebamme wird ihren Dienst ebenso aufnehmen wie ein ,Attaché médical‘, ein in Chirurgie ausgebildeter Krankenpfleger“, so Kirchmann. Dr. Leifert ist pensionierte Gynäkologin aus Wanne-Eickel, die sich mit derartigen Einsätzen einen Traum erfüllt – Afrika zu sehen und Afrika als Medizinerin kennenzulernen.

Damit nicht genug: Ein Arzt aus Burkina, der eine Aids-Ausbildung hat und in Ultraschall sehr erfahren ist, hat schon jetzt, am 1. Juli, seine Arbeit im CMMK aufgenommen, und ein Mediziner, der zwei Mal pro Woche im CMMK Sprechstunde hat, kommt weiterhin. „Für uns klingt das geradezu wie ein kleines Wunder, denn nach dem Fortgang von Schwester Marie machte sich schon ein wenig Hoffnungslosigkeit breit“, gesteht Hanns-Peter Kirchmann.

„Sie hat alle Register gezogen“

Einen großen Anteil an diesem Wunder schreibt er der Botschafterin Burkina Fasos in Deutschland, Marie-Odile Bonkoungou-Balima, zu, die „wie eine Schutzpatronin über das Projekt wacht und hier alle Register gezogen hat!“

Sorgen macht Kirchmann allerdings noch die Restfinanzierung des Baus. „26 000 Euro fehlen, 16 000 Euro kommen von der Stiftung, 10 000 Euro muss MdlM zusammen mit den Franziskanern noch auftreiben und der laufende Betrieb muss ja auch abgesichert sein“, rechnet Kirchmann vor, „da werden einige Aktionen nötig sein, um das alles finanziell zu stemmen.“ Erst kürzlich fand in Offenstetten das Dorffest am Cabrini-Zentrum statt. Ein Teilerlös davon geht an die Kirchmann-Stiftung: 1965 Euro. Wer die Stiftung „Kirchmann für Afrika“ finanziell unterstützen will, kann dies tun per Überweisung auf das Konto 600 203 122 bei der Raiffeisenbank Bad Gögging, BLZ 750 690 15.

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