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Gemeinschaftswerk

Ein neuer Spielplatz in Bad Abbach

Der neue Spielplatz „Rusticus“ an der Finkenstraße ist fertig. Die Nutzer haben ihn tatkräftig mitgestaltet.
Von Gabi Hueber-Lutz

Hände abwaschen oder auch kühlen, weiter gehts mit Spielen: die Wasserstelle am Spielplatz Rusticus in Bad Abbach.  Foto: Gabi Hueber-Lutz
Hände abwaschen oder auch kühlen, weiter gehts mit Spielen: die Wasserstelle am Spielplatz Rusticus in Bad Abbach. Foto: Gabi Hueber-Lutz

Bad Abbach.Gut, dass die Jungs und Mädels der Angrüner-Mittelschule kurz vor der Eröffnung des neuen Spielplatzes „Rusticus“ noch schnell 48 Lavendel gepflanzt haben. Deshalb hatten sie nämlich Schaufeln dabei, die ihnen dann gleich zum Spielen noch gute Dienste leisteten.

Nach der Pflanzaktion war noch ein bisschen Zeit, bis die offizielle Eröffnung begann, und sie stürzten sich auf den Sand-Wasser-Platz. Schnell hatten sie den Dreh raus, dass man erst noch etliche Lücken zwischen den großen Quadern auffüllen musste, wenn man das Wasser anstauen wollte.

Wie die alten Römer

Dieser Wasserspielplatz ist es, der dem ganzen Spielplatz an der Finkenstraße überhaupt erst seinen Namen gab. Er ist mit seinem Grundriss dem Badehaus der römischen Villa rustica nachempfunden, die weiter östlich des Spielplatzes liegt. Die Grundmauern des Badehauses kann man in Gemling noch sehen. Vom Hauptgebäude der Villa rustica existiert nichts mehr, aber Archäologen kennen ihren Grundriss. Dessen Struktur findet sich in dem großzügigen Klettergerüst neben dem Wasserareal wieder.

Einmal durch die Lüfte. Foto: Hueber-Lutz
Einmal durch die Lüfte. Foto: Hueber-Lutz

Die Stimmung bei der Eröffnung war ausgesprochen fröhlich, die Reden von Superlativen geprägt. Stellvertretender Bürgermeister Christian Hanika sagte, das sei mit die schönste Eröffnung für die Gemeinderäte und auch die demokratischste. Zum einen, weil die Entscheidung im Marktrat für den Spielplatz sehr demokratisch und im Kompromiss über Parteigrenzen hinweg gefallen sei. Zum andern wegen der Beteiligung. Wie berichtet, hatte die ursprüngliche Arbeitsgruppe unter der Leitung von Andreas Diermeier bereits im Ideenprozess mit der Angrüner-Mittelschule zusammen gearbeitet. Unter der fachkundigen Leitung von Architektin Petra Hartung von den Freiraum-Architekten hatten die Kinder das Konzept entwickelt, was der Spielplatz enthalten sollte, und das auch dem Marktrat vorgestellt.

Der „Rusticus“ eröffnet

  • Offizieller Akt:

    Bei der Einweihung des „Rusticus“ war ein sehr langes rotes Band gespannt. Denn nicht nur die offiziellen Vertreter wie Landrat Martin Neumeyer und stellvertretender Bürgermeister Christian Hanika durften zur Schere greifen, sondern auch die Lehrer und Schüler.

  • Info:

    Die Robinienstämme, die den Eingang markieren, wurden von den Schülern der Angrüner-Mittelschule im Kunstunterricht gestaltet; ebenso wie die Informationstafeln, die dazwischen aufgehängt sind. Sie enthalten Wissenswertes zum Beispiel über die Villa rustica und die Römer.

  • Favorit:

    Der Seilzug, der auf vielfachen Wunsch der Kinder und Jugendlichen am Spielplatz entstand, ist heiß begehrt. Nicht nur die jungen Leute rauschten auf ihm über den mit Hackschnitzeln ausgelegten Boden. Wenn Freunde noch anschoben, wurde das Tempo so richtig rasant.

  • Europa:

    Mit der Europa-Flagge rückte Agnes Stiglmaier von der Leader-Förderstelle ins Bewusstsein, dass der Spielplatz mit Mitteln aus dem europäischen Leader-Programm gefördert ist. An die 150 000 Euro wird der Spielplatz kosten, fast 48 000 Euro stammen von Leader. (lhl)

Als die Finanzierung stand, machten sich viele Lehrkräfte der Angrüner-Mittelschule daran, den Bau des Spielplatzes in verschiedene Fächer ihres Unterrichts zu integrieren. Man habe den Lehrplan durchforstet, damit man den Bau des Spielplatzes auch in den Unterricht einbinden konnte, erzählte Lehrerin Lorena Augustin, die wie ihre Kollegen Veronica Kreidl, Miriam Bloos und Matthias Müller viel Herzblut in das Projekt gehängt hatte. Zum Beispiel sammelten die jungen Leute Informationen für die Info-Tafeln am Eingang des Spielplatzes. Oder sie veranstalteten einen Ideenwettbewerb für die Comicfiguren, die durch die Informationen auf den Tafeln führen. Weil sie durch die Bank so originell waren, sind sie alle abgebildet. Auch am Bau des Spielplatzes waren die jungen Leute unter der fachlichen Aufsicht der Firma „Gemeinsam gestalten“ mit beteiligt. „Es war so schön, dass wir noch länger geblieben sind“, berichteten die beiden Jungs, die das Projekt vorstellten.

Wer hoch hinaus will, braucht Geschick. Foto: Hueber-Lutz
Wer hoch hinaus will, braucht Geschick. Foto: Hueber-Lutz

So schön könne Demokratie sein, sagte Hanika und lobte die Kinder und Jugendlichen: „Ihr habt Großes geleistet!“ Die beiden Geistlichen Pfarrer Frank König und Pfarrer Anton Dinzinger segneten den Spielplatz. Viele Beteiligte brachten Fürbitten vor und Hanika fügte noch eine an: die an Rowdys und Vandalen, damit sie dem Spielplatz, der auch das Werk der jungen Leute sei, nichts antun.

Mehr Leader geht nicht

Auch Landrat Martin Neumeyer war geradezu begeistert. Solche Projekte seien Vorzeigeprojekte für Leader. Der Spielplatz sei traumhaft schön und von Kindern für Kinder gestaltet. „Mehr geht nicht!“ Agnes Stiglmaier von der Leader-Förderstelle bestätigte das: „Hier ist etwas passiert, was dem Grundgedanken von Leader entspricht.“ Das Förderungsinstrument stehe dafür, dass Menschen in der jeweiligen Region am besten wissen, was gut für sie ist.

Dritter Bürgermeister Ferdinand Hackelsperger ging davon aus, dass die Kosten inklusive der Planungskosten schlussendlich bei 150 000 Euro liegen werden. 48 000 Euro kommen von Leader, 24 000 vom Freistaat Bayern.

Auch die Kinder sind absolut begeistert. Eva hüpfte vor Freude auf und ab. „100 von 100 Punkten“ wollte sie dem neuen Spielplatz geben. Simon und Felix, die grad am Graben waren, hatten nur einen Kommentar: „Sehr gut!“ Rektor Heiner Bruckmüller wollte das Ganze am liebsten umbenennen: „Der Platz sollte Villa lustica heißen, bei so viel guter Stimmung auch während der Bauphase.“ Es sei toll, wenn man als Schulleiter sehe, wie das läuft. „Danke für das Vertrauen in unsere Kinder.“

Das ganze Areal ist barrierefrei und auch gut für ältere Bewohner als Erholungsort nutzbar. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen ist es sehr angenehm, dass der Spielplatz viel alten Baumbestand hat, der Schatten spendet. Im Herbst geht es weiter mit der Gestaltung des Spielplatzes. Dann legt ein Schüler noch ein Weidentipi an. Auch einen Teil der Pflegearbeiten übernehmen die jungen Leute.

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