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Anerkennung

Ein Preis krönt den Ort der Inklusion

Inklusion ist gegenseitige Teilhabe. Ein Vorreiter ist das Cabrinizentrum Offenstetten, das dafür ausgezeichnet wurde.
Von Josef Eder

Landrat, Preisträger, Spender sowie Mitarbeiter und Schulchor des Cabrinizentrums freuen sich über die Auszeichnung mit dem Integrationspreis. Foto: Eder
Landrat, Preisträger, Spender sowie Mitarbeiter und Schulchor des Cabrinizentrums freuen sich über die Auszeichnung mit dem Integrationspreis. Foto: Eder

Kelheim. Das Cabriniheim Offenstetten, ein heil- und sonderpädagogisches Zentrum der katholischen Jugendfürsorge Regensburg (KJF), wurde mit dem ersten Inklusionspreis des Landkreises Kelheim ausgezeichnet. Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro kam von der Raiffeisenbank Kreis Kelheim. Die beiden Vorstände Albert Lorenz und Christoph Schweiger sen. überreichten den Scheck im Sitzungssaal des Landratsamtes.

„Aufstehen, aufeinander zugehen, um zu lernen“, war der Titel des Eröffnungssongs, den der Schülerchor der Cabrinischule unter der Leitung von Doris Gamurar sang. Mit diesem Lied wurde die Inklusion in wenigen Worten beschrieben. Man wurde gewahr, mit welcher Freude und Begeisterung die Kinder und ihre Erzieher, nicht nur das Lied sangen. Sie leben es.

Einhelliges Votum

„Die Forderung der Inklusion ist gegenseitige Teilhabe. Die moralische Anerkennung des Andersseins von Mitmenschen. Der Mitbürger, der Zeitgenosse, der Landmann oder Fremde ist ein etwas anderer Adressat für Botschaft als die meisten von uns“, verdeutlichte der Behindertenbeauftragte des Landkreises Professor Dr. Joachim Hammer. Vierzehn Einzelpersonen und Organisationen waren in der engeren Wahl für den Inklusionspreis. Jeder hätte ihn verdient.

Selbstverständnis

  • Normalität:

    Der Landkreis Kelheim ist in Sachen Inklusion gut aufgestellt. Der Tourismus hat sich seit langem auf Behinderte eingestellt. Die Wege in der Natur sind zum Großteil schon darauf ausgerichtet. Die Museen und die Befreiungshalle haben Aufzüge. Menschen mit Behinderung können deshalb an der Kultur teilhaben. Auch im Sport ist das heute normal. Vor zwanzig Jahren wurden Paralympics belächelt. Heute haben sie Sendezeit im TV.

  • Vorreiter:

    „Wir, der Landkreis, sind Vorreiter im Regierungsbezirk Niederbayern beim Aktionsplan Menschen mit Behinderung“, hob Landrat Neumeyer hervor. Er schloss mit dem Ausspruch eines Behinderten, der zu einem Zeitgenossen sagte: „Wenn sie mir schon meinen Parkplatz wegnehmen, dann bitte auch meine Behinderung.“ (lje)

Das einhellige Votum der Jury fiel auf das Cabrinizentrum Offenstetten, das seit mehr als vier Jahrzehnten eine Pilotfunktion, eine Strahlkraft und Visionen zum Thema Integration hat. Was vor zwanzig, dreißig Jahren noch als Spinnerei belächelt wurde oder gar als revolutionär galt, ist heute gängige Praxis. Als sich das Zentrum „auf den Weg machte“, gab es Widerspruch. Doch am Ende ist es gut gelaufen. Das Cabriniheim ist und bleibt in vielen Dingen konservativ. Es gelingt der Einrichtung aber, die filigrane Balance, Neues und Altes in seiner ureigensten Art zu vereinen, schloss Hammer.

Ehrenamt braucht Geld

Ein Ehrenamt innezuhaben ist heutzutage nicht gerade der Weisheit letzter Schluss. Dass es zusätzlich finanziell noch unterstützt wird, ist meist eine Ausnahme. Die neu fusionierte Raiffeisenbank Kreis Kelheim hat sofort reagiert und die vierstellige Summe ausgelobt. Der soziale Aspekt steht bei Genossenschaftsbanken mit im Vordergrund. „All inclusive“ und Chancengleichheit sollen damit gefördert werden.

Beispielhaft ist das so: „Wenn ein Zwerg eine Leiter bekommt, damit er sich einen Apfel pflücken kann“, stellte Landrat Martin Neumeyer klar. In den Mittelpunkt seiner kurzen Ansprache stand das Werk der Kreuzschwestern, an der Spitze derzeit Schwester Sieglinde steht, die seit 1946 aufopfernd in diesem Hause tätig sind. Sie seien Kamerad, Geschwister, Mutter und Angehörige in einer Person für die, die im Heim leben.

Dr. Bernhard Resch: „Diese Auszeichnung steht für die Wertschätzung, das Lebenswerk so vieler.“  Foto: Eder
Dr. Bernhard Resch: „Diese Auszeichnung steht für die Wertschätzung, das Lebenswerk so vieler.“ Foto: Eder

Albert Lorenz, Vorstandsvorsitzender von der Raiffeisenbank Kreis Kelheim betonte, dass sein Geldhaus sofort zusagte, als die Anfrage für die Unterstützung kam. „Für uns ist die Stiftung des Preisgeldes eine Herzensangelegenheit und nicht zur Imagepflege gedacht“, bekundete er.

Edmund Klingshirn sprach in seiner Laudatio von der Vorbildfunktion, die der erstmalige Preisträger im weiten Umkreis habe. Arbeit, Wohnen und das zielgruppenorientierte, nachhaltige Zusammenleben mit der guten Vernetzung von Behinderten und Nichtbehinderten gibt es seit 1970. In seiner Aufzählung ging Klingshirn mit Jahreszahlen und Fakten auf die sich immer weiter entwickelnde Arbeit im Cabrinizentrum ein. Das Zentrum in Offenstetten sei Vorbild für viele. In Offenstetten gebe es das fachliche, unterstützende Miteinander von Eltern und Betreuern. Alle fühlten sich miteinbezogen und ernst genommen. Es gebet keinen Stillstand, sondern ein vorwärts, auch wenn man manchmal meine, dass das nur in kleinen Schritten geschehe.

Menschen anvertraut

Das Geld und den sichtbaren Preis der Künstlerin Schmidt, den Schmidt als einen in sich geschlossenen Ammoniten bezeichnete, nahm Einrichtungsleiter Dr. Bernhard Resch entgegen. „Diese Auszeichnung steht für die Wertschätzung, das Lebenswerk so vieler. Wir sind nicht da, um zu verwalten, sondern um das Haus, am Puls der Zeit weiter zu entwickeln. Die uns anvertrauten Menschen bereiten wir auf ein eigenständiges Leben vor und begleiten sie dabei. Die Zusammenarbeit mit den sehr verständigen Behörden erleichtert die Arbeit“, sagte er. Landrat Neumeyer, Edmund Klingshirn und Lorenz überreichten Dr. Resch ein Schild, das an beiden Ortsenden unter dem offiziellen Ortsschild „Offenstetten – Ort der Inklusion“ angebracht wird.

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