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Finissage

Ein Stück Afrika bleibt in Abensberg

Mit einer Auktion ging „Traum und Wirklichkeit“ in Abensberg zu Ende. Für die Gäste aus Afrika gab es eine Überraschung.
Von Heike S. Heindl

Musiker von Diamandia trommeln vor dem Gemeinschaftsbild, das bei „Traum und Wirklichkeit“ versteigert wurde. . Foto: Heike S. Heindl
Musiker von Diamandia trommeln vor dem Gemeinschaftsbild, das bei „Traum und Wirklichkeit“ versteigert wurde. . Foto: Heike S. Heindl

Abensberg.Gleich für zwei großformatige Bilder des afrikanischen Künstlers Fernand Sawadogo hatte sich Detlef Knerich aus München entschieden. „Die Bildcollagen gefallen mir einfach“, sagt er und seine Lebensgefährtin Anja Oestreich weiß schon genau, wo die Bilder platziert werden – das kleinere Bild wird in der Küche seinen Platz finden und das Große kommt ins Wohnzimmer“, sagt sie. 60 von 89 Bildern, die in der Ausstellung zu dem Benefizprojekt „Traum und Wirklichkeit“ der Kirchmann-Stiftung gezeigt wurden, wurden letztendlich verkauft. „Wir sind sehr zufrieden“, bilanzierte Felicitas Kirchmann am Sonntagabend. Und somit bleibt ein Stück Afrika in Abensberg und der Region.

Während es draußen eiskalt und alles schneebedeckt war, drangen aus dem Kreuzgang ungewohnt afrikanische Rhythmen und Klänge. Sie begrüßten die Gäste, welche zahlreich zur Finissage am Sonntagnachmittag erschienen waren. Für die Gäste aus Afrika war die Rückkehr des Winters keine angenehme Überraschung. Organisator Hanns-Peter Kirchmann musste schnellstens Anoraks und dicke warme Socken beschaffen, denn Schnee hatte gerade Madame Aminata Sy aus Mauretanien noch nie gesehen. Unter ihrem langen, lachsfarbenen Taftkleid trug sie dicke schwarze Socken in zarten, lachsfarbenen Ballerinas.

Für sie war es auch die erste Reise nach Europa und somit sehr spannend. Besonders beeindruckend fand sie die Häuser mit mehreren Geschossen und Fahrstühle. Auch Rolltreppen waren etwas sehr Ungewöhnliches. „Besonders interessant fand ich es in den Schulen“, berichtet sie. „Diese Ausstattung mit Tischen und Stühlen, dazu der Überfluss an Pinsel und Materialien für den Malunterricht machte mich fassungslos.“ Am meisten freute sie sich über die Offenheit der Deutschen. „Es hat mich überrascht, mit welcher Wärme wir empfangen wurden. So etwas kenne ich nur aus dem Nomadenland“, sagte sie.

Auf die Frage, ob sie noch einmal nach Deutschland kommen möchte, antwortete sie mit einem klaren Ja. „Der Besuch hat nicht nur bei uns etwas bewegt, sondern auch hier. Die Menschen interessieren sich. Es hat Neugierde geweckt.“

Objekt der Begierde

Interessiert ging das Publikum dann auch bei der Versteigerung des Gemeinschaftsbildes zu Werke. Auktionator Anton Stark bat darum, dass sich alle kurz erheben sollten, um den Geldbeutel zu zücken und die 20 Euro-Scheine locker zu machen. Denn in 20 Euro-Schritten wurde geboten und wer Glück hatte, konnte das Werk auch dafür sein eigen nennen. Schnell war der erste Bieter gefunden und Melanie Schmid sammelte in einem großen Korb die ersten 20 Euro ein – und immer weitere Scheine.

In 20-Euro-Schritten fand die Versteigerung des Gemeinschafts-Werkes von 3,20 x 1,60 Metern, nach amerikanischer Art mit Auktionator Anton Stark statt. Foto: Heike S. Heindl
In 20-Euro-Schritten fand die Versteigerung des Gemeinschafts-Werkes von 3,20 x 1,60 Metern, nach amerikanischer Art mit Auktionator Anton Stark statt. Foto: Heike S. Heindl

Den Zuschlag erhielt schließlich Andreas Piendl. „Es war jetzt schon ein gewisser Reiz dabei mitzubieten“, sagte Piendl. Er arbeitet als Förderlehrer an der Anton-Balster-Mittelschule in Neustadt. Dort möchte er das Bild auch aufhängen. „Zu Hause könnte ich das große Bild nicht unterbringen, aber in unserer Schule wird es einen schönen Platz erhalten“, sagte er.

Das war die Abschlussveranstaltung im Kreuzgang in Abensberg:

Weitere Bilder Ausstellung

Von einer „unheimlich interessanten Begegnung“ berichtete Roland Oberndorfer. Unter seiner Regie hatten die Maler aus Burkina Faso und Mauretanien mit Mitgliedern des Kunstkreises das Bild gemalt. „Aber der Zeitaufwand war extrem groß“, so Oberndorfer. Klar, prallten da unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinander. „Während wir planen, gehen die Künstler aus Afrika gleich rauf los. Sie fangen genau andersherum an als wir.“ Das habe schon nach den ersten zehn Minuten für große Verwirrung gesorgt. Und wenn die Künstler aus Afrika der Meinung waren, es fehle hier und da ein Strich, so machten sie diesen – egal wessen Leinwandstück es war. „Damit konnten manche nicht umgehen“, räumt Oberndorfer ein, „aber am Ende kam ein sehr schönes Bild heraus.“ Die Verständigung erfolgte über eine Sprachapp mit dem Handy und mit Händen und Füßen, aber für alle Beteiligten sei es trotz aller Schwierigkeiten „eine tolle Erfahrung“ geworden. Oberndorfer: „Alles in allem war die ganze Aktion ganz großes Kino!“ Kunstkreis-Chefin Marianne Lüthi schenkte den Künstlern zum Abschied noch weiße Pigmente, die es in Afrika nicht gibt.

Zahlreiche Mitstreiter

Hanns-Peter Kirchmann betonte, wie wichtig die Arbeit des Kunstkreises und der Stadt Abensberg bei diesem Projekt waren. „Ohne dem Kunstkreis hätten wir das nicht machen können“, sagt er. „Toll war auch, dass es in den Schulen jeweils einen Motor gegeben hatte. Es freut mich riesig, dass sich die Schulen so unglaublich gut engagiert haben“. Schwer sei die Entscheidung gefallen, welcher Schule der Preis für das Siegerbild beim Malwettbewerb der Schulen zugesprochen werden sollte. Die Jury aus Künstlern aus Afrika und des Kunstkreises entschied sich letztendlich für das Bild des Hallertauer Gymnasiums aus Wolnzach. Den zweiten Platz belegte die Mittelschule in Neustadt, den Dritten die Cabrinischule in Offenstetten.


              
              Unter den teilnehmenden Schulen gewann das Hallertauer Gymnasiums aus Wolnzach. Für die Klassenkasse gab es 150 Euro von der Kirchmann Stiftung. Foto: Heike S. Heindl
Unter den teilnehmenden Schulen gewann das Hallertauer Gymnasiums aus Wolnzach. Für die Klassenkasse gab es 150 Euro von der Kirchmann Stiftung. Foto: Heike S. Heindl

Nach Ende der Versteigerung des Gemeinschaftswerks wurden insgesamt 700 Euro im Bastkorb von Melanie Schmid gezählt. Und Johann Glas, Vorstand der Raiffeisenbank Bad Gögging legte für die Kirchmann-Stiftung noch einen Spendenscheck über 2500 Euro drauf.

Sämtliche Berichte über das Begegnungsprojekt „Traum und Wirklichkeit“ finden Sie hier.

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