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Leidenschaft

Eine Augenbraue mit der Motorsäge

Stefan Hummel macht Kunstwerke aus Holz. Mit Motorsäge und Schnitzwerkzeug, von klein bis zum Drei-Meter-Bären.
Von Roland Kugler

Ein menschliches Gesicht mir der Motorsäge aus einem Holzstamm heraus zu formen, ist eine Herausforderung. Fotos: Roland Kugler
Ein menschliches Gesicht mir der Motorsäge aus einem Holzstamm heraus zu formen, ist eine Herausforderung. Fotos: Roland Kugler

Kelheim.Manchmal kommen Männer ja auf eigenartige Ideen, wenn die Frau außer Haus ist. Als Stefan Hummel vor vier Jahren mal ein Wochenende alleine war, griff er zur Kettensäge. Er richtete kein Massaker an, sondern schuf sein erstes Kunstwerk. Die spontane Idee ist zur Leidenschaft geworden, die mittlerweile außergewöhnliche Figuren hervorbringt.

„Ich hatte ein Stück Holz und wollte schauen, ob ich einen Bären draus machen kann“ erzählt Stefan Hummel von seinem ersten Versuch. „Es war schwieriger als ich dachte, aber es ist was draus geworden.“ Nach drei Tagen war der Bär fertig. Heute steht er passenderweise in Berlin, Urlauber hatten ihn gesehen und wollten ihn unbedingt mitnehmen. Viele Figuren hat er seitdem geschaffen, die größte war ein weiterer Bär: drei Meter hoch und eineinhalb Tonnen schwer. Das Arbeitsgerät für sein Hobby ist ihm schon von klein auf vertraut: Stefan Hummel ist auf dem elterlichen Bauernhof in Affecking aufgewachsen. Ganz oben am Berg, in der Natur, am Wald. Dort lebt der 42-Jährige heute mit seiner Familie: den Töchtern Antonia und Magdalena, Ehefrau Bettina, Hund und Ziegen.

Ein ganzer Zoo aus Holz

Die groben Arbeiten macht er draußen im Hof: „Es ist eine schwere Arbeit, den ganzen Tag mit der Motorsäge, da tun dir am Abend schon die Flügel weh“, sagt er. Die Feinarbeiten mit dem Stemmeisen macht er in seiner Werkstatt. Dort kann er einheizen, und auch im Winter arbeiten. „Es ist ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit“, sagt er.

Feinarbeit mit der Carving-Säge
Feinarbeit mit der Carving-Säge

Beruflich arbeitet der Holzbildhauer als Maschinenbautechniker, als Konstrukteur am Computer. „Das dreidimensionale Denken ist schon von Vorteil, wenn man aus einem Holzblock eine Figur herausarbeiten will.“ Das sei die Herausforderung, die ihn an dieser Arbeit reize: „Zu sehen, was sich im Holz drin versteckt. Und ob ich meine Vorstellung dann auch so herausbringe.“

Alles mögliche kann so aus einem einzelnen Holzstamm entstehen: Tiere, Lampen, Dekorationen, Möbel. Seine Tochter Magdalena hatte sich einen Adler gewünscht. Eine Nichte bekam einen Delfin, der Schwiegervater einen Steinbock. Aus einem innen verfaulten Eichenstamm hat er eine Lampe gemacht. „Der ist das Häckseln nicht mehr wert“, hatte sein Vater gesagt. Stefan hat ihn mitgenommen, heute steht er als zwei Meter große, in mehreren Farben leuchtende Lampe im Wohnzimmer. Tische, Stühle, Bänke, verziert mit verschiedenen Motiven.

Das Werkzeug

  • Groß:

    Das meiste macht Stefan Hummel mit der Motorsäge. Die größte hat neuneinhalb PS und ein Schwert mit 110 cm Länge. Das braucht er für einen geraden Schnitt durch einen meterdicken Stamm. Sieben verschiedene Kettensägen hat er mittlerweile.

  • Klein:

    Feine Konturen arbeitet er mit der Carving-Säge heraus. Ihr Schwert ist 20 cm lang, spitz zulaufend und hat keinen Rückschlag.

Er stellt auch bei Ausstellungen aus und verkauft seine Werke. Die großen muss er dabei auch mal mit dem Traktor und Stapler transportieren. Wie zum Beispiel den Fahrradständer, den sich ein Freund für sein Geschäft wünschte. Für das Modell des hohlen Baumstammes hat er eine leere Klorolle genommen, am Computer mag er daheim nichts konstruieren.

Klorolle als Vorlage

Für die Tiermotive bedient sich Hummel bei den Stofftieren seiner Kinder. „Man hat die Proportionen einer Eule oder eines Wolfes nicht im Kopf. Man muss sehen wie sie aufgebaut sind“ sagt der Künstler. „Schon der erste Schnitt ist wichtig. Was einmal weg ist, ist weg.“ Am schwierigsten sei das menschliche Gesicht: „Wenn du einen Millimeter zu viel weg nimmst, schaut es dich ganz anders an.“ Um sich darin zu verbessern, machte er einen Kurs in Südtirol.

Weggeworfen wird bei Hummel nichts: mit den Holzabfällen heizt er seinen selbstgebauten Backofen ein.

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