MyMz
Anzeige

Theater

Eine schwierige Frage für die Zuschauer

„Terror“ zieht die Zuschauer in Abensberg bis zur letzten Sekunde in seinen Bann. Das Stück polarisiert und begeistert.
Von Roswitha Priller

Die Staatsanwältin (Carmen Nowak) beim Plädoyer. Für sie ist der Major (re., Markus Tierling) schuldig. Foto: Priller
Die Staatsanwältin (Carmen Nowak) beim Plädoyer. Für sie ist der Major (re., Markus Tierling) schuldig. Foto: Priller

Abensberg.Die Bühne wird im „Theater am Bahnhof“ zum Gerichtssaal. Die Zuschauer sind die am Ende urteilenden Schöffen. Das Thema ist aktuell und mitreißend. Mit Ferdinand von Schirachs „Terror“ ist den Schauspielern der Theatergruppe „Lampenfieber“ eine Meisterleistung geglückt. Mit einfachen Mitteln und einer klaren, schnörkellosen Bühnenstruktur vermitteln sie eine fesselnde Authentizität mit packender Justizatmosphäre. Die Zuschauer folgten von der ersten bis zur letzten Sekunde gebannt dem Geschehen. Sie sind selbst als Schöffen direkt in das Geschehen miteinbezogen.

Das Szenario ist brisant. Ein Terrorist kapert eine Passagiermaschine mit 164 Personen an Bord und zwingt die Piloten, Kurs auf die mit 70 000 Fußballfans gefüllte Allianz-Arena zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt der topausgebildete Luftwaffen-Kampfpilot Lars Koch (Markus Tierling) das Flugzeug in letzter Minute über einem Feldstück ab. Alle 164 Menschen an Bord sterben. Koch muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten

Schuld oder Unschuld

Seine Richter sind die Theaterbesucher, sie müssen als Schöffen über Schuld oder Unschuld urteilen. „Nehmen sie die Verantwortung ernst. Bleiben sie ruhig und gelassen“, forderte der Vorsitzende Richter (Dr. Christian Trippner) die Zuschauer auf. Es folgte die Beweisaufnahme. Alle Schauspieler gehen in ihren Rollen auf. Sei es der emotionale Verteidiger (Uli Brosmann), dessen Schnoddrigkeit noch durch die zerknitterte Robe unterstrichen wird.

Aufführungen

  • Termine: Weitere Aufführungen sind am 3. und 4. Mai um 19.30 Uhr, am 5. Mai um 17 Uhr sowie zum letzten Mal am 11. Mai um 19.30 Uhr.

  • Karten: Karten sind im Internet unter www.tab-abensberg.de sowie bei der Touristeninformation im Herzogskasten und im Geschäft Bellibri erhältlich. Der Eintritt kostet 12 Euro, Kinder bis 16 Jahre zahlen 9 Euro,

Oder die messerscharf analysierende Staatsanwältin (Carmen Nowak), die den Finger zielgerichtet an die wundeste Stelle von Koch und seinem Vorgesetzten (Robert Raith) legt. Beiden Schauspielern gelingt hervorragend der Wechsel vom emotionsfreien Militär, der Fakten wiedergibt, zum durch die Fragestellung der Staatsanwältin getroffenen Menschen.

Mehrmals umentschieden

Die Stimmung der Schöffen schwankte dann auch hin und her zwischen „schuldig“ und „unschuldig“. Keiner der Zuschauer konnte sich der durchaus polarisierenden Frage entziehen. In der Pause kreisten viele Gespräche nur um dieses Thema. „Ich habe mich schon mehrfach umentschieden“, meinte eine Besucherin aus Abensberg. Gerade das ergreifende Auftreten der Nebenklägerin (Annett Krietzsch), die bei dem Abschuss ihren Mann verloren hat, wirkte auf die Schöffen. „Es ist richtig spannend zuzusehen. Besonders gut gefällt mir, dass man die Gesichter der Zeugen auf dem Bildschirm sehen kann“, meinte ein weiterer Theaterfan. Regisseur Franz Englbrecht ist mit „Terror“ gelungen, was er wollte. „Wir wollen abwechslungsreiches, spannendes Theater bieten.“ Die Zuschauer dankten mit großem Applaus.

Weitere Berichte aus Abensberg

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht