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Region Kelheim
Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Premiere

Eintauchen in die Berufswelt

Der erste „Tag der Ausbildung“ des Landkreises Kelheim bringt Jugendliche auf Touren – und zur Lehrstelle von morgen.
Von Martina Hutzler

Was macht eine „Fachkraft für Bäderbetriebe“? Das Keldorado ist einer der Betriebe, die im November Ausbildungsberufe vorstellen. Foto: Attila Henning
Was macht eine „Fachkraft für Bäderbetriebe“? Das Keldorado ist einer der Betriebe, die im November Ausbildungsberufe vorstellen. Foto: Attila Henning

Kelheim.Verkauf, Büro, Autowerkstatt: Diese deutschlandweit beliebtesten Ausbildungsberufe kennen Jugendliche meist noch – aber sonst? Dass man im Kreis Kelheim zum Beispiel auch Berufe erlernen kann wie Elektroniker/in für Betriebstechnik, Fachangestellte/r für Bäderbetriebe oder Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft – das dürfte etlichen Schülern und Eltern neu sein. Wie viele Wege es ins Berufsleben gibt, können Schüler im Herbst im wahrsten Wortsinn erfahren: bei einem mobilen „Tag der Ausbildung“.

Für den wird Martina Wimmer derzeit zur Routenplanerin. Die Mitarbeiterin von Christian Rieger, Leiter der Kreis-Wirtschaftsförderung am Landratsamt, steckt mitten in der Vorbereitung für die Ausbildungstag-Premiere am 21. November. An diesem schulfreien Buß- und Bettag können Acht- bis Zehntklässler aller Schularten heuer auf eine Bustour zu Ausbildungsbetrieben im ganzen Landkreis gehen.

 Christian Rieger, Leiter der Wirtschaftsförderung, und seine Kollegin Martina Wimmer tüfteln derzeit die Routen für den Ausbildungstag aus. Foto: Hutzler
Christian Rieger, Leiter der Wirtschaftsförderung, und seine Kollegin Martina Wimmer tüfteln derzeit die Routen für den Ausbildungstag aus. Foto: Hutzler

Die Mitfahrt ist kostenlos

Die „Anbieter-Seite“ steht dabei schon weitgehend fest. Fast 200 Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel, Banken, dem Gastro- und Tourismusgewerbe sowie aus der Gesundheits- und Sozialsparte hatte Wimmer angeschrieben – 40 haben sich zur Teilnahme bereiterklärt. Damit werden am 21. November ein Dutzend Bus-Touren im Angebot sein, aus denen sich die Jugendlichen eine aussuchen können, die zum einen ihren beruflichen Interessen entspricht und zum anderen in die für sie passende Landkreis-Ecke führt. Die Teilnahme ist für die Kids kostenlos; Betreuungspersonen sind mit an Bord. Jede Tour umfasst, zwischen neun und 16 Uhr, zwei bis fünf Stationen; auf jeder Tour kümmert sich ein besuchter Betrieb um die Mittagsverpflegung der jungen Gäste.

Auf deren Resonanz sind die Organisatoren im Landratsamt schon gespannt – und nicht nur die. In vielen Sparten tun sich Betriebe seit Jahren schwer, Ausbildungsstellen zu besetzen. „Azubis händeringend gesucht“, das bekommt Manuel Lorenz, Leiter der IHK-Kreis-Geschäftsstelle, nach wie vor oft zu hören: wenige Bewerber, und die bringen teils wenig erfreuliche Noten mit – das bereite vielen Personalchefs im Landkreis Sorgen. Wie auch die immer häufigere Erfahrung, „dass junge Leute einen Vertrag unterschreiben – und dann doch nicht anfangen“, berichtet Lorenz.

Über unbesetzte Lehrstellen klagen auf IHK-Ebene nach wie vor gerade die technischen und die Berufe in der Gastronomie. Aber selbst bei früheren „Klassikern“ wie Kfz-Mechatroniker- oder Bank-Lehre stehen die Bewerber mittlerweile nicht mehr Schlange.

Was macht eine „Fachkraft für Bäderbetriebe“? Das Keldorado ist einer der Betriebe, die im November Ausbildungsberufe vorstellen. Foto: Attila Henning
Was macht eine „Fachkraft für Bäderbetriebe“? Das Keldorado ist einer der Betriebe, die im November Ausbildungsberufe vorstellen. Foto: Attila Henning

Andererseits scheinen vermeintlich starre Grenzen gerade aufzubrechen, beobachtet Martin Kessel, Ausbildungsberater der Handwerkskammer für den Kreis Kelheim: Bei ihm rufen vermehrt Abiturienten, Studierende und Hochschul-Abbrecher an, wollen Wege in einen handwerklichen Beruf ausloten.

Für Kessel ist dies das Ergebnis eines für Betroffene schmerzlichen Lernprozesses, der knapp 20 Jahre nach der EU-Hochschulreform gerade läuft: „Nicht alle Abiturienten sind fürs Studium geeignet. Aber ein Uni-Abschluss ist auch nicht der einzige Weg zum beruflichen Erfolg“ – schon gar nicht in Deutschland mit seiner EU-weit einmaligen dualen Ausbildung, betont Kessel.

Noch ein Aha-Erlebnis spielt Betrieben bei der Bewerbersuche allmählich zu, ergänzt Kessel: Immer mehr Kunden erleben leidvoll, dass Handwerker gesuchte Fachleute mit gut gefüllten Auftragsbüchern sind. Doch Handwerksbetriebe müssen nach wie vor dicke Bretter bohren, um Lehrstellen zu besetzen. Zumal auch das Hand-Werk immer mehr Grips und Kenntnisse erfordert, etwa im technischen oder im EDV-Bereich, und deshalb nicht jeder Interessent geeignet ist.

Resonanz war unterschiedlich

Die Arbeit in einem Betrieb konkret vorzustellen, junge Interessenten vielleicht sogar selbst etwas ausprobieren zu lassen – und so im Idealfall die geeigneten Azubis von morgen und übermorgen zu finden: Diese Chance haben Betriebe beim „Tag der Ausbildung“. Gewundert hat sich Martina Wimmer daher schon, dass sie gerade aus der Gastronomie und aus dem Handwerk relativ wenige Rückmeldungen erhalten hat.

Insgesamt sind sie und Rieger mit der Resonanz seitens der Betriebe aber mehr als zufrieden. Neben der „klassischen“ Lehrstelle informieren zum Beispiel einige Unternehmen auch über die Option Duales Studium oder über Ausbildungsangebote für Menschen mit Behinderung.

Nach den Sommerferien werden Rieger und Wimmer daran gehen, mit schulischer Hilfe bei der jungen Zielgruppe die Werbetrommel zu rühren.

Traumberuf finden

  • Routen:

    Aus zwölf Touren können, nach derzeitigem Stand, die Jugendlichen beim „Tag der Ausbildung“ auswählen. Die Routen sind thematisch und / oder räumlich gegliedert.

  • Themen:

    Die Betriebsbesuche sind thematisch gruppiert: Öffentl. Dienst, Banken/Versicherungen, Büro/Handel, Handwerk, Mechanik/Elektrik, Gastronomie/Tourismus, Gesundheit/Soziales

  • Regionen:

    Die Touren führen in den Raum Kelheim, Raum Mainburg, Raum Neustadt, Raum Altmühltal, Raum Abensberg sowie Bad Abbach/Rohr/Abensberg („Gesundheit“) (Fotos: Wüstneck, Jensen, Grubitzsch, dpa)

„Ab September stellen die Lehrer in den achten bis zehnten Klassen die Aktion vor“. Die Kammern sind dazu mit im Boot, der Arbeitskreis „Schule & Wirtschaft“, die Schulen selbst, die Berufsberater der Arbeitsagentur.

Auf der Kreis-Homepage werden in Kürze die Routen und besuchten Betriebe präsentiert. Auch in der „Mittelbayerischen“ können sich Schüler und Eltern informieren: Einige Berufe und Azubis aus den verschiedenen Sparten werden wir in einer Serie im Herbst vorstellen – rechtzeitig, bevor man sich bis Mitte Oktober für eine der Touren anmelden muss.

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