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Entscheidung

Einzigartigen Bau unter Schutz gestellt

Landesamt für Denkmalpflege spricht der Lukaskirche in Kelheim „hohe künstlerische Bedeutung“ zu – nicht alle freuen sich.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Die Lukaskirche und das angrenzende Wohnhaus samt Garage in der Bauersiedlung sind in die Denkmalliste eingetragen. Foto: Neumaier/Archiv
Die Lukaskirche und das angrenzende Wohnhaus samt Garage in der Bauersiedlung sind in die Denkmalliste eingetragen. Foto: Neumaier/Archiv

Kelheim.Die Lukaskirche in der Bauersiedlung in Kelheim, die 2016 von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Kelheim-Saal entwidmet worden war, ist seit einigen Wochen ein Denkmal. Bei der Kirchengemeinde löst das keine Freude aus. Da Pfarrer Armin Kübler- von der ersten Pfarrstelle in Kelheim in Urlaub ist, fragte die Reporterin Pfarrer Julian Scheuerer von der zweiten Pfarrstelle, was der Eintrag in die Denkmalliste für die Kirchengemeinde bedeutet? „Es wird sich zeigen müssen.“ Er könne nur jedem empfehlen, sich Wohnhaus und Garage anzuschauen und „sich mit dem gesunden Menschenverstand zu fragen, was daran denkmalwürdig ist“, sagte er.

Gespräch mit Landeskirche geplant


Wie Barbara Stein, Kirchenvorstand/Vertrauensfrau, sagte, müsse „erst noch mit der Landeskirche abgesprochen werden, was noch möglich ist – ob noch ein Einspruch erhoben oder sonst noch etwas unternommen werden könne. „Wir hätten gerne die Objekte Kleiberstraße 16 und 14 „optimal verkauft. Mit dem Denkmalstatus ist der Verkauf sehr schwierig geworden.“ Der Eintrag in die Denkmalliste „trägt nicht dazu bei, eine gesunde Gemeindeentwicklung zu haben. Für die einen ist die Erhaltung der Kunst das Wichtigste und für uns eine gesunde Gemeinde.“ Vier Kirchen seien mit den knapp 3000 Gemeindegliedern nicht zu unterhalten, so Stein.

Der Freundeskreis Lukaskirche, der 2016 ins Leben gerufen wurde, trat, wie mehrfach berichtet, für den Erhalt des Gulbransson-Werkes ein. Die Initiative für den Freundeskreis war von dem Siegenburger Dr. Eduard Jordan ausgegangen. „Ich hab’ wahrscheinlich als Erster beantragt, dass die Kirche unter Denkmalschutz gestellt wird“, so Jordan. An die 100 Personen seien beim Freundeskreis. Über den Eintrag in die Denkmalliste „haben wir uns schon riesig gefreut“. Er sprach aber auch die Sorge an, dass eine Nutzung gefunden werde, „die der Kirche angemessen ist“. Der Kelheimer Siegfried Lindner sagte auf Anfrage: „Jetzt ist erst einmal ein Zwischenschritt erreicht, dass die Kirche nicht abgebrochen wird.“ Der Freundeskreis, die Stadt und der Landkreis sollten gemeinsam mit dem Eigentümer eine vernünftige Nutzungsmöglichkeit finden.

Laut Pressestelle des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) ist im Juni der Eintrag in die Bayerische Denkmalliste erfolgt. „Auf Anregung Dritter wurde das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auf die Lukaskirche aufmerksam gemacht. Daraufhin hat das BLfD eine denkmalfachliche Prüfung der Lukaskirche durchgeführt“.

Entwidmung: Sakrale Gegenstände wurden aus der Lukaskirche getragen. Foto: Eder/Archiv
Entwidmung: Sakrale Gegenstände wurden aus der Lukaskirche getragen. Foto: Eder/Archiv

Die Stadt Kelheim erfuhr im laufenden Verfahren des Bebauungs- und Grünordnungsplanes Nr. 4 „Kelheimwinzer – Überarbeitung“ von dem Denkmaleintrag. Die Mitglieder im Bauausschuss votierten in dieser Woche dafür, dass im Bebauungsplan das Baudenkmal Lukaskirche samt angrenzendem Pfarrhaus und Garage im Bebauungsplan zu berücksichtigen und dieser nochmals öffentlich auszulegen ist. Die Kirchengemeinde hatte ursprünglich für ihre Flächen eine Nutzung zur Wohnbebauung beantragt. An die 500 Personen hatten bei der ersten Auslegung laut Markus Schnell, Leiter der Bauverwaltung im Rathaus, Anregungen und Bedenken eingereicht, „bei denen es ausschließlich um den Erhalt der Lukaskirche als Kulturgut und Denkmal ging“. Stadtplaner Fritz Bauer sprach in diesem Zusammenhang von „einer großen Anzahl“. U. a. Stadträtin Dr. Gudrun Weida war im Zuge des Verfahrens für den Erhalt der Lukaskirche eingetreten und im Ausschuss namentlich genannt worden. Die Ausschussmitglieder wurden über das Schreiben des BLfD vom 5. Juli an die Stadt wegen des Eintrags der Lukaskirche in die Denkmalliste informiert. Für all die Gebäude (Kirche, Pfarrhaus und Garage) sei ein Abbruch ausgeschlossen, sagte Bauer. Das Grundstück der Kirchengemeinde westlich der Lukaskirche ist weiterhin für Wohnbebauung im Planentwurf vorgesehen.

Innenansicht von vor einigen Jahren Foto: Bachmeier-Fausten/Archiv
Innenansicht von vor einigen Jahren Foto: Bachmeier-Fausten/Archiv

„Die Lukaskirche hat als besonderes und charakteristisches Zeugnis des evangelischen Kirchenbaus der Nachkriegszeit geschichtliche Bedeutung. Sie zählt zu den letzten Werken des früh verstorbenen Architekten Olaf Andreas Gulbransson (1916 – 1961), der den evangelischen Kirchenbau der Nachkriegszeit in Bayern maßgeblich prägte, und dessen baulicher Nachlass als Gesamtkunstwerk zu werten ist“, so das BLfD.

Einziger runder Sakralbau


Laut BLfD „hat die Lukaskirche in Kelheim durch ihre geschlossene Überlieferung auch eine hohe künstlerische und baukünstlerische Bedeutung. Gut ablesbar ist bis heute die Auffassung Gulbranssons, den Kirchenbau als Kunstwerk zu begreifen und somit die Bauaufgabe als ganzheitlichen Anspruch zu verstehen.“ Es ist erwähnt, dass „die Lukaskirche Gulbranssons einziger runder Sakralbau ist. Seiner Dachform liegt die Vorstellung des Gemeindezeltes zugrunde, ein in dieser Zeit gern gewähltes Ausdrucksmittel.“ In der Mitteilung der Pressestelle steht auch: „Gut ablesbar ist bis heute die Auffassung Gulbranssons, den Kirchenbau als Kunstwerk zu begreifen und somit die Bauaufgabe als ganzheitlichen Anspruch zu verstehen. Schon am Außenbau wird dies etwa durch die Gruppierung der Bauteile deutlich, die sich in wechselseitiger Abhängigkeit als ein Ganzes verstehen und gleichzeitig ihre jeweilige Eigenständigkeit und spezielle Nutzung zu erkennen geben. Auch die komplett überlieferte künstlerische und liturgische Innenausstattung des Kirchenrundbaus folgt dem Prinzip der wechselseitigen, harmonischen Übereinstimmung aller Werkteile.“

1961 mit dem Bau begonnen

  • Architekt

    Der Architekt der Lukaskirche war Olaf Andreas Gulbransson. Nach seinem Tod führt sein Mitarbeiter Karl Heinz Schwabenbauer „die Arbeiten im Sinne Gulbranssons weiter aus. Die Lukaskirche ist eines dieser Werke“, steht in der Broschüre zum Jubiläum der Lukaskirche.

  • Anfang

    Ende September 1961 war der Baustart für die Lukaskirche, die im Advent 1962 eingeweiht wurde. Unter dem Motto „50 Jahre St. Lukas – die runde Kirche feiert runden Geburtstag“ ist 2012 von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde der 50. Kirchen-Geburtstag begangen worden.

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