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Polizei

Elektrik-Defekt war wohl schuld am Brand

Im Neustädter Ortsteil Marching ist ein Wohnhaus abgebrannt. Brandermittler und ein Sachverständiger suchten nach dem Grund.
Von Jochen Dannenberg

Das Wohnhaus einer 55-jährigen Frau ist nach dem Brand am Dienstagvormittag nicht mehr bewohnbar. Foto: Dannenberg
Das Wohnhaus einer 55-jährigen Frau ist nach dem Brand am Dienstagvormittag nicht mehr bewohnbar. Foto: Dannenberg

Neustadt. Es war eine Idylle. Mitten in einem großen Garten, umgeben von Feldern, die einen weiten Blick zum Horizont gaben, hatte sich eine 55-jährige Neustädterin ihre Vorstellung von einem Leben mitten in der Natur eingerichtet. Hier, am Rand des kleinen Dorfes Marching, das viele Menschen vor allem für seinen Gasthof, den Steinbruch und die Serenade im Sommer kennen, lebte die Frau ihren Traum mitsamt ihren Tieren. Am Dienstagvormittag ging der Traum in Flammen und Rauch auf. Mittlerweile scheint nun die Brandursache geklärt: wohl ein technischer Defekt.

Das meldet tags darauf, am Mittwochnachmittag, das Polizeipräsidium. Demnach haben Brandermittler der Landshuter Kripo gemeinsam mit einem Sachverständigen den Brandort untersucht. Als Ergebnis schließen sie „eine fahrlässige oder vorsätzliche Brandlegung“ aus, so die Pressestelle des Präsidiums. Stattdessen gehen die Ermittler „von einem technischen Defekt im Bereich der Elektrik“ aus.

Glück im Unglück bei dem verheerenden Brand: Niemand wurde verletzt oder gar getötet wurde. Die 55-Jährige, die das kleine Einfamilienhaus allein bewohnt, schlief noch, als ihr „Aaron“, ein Pyrenäenberghund mit einem Mal anschlug, laut bellte und so die Frau weckte. „Aaron“ hatte den Rauch gewittert und sofort Alarm geschlagen, die anderen beiden Hunde der Frau, „Ayla“ und „Sheila“ waren ebenfalls in das Gebell eingefallen.

„Bloß raus hier“

Weil ein „Innenangriff“ nicht möglich war, kamen Drehleitern zum Einsatz.  Foto: Dannenberg
Weil ein „Innenangriff“ nicht möglich war, kamen Drehleitern zum Einsatz. Foto: Dannenberg

Sofort sprang die 55-Jährige aus dem Bett. Der Rauch zog bereits durchs Haus. „Ich dachte, bloß raus hier“, schoss es der Frau durch den Kopf. Sie nach der Ursache für den Rauch und versuchte den Brand selbst zu löschen. Mit einem Gartenschlauch hielt sie auf die Flammen, die unter einer kleinen Veranda an der Hauswand zum Dach des Anwesens Am Teigberg emporschlugen. Nachbar Peter Stieber, der zufällig mit seinem Motorrad vorbeifuhr, sah das Dilemma, erkannte sofort, dass der Kampf mit dem Gartenschlauch aussichtslos war und alarmierte die Feuerwehr. Um 9.20 Uhr heulten deshalb die Sirenen im Neustädter Ortsteil Marching. Die Feuerwehren aus Marching, Neustadt und Vohburg rückten an, außerdem das BRK. Da schlugen die Flammen schon mehrere Meter hoch aus dem Dach. Trotzdem versuchten die Feuerwehren, das Haus über einen „Innenangriff“ mit zwei Löschtrupps zu löschen.

Atemschutzträger wagten sich dazu in das Haus vor, mussten jedoch den Löschangriff wieder aufgeben – es bestand Lebensgefahr für die Einsatzkräfte. Eine Innenwand des älteren Einfamilienhauses war eingestürzt, außerdem brach der Fehlboden durch, erklärte Jürgen Bucher, Kommandant der Neustädter Feuerwehr. Darum kamen die beiden Drehleitern zum Einsatz.

Der Einsatz

  • Dachstuhl:

    Der Dachstuhl des Wohnhauses in Marching und die Photovoltaikanlage wurden bei dem Brand am Dienstagvormittag völlig zerstört. Einsatzkräfte brachen die Solarmodule ab, um Glutnester bekämpfen zu können.

  • Zerstörungen:

    Von der Ostseite wirkte das Anwesen auch nach dem Brand noch unversehrt. Tatsächlich aber war der Dachstuhl zerstört, eine Innenwand des Hauses war umgestürzt und ein Fehlboden eingebrochen. Der Sachschaden liegt in sechsstelliger Höhe.

  • Feuerwehren:

    Drei Feuerwehren aus Marching, Neustadt und Vohburg waren im Einsatz, um den Brand an dem Einfamilienhaus in Marching zu löschen. Nach einer Stunde war das Feuer (Foto: Dannenberg) weitgehend gelöscht.

  • Nacharbeiten:

    Die Nacharbeiten am Brandort in Marching dauerten noch mehrere Stunden. Immer wieder mussten einzelne Glutnester gelöscht werden. Die Feuerwehr setzte dazu auf dem Dachstuhl auch Motorsägen und die Drehleiter ein.

Nach einer Stunde war der Brand unter Kontrolle. Gegen Mittag waren die meisten Glutnester gelöscht. Der Sachschaden dürfte in sechsstelliger Höhe liegen. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar. Um sie kümmerten sich das BRK Neustadt und ein Neffe. Einen körperlichen Schaden hat die Frau nicht erlitten, insbesondere keine Kohlenmonoxidvergiftung. Das konnte vom BRK noch am Brandort festgestellt werden.

„Die Hunde bellten, dann habe ich ein lautes Knacken gehört“, erzählte die Frau später der Mittelbayerischen. Seit 1996 lebte sie in dem Anwesen in Marching, in das sie viel Arbeit und eine Menge Geld gesteckt hatte. So hatte das Haus unter anderem eine neue Heizungsanlage und eine Photovoltaikanlage bekommen. „Immer wieder war ich am Renovieren“, sagte sie. Für die zahlreichen Tiere – Hühner, Katzen, Hunde und Schafe – hatte die Frau auch Ställe gebaut.

Sorge galt den Tieren

Um Glutnester im Dach des Wohnhauses löschen zu können, musste die Photovoltaikanlage abgebrochen werden.  Foto: Dannenberg
Um Glutnester im Dach des Wohnhauses löschen zu können, musste die Photovoltaikanlage abgebrochen werden. Foto: Dannenberg

Den Tieren galt denn auch bei allem materiellen Schaden, den die 55-Jährige am Dienstagvormittag erlitten hat, die ganze Sorge. Die Hunde wurden zu diesem Zeitpunkt von einer Nachbarin versorgt, die Hühner gackerten in ihren Ställen, die sich auf der Ostseite des Hauses befinden, wo das Haus wie unbeschädigt wirkt. Auch den Schafen ist nichts passiert. Nur von den zwei Katzen war nichts zu sehen, deswegen sagt die Neustädterin. Sie sollen aber nach neuesten Erkenntnissen ebenfalls überlebt haben.

Wie es für die Frau weitergeht, ist unklar. Am Dienstag kümmerte sich ein Neffe um sie. Möglicherweise wohnt sie zunächst bei ihrer Mutter. Das Haus Am Teigberg ist unbewohnbar. Die Vorderseite des Anwesens sieht furchtbar aus. Die Photovoltaikanlage und das Dach sind zerstört. „Es ist alles weg“, sagt die 55-Jährige. „Papiere, Schlüssel, Unterlagen.“ Die Autoschlüssel liegen irgendwo im Brandschutt. Ob sie nach dem Feuer noch funktionieren? Das ist jetzt sicher eines der kleineren Probleme für die Frau.

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Wohnhaus komplett ausgebrannt

Unklar ist die Ursache für den verheerenden Brand. Die Kriminalpolizei Landshut hat die Ermittlungen übernommen, Angaben zur Brandursache konnten die Beamten des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing zunächst nicht machen. „Vermutlich brach der Brand im Außenbereich des Hauses aus“, erklärte Neustadts Feuerwehrkommandant Jürgen Bucher.

Er und seine Einsatzkräfte hatten übrigens einen äußerst arbeitsreichen Wochenauftakt. Am Montag hatte die Neustädter Feuerwehr fünf Einsätze – der letzte fand in der Nacht zum Dienstag in der Krankenhausstraße statt, die Feuerwehr war zu einer Personenrettung gerufen worden. Nur Stunden später rückte sie nach Marching aus.

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