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Abenteuer

„End-Fuchziger“ auf Fahrt seines Lebens

Mit dem Fahrrad hat Alois Weger aus Regensburg halb Europa umrundet. Davon erzählt er jetzt in Abensberg.
Von Helmut Wanner

Weiter geht es nicht: Alois Weger am Nordkap. Foto: Sammlung Weger

Abensberg.Alois Weger traut sich was. Seit er aus dem Arbeitsleben ausgestiegen ist und Privatier wurde, ist sein Lebensschiff auf großer Fahrt. Den Anker hat er nur vorübergehend im Elternhaus in der Adolf-Schmetzer-Straße ausgeworfen, dem ehemaligen Betriebsgelände von Fiat Weger. Unterwegs zu sein ist Alois Weger jetzt zur Heimat geworden.

Am Tag nach Aschermittwoch startete seine Vortragstournee durch die Oberpfalz und Niederbayern. Mental bereitet sich der Privatier auf seine nächste große Radtour vor. Nach seinem 59. Geburtstag will er Anfang Juni auf seinem Mountainbike von Regensburg nach Nordafrika aufbrechen. Das Atlasgebirge in Marokko ist sein Ziel. Auf einen marokkanischen Whisky (Minztee mit Zucker) wird er auf dem Platz der Gehenkten in Marrakesch Halt machen. „Die werden mich schon leben lassen“, meint er.

Alois Weger lässt es rollen

Für diese Radtour hat er ein halbes Jahr eingeplant. Danach will er Australien (2019) und Patagonien (2020) erkunden, bevor er endgültig auswandert. Wer Alois Weger also live erleben will, muss die Stunde nutzen. Die Gelegenheit dazu besteht am 1. März, 19.30 Uhr, im Langhaussaal in Cham. Den Gast erwartet eine Art von touristischem Brettl. „Kultur, Menschen und Emotionen“ sind angekündigt. Weger gilt als Rampensau. Als er die Säle mietete, wurde er gefragt, ob er für seinen Nordkap-Vortrag ein Pult brauche. „Ich brauch keines“, sagte Alois Weger. „Das Pult brauchen Politiker, um sich dahinter zu verstecken.“

Auch die Begleitmusik ist vom Feinsten. Vor Beginn und in den Pausen spielt das Fuchzgerblech, bestehend aus dem Deglbauerwirt von Hemau, Joe-Christian Wein und Franz Maas (Bré).

Alois Weger live erleben

  • Vortrag:

    Alois Weger hält am Sonntag, 25. März um 19.30 Uhr, einen Vortrag über seine Radtour im Spargelhof Kügel.

  • Einlass:

    17.30 Uhr.

  • Karten:

    Kartenvorverkauf ist direkt beim Spargelhof Kügel in Sandharlanden, Tel. (09443) 918050 und an der Abendkasse.

  • Eintritt:

    15 Euro.

Drei Monate brauchte der Regensburger Mountainbiker Alois Weger, um von Sevilla zum Nordkap zu radeln. Dieselbe Strecke schafft Weger in zwei Stunden hin und zurück. Dies Unmögliche geschieht im Saal bei Schweinsbraten und Bier.

Radeln wird durch ihn erst schön, bewies er bei seiner Premiere vor Weggefährten in Eilsbrunn. Der 58-jährige Marathonradler hatte sich vom 17. März bis 14. Oktober über seine Heimatzeitung, die Mittelbayerische, gemeldet. Auf Vermittlung der Geschäftsführung der Mittelbayerischen Zeitung traf er ausgewanderte Regensburger in Frankreich, Irland, England, Norwegen und Finnland. Weger ist ein Genussradler. Vor der Abreise habe er über 100 Kilo auf den Rippen gehabt, bekannte er. „Ich hatte nie so viel Gewicht als zum Zeitpunkt, als ich gestartet bin. Aber das macht nix beim Radlfahren: D’Wampn tut net weh, der A. tut weh.“

Der Terror-Rasierer

Es gab auch andere Anfangsschwierigkeiten zu meistern. Bereits beim Einchecken ins Flugzeug kam es zum Eklat: Terrorgefahr! In seinem Reisegepäck brummte es. Der Rasierer war eingeschaltet. Und 15 km hinter Sevilla machte Weger gleich seinen ersten Überschlag mit dem Radl.

Sein Vortrag lässt keinen kalt, denn wie bei jeder guten Komödie schwingt bei Weger immer auch ein Stück Schwermut mit. Das ist die Verletzlichkeit, die allen Rampensäuen eigen ist. Umsonst macht man sich ja nicht untrainiert auf eine Höllentour durch 23 Länder, wenn man in seinem Leben nichts aufzuarbeiten hat.

Weger streut nachdenkliche Passagen in seinen humorigen Vortrag ein. Die Reise war für ihn ein modernes Abenteuer. Er wusste morgens nicht, wo er abends sein Haupt betten werde. Er setzte sich kein Ziel außer dem, nicht aufzugeben. Selbst nach dem Tod seiner Mutter, die mit dem Sterben wartete, bis der Bub in Böhmen war, radelte er weiter.

Weger ließ das Leben täglich auf sich zurollen. Weil er so heranging, erlebte er Dinge, die Sportradler gar nicht sehen können. Am ergreifendsten für ihn war das Halleluja von Leonhard Cohen. Er hörte es beim Sonnenaufgang, mit Inbrunst gesungen von einer Pilgerin am Olavsweg. Das Lied vom „broken Halleluja“.

Ein Freund: „Alis, du spinnst!“

Sein ältester Freund, der Lindner Max aus dem Goethe-Gymnasium, hat schon immer gewusst, dass der Weger ein Narrischer ist, aber das mit dem Marathon-Radln hätte er ihm nicht zugetraut. „Dafür war er mir doch immer zu bodenständig.“ Als ihm Alois Weger seinen Plan mitteilte, war seine erste Reaktion: „Alis, du spinnst.“

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