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Themenwoche

Entscheidung: Bauen oder Mieten?

Meist ist es eine einmalige Entscheidung, die Menschen treffen müssen. Wir beschäftigen uns mit Fragen rund ums Thema Wohnen.
Von Benjamin Neumaier und Jochen Dannenberg

Kaufen oder Mieten? Die Antwort hängt nicht nur vom Einkommen ab. Wer ein eigenes Haus bauen will, kann sich muss vieles berücksichtigen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Kaufen oder Mieten? Die Antwort hängt nicht nur vom Einkommen ab. Wer ein eigenes Haus bauen will, kann sich muss vieles berücksichtigen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Kelheim.Kaum ein Thema wird so emotional diskutiert wie die Frage nach der eigenen Immobilie. Gleichzeitig ist es die wohl schwierigste Finanzfrage des Lebens: Lohnt es sich, all seine Ersparnisse zusammenzulegen, um eine eigene Immobilie zu kaufen oder ein Haus zu bauen? Oder wohnt man lieber zeitlebens besser zur Miete und legt dafür sein Geld breit gestreut an? Die Preise für Wohnungen, Häuser und Grundstücke sind in den vergangenen Jahren auch im Landkreis Kelheim kräftig gestiegen – was auf den ersten Blick für das Mieten spricht. Doch gleichzeitig sind Immobilienkredite durch die niedrigen Zinsen so billig wie nie. Das macht es nicht leichter für die, die sich derzeit fragen: Mieten, Kaufen oder Bauen?

Immobilien gelten als eine der sichersten Geldanlagen. Nicht umsonst ist vom Betongold die Rede, obwohl der Wert einer Immobilie grundsätzlich stark von Zustand, Größe und Lage abhängig ist. Der Wert ist aber auch kalkulierbar und recht stabil. Verluste sind kaum zu erwarten, Wertsteigerungen wahrscheinlich.

Nicht blauäugig kaufen

Dennoch sollte man nicht blauäugig drauflos kaufen: Auch im Landkreis Kelheim offenbart der Blick in die Immobilienanzeigen, dass sich die Immobilien- und Grundstückspreise je nach Ort und Lage stark unterscheiden und teils sehr hoch geschraubt haben. Ausgelöst durch die Finanzkrise sind die Verbraucher verunsichert und vielfach in einen Kaufrausch geraten. Die Preise sind deshalb in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Eine weitere Frage ist, ob es ein Haus sein muss, oder ob nicht auch eine Wohnung ihre Vorteile hat. Wohnungen sind meist deutlich günstiger als Häuser und es gibt sie eher in den Zentren der Städte. Damit verbindet sich denn auch für viele Käufer der Lebensentwurf: Will ich nach der Arbeit in den eigenen Garten oder ist mir der nicht so wichtig und ich kann uneingeschränkt das kulturelle Angebot der Stadt genießen?

Die Vorteile des Mieters

Ob Kaufen oder Mieten die bessere Alternative ist, hängt von anderen Faktoren ab. Auch Mieter genießen Vorteile: Sie bleiben flexibel bei der Wahl ihres Wohnorts und brauchen sich über die Instandhaltung des Hauses kaum Gedanken zu machen. Muss das Dach erneuert werden oder streikt die Heizung, ist der Vermieter zuständig. Für Menschen, die beruflich flexibel bleiben wollen (oder müssen) und Wert auf Unabhängigkeit legen, kann die Miete die beste Lösung sein – auch wenn das Einkommen ausreichen würde, um zu bauen oder zu kaufen. Wer mindestens zehn bis zwanzig Jahre am selben Ort bleiben will und einen sicheren Arbeitsplatz hat, wird im Eigentum wahrscheinlich glücklicher als in einem Mietobjekt.

Diskussion mit Peter Zwegat und Dirk Müller:

„Eine Immobilienfinanzierung ist meist 20 bis 30 Prozent teurer als die Miete für ein vergleichbares Objekt“, predigte Christian Schmid-Burgk, der mittlerweile verstorbene Experte für Baufinanzierung bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Grunderwerbssteuer, Notarsgebühren und andere Finanzierungskosten machen rund zwölf Prozent des Hauspreises aus. „Dieses Geld geht im Fall eines Wiederverkaufs verloren“, so Schmid-Burgk. Seine Empfehlung: Bauherren sollten eine Finanzierung gut vorbereiten. 20 bis 35 Prozent Eigenkapital brauche es für einen sinnvollen Finanzierungsplan.

Bauen oder Mieten?

  • Vorteile Eigenheim:

    Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit, Sicherheit, Platz und Freiraum für Familie, Geldanlage für das Alter, Berechenbarkeit der Finanzierung

  • Vorteile Mieten:

    hohe Flexibilität, persönliche Unabhängigkeit, geringere Verantwortung für Instandhaltung, geringere Nebenkosten

  • Nachteile Eigenheim:

    20 bis 30 Prozent höhere Kosten durch Finanzierungsnebenkosten, Ortsgebundenheit, Pflege und Instandhaltung, höhere Nebenkosten

  • Nachteile Mieten:

    steigende Mieten, eingeschränkte Gestaltungsfreiheit, Nebenkosten werden auf Mieter umgelegt, Abhängigkeit von Vermieter

Auch die Nebenkosten für die eigene Immobilie liegen monatlich um mindestens 100 Euro höher als bei einem Mietobjekt. Zu den Betriebskosten kommen beim Eigentum beispielsweise Grundsteuer und Versicherungsbeiträge hinzu. Bei Wohnungen kommen regelmäßig noch die Kosten für die Hausverwaltung drauf. Dafür muss man sich dann aber auch um vieles nicht kümmern, was wiederum Komfort bedeutet. Für Gartenpflege und Müll ist meist der Hausmeister zuständig. Aber letztlich sind auch Mieter in vielen Städten nicht mehr so flexibel wie in der Vergangenheit: Die Angebotsmieten liegen trotz der eingeführten Mietpreisbremse oft deutlich über dem Mietspiegel. Wer umziehen möchte, muss mit deutlich höheren Mieten kalkulieren.

Die Themen der Woche

Deshalb stellt sich nicht nur die Frage nach Kauf oder Miete, sondern grundsätzlich nach bezahlbarem Wohnen. Wir versuchen mit unserer Themenwoche „Wohnen, Bauen, Mieten“ das Thema im Landkreis Kelheim in vielen Facetten zu beleuchten. Wir werfen dabei einen Blick auf Unterschiede zwischen Alt- und Neubau, versuchen uns an einem Leitfaden für Bauherren, beschäftigen uns mit dem Aussterben der Innenstädte, beleuchten das Thema sozialer Wohnungsbau, stellen unterschiedliche Wohnformen vor, informieren über Tätigkeit von kommunalen Wohnungsbauunternehmen oder werfen einen Blick in die Zukunft – Stichwort Smart-Home.

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