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Helau

Erst Feier, dann Müllabfuhr

In Handarbeit wird nach dem Faschingszug in Essing der Müll aufgeräumt. Auch Kinder und Jugendliche helfen.
Von Renate Beck

Nach dem Faschingstrubel in Essing packten die KuFa-Mitglieder samt Kindern an, um den Müll aufzuräumen. Foto: Beck

Essing.„Jedes Ding hat zwei Seiten“ – ein alter Spruch, der auch für all die kleinen und großen Faschingsumzüge gilt. Einer Bombenstimmung entlang des Zuges, originell kostümierten Faschingsgruppen und ausgelassen feiernden Besuchern stehen Mengen von zerbrochenen Bier- und Schnapsflaschen und viele Wildpinkler entgegen. Auch die Marktgemeinde Essing wurde davor nicht verschont.

Unter felsiger Kulisse genossen etwa 1500 begeisterte Faschingsbesucher am Faschingssamstag die närrische Zeit. Der Kultur- und Faschingsverein Essing e.V. als verantwortlicher Veranstalter sieht die Hinterlassenschaften aber gelassen. Für die Mitglieder des KuFa ist es ganz normal, dass nach so einer Feier die Straßen aufgeräumt werden müssen.

Brauchtumswahrer

  • Der verloren

    geglaubte Essinger Fasching wurde 2010 vom neugegründeten Kultur-und Faschingsverein Essing wiedergeboren. Der Verein hat es übernommen, den Faschingszug zu organisieren.

  • Ohne den

    Kultur-und Faschingsverein Essing gäbe es diese Tradition in Essing nicht mehr. Der KuFa veranstaltet auch das Starkbierfest und das Sautrogrennen. Infos unter www.kultur-faschingsverein.de.

20 Mitglieder trafen sich deshalb am nächsten Morgen. Ausgerüstet mit Schaufeln, Besen und Mülltüten verteilten sie sich entlang der Veranstaltungsstrecke. Mama, Papa, Tochter, Sohn – teilweise die ganze Familie – sammelte leere Flaschen ein, zog Glasscherben aus den Pflasterfugen, fegte Plastiktüten, Pappbecher und liegengebliebene Bonbonverpackungen von den Straßen.

Viele Mülltonnen aufgestellt

35 braune Mülltonnen mit dem gut erkennbaren Aufdruck „Faschingsmüll“ hatten die KuFas bereits zum Termin des Faschingsumzugs auf der Wegstrecke verteilt. „Es wird halt leider einfach alles hingeschmissen, wo man gerade ist“ bedauerte 1. Vorstand Harald Schäffer. „Wir haben keine Kehrmaschine und machen alles in Handarbeit.“ Schäffer freut sich, dass jedes Jahr auch die Anwohner bei der Straßenreinigung mithelfen. Die aufgestellten Mülltonnen füllten sich recht schnell. Abgeliefert werden sie auf KuFa-Kosten in einem Kelheimer Entsorgungsbetrieb.

Aus Sicherheitsgründen gibt der Verein die Getränke nur in Plastikverpackungen aus. Trotzdem gab es auch dieses Jahr wieder Schnittverletzungen. „Zuviel getrunken – hingefallen – auf zerbrochenen Bierflaschen gelandet“. Woher die kommen? „Die bringen die Besucher auf den Wagen bereits mit“, erklärte Schäffer. Die eine oder andere Flasche gleitet vom Wagen herunter oder einfach aus den Händen. Etwa zwei Stunden seien die Teilnehmer mit dem Faschingszug unterwegs, „da fließt dann schon ne gute Menge Alkohol“.

Hier ist was los im Fasching im Landkreis Kelheim:

Was Schäffer dieses Jahr extrem aufgefallen ist: „Am Marktplatz wurde weniger Kaffee verkauft“ – ein Zeichen dafür, dass viel mehr junge Besucher als in den Vorjahren unter den Faschingsgästen waren. „Die trinken kaum Kaffee; nur die ältere Generation“, lautet seine Erfahrung. Dass die Flüssigkeit irgendwann auch mal wieder raus muss ist klar: Am Aufstellungsort wurden dazu zwei Dixi-Klos und am Marktplatz zwei WC-Wagen aufgestellt. „Und das Gemeinde-WC stand auch noch zur Verfügung.“ Trotzdem war für manche der Weg scheinbar zu weit oder unbequem.

Harald Schäffer bemerkte auch, dass die Besucher gegenüber dem Vorjahr durch den Alkoholgenuss aggressiver geworden sind. Dank der sechs vorsorglich eingesetzten Sicherheitskräfte lief die Veranstaltung trotzdem friedlich ab. „Solange nichts Großes passiert, wollen wir den Alkohol auch nicht verbieten“, beteuerte der Vorsitzende mit etwas nachdenklicher Miene. „70 Prozent haben einfach nur Spaß und trinken wenig oder keinen Alkohol.“

Brieftaschen und Hunde

Die KuFa-Mitglieder und mit ihnen auch die vielen Besucher wollen den Essinger Fasching nicht mehr missen. Wie früher der Besuch der Traditionsbälle in Kelheim ist es heute für viele Pflicht, am Essinger Fasching teilzunehmen. Dafür verrichten die KuFa-Vereinsmitglieder gerne die anfallenden Arbeiten, suchen die Besitzer der verloren gegangene Brieftaschen und ja … auch die Besitzer der zurückgelassenen Hunde.

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