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Klimaschutz

Erster Kelheimer „Klimalog“ zum Wald

Schädlinge, Hitze, Stürme, Trockenheit – Experten aus dem Landkreis gaben Einblick in ihre Arbeit in Kelheims Forst.

Der erste Kelheimer Klimalog war geprägt von einen fairen, fachkundigen Austausch zum Thema „Wald und Klimawandel“ Foto: Johannes Zange, Energieagentur Regensburg
Der erste Kelheimer Klimalog war geprägt von einen fairen, fachkundigen Austausch zum Thema „Wald und Klimawandel“ Foto: Johannes Zange, Energieagentur Regensburg

Kelheim.In Kooperation mit dem Landkreis Kelheim veranstaltete die Energieagentur in der Bayerischen Waldbauernschule in Kelheim den 1. Kelheimer Klimalog. Hausherr Peter Hummel, Leiter der Bayerischen Waldbauernschule, Peter Enders, Bereichsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg, sowie Lucia Gruber, Forstwissenschaftlerin, Waldbesitzerin und Biohofbetreiberin aus Schöfthal, betraten gemeinsam mit Landrat Martin Neumeyer das Podium, um sich mit anwesenden Fachleuten und Privatpersonen zum Thema „Wald und Klimawandel“ auszutauschen.

Den Beginn der Veranstaltung machte Moderator Ludwig Friedl, der Geschäftsführer der Energieagentur. Mit einer Einführung über den Status Quo des Klimawandels gab er eine Steilvorlage für die nachfolgenden Impulsvorträge der Podiumsgäste. Um die Grundlagen des Lebens weiterhin auf unseren einzigartigen Planeten Erde zu erhalten und in Verbindung damit die völkerrechtlich verbindliche 1,5°C bis 2°C-Marke zu halten, sei es laut Friedl notwendig, möglichst viel CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen. Hier komme dem Wald aus vielerlei Sicht eine Schlüsselrolle zu. An diesem Punkt gab der Moderator Ludwig Friedl den Gästen die Gelegenheit, sich und ihre Einschätzung der Lage vorzustellen.

Landkreis ist eine waldreiche Region

Martin Neumeyer verwies auf die Rolle des Landkreises. Mit seinem Beitritt zur Energieagentur setzte der Landkreis Kelheim 2017 ein Zeichen für Klimaschutz. Neumeyer sei es ein Anliegen, den Klimaschutz stetig und im Dialog mit möglichst vielen Beteiligten voranzutreiben. Wenig Sinn hätten Panik und Angst, denn beides lähme die Konstruktivität, die es aufgrund des steigenden Zeitdrucks immer mehr benötige. Viel wichtiger sei es, alle Gruppen abzuholen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie an der Lösung der Klimakrise mitwirken können, ganz im Sinne des Auftrages der Energieagentur. Die Themenwahl war Neumeyer aus Landkreissicht ein besonderes Anliegen, weil der Landkreis Kelheim sehr waldreich ist und damit das Thema Wald einen hohen Stellenwert besitze. Doch auch privat ist ihm der Wald bedeutsam, denn der Rohstoff Holz sorgt in seinem Eigenheim für wohlige und regionale Wärme.

Fichten-Monokulturen in einen Mischwald zu verwandeln, ist ein Schritt in die richtige Richtung, um dem Klimawandel zu trotzen, sagte Peter Hummel, der Leiter der Kelheimer Waldbauernschule. Foto: Andreas Arnold/dpa
Fichten-Monokulturen in einen Mischwald zu verwandeln, ist ein Schritt in die richtige Richtung, um dem Klimawandel zu trotzen, sagte Peter Hummel, der Leiter der Kelheimer Waldbauernschule. Foto: Andreas Arnold/dpa

Peter Hummel setzt in seiner Einrichtung auf aktive Beteiligung. In der Waldbauernschule Kelheim werde täglich daran gearbeitet, Interessierten aus ganz Bayern die Bewirtschaftung und die Pflege des Waldes näherzubringen. Der Klimawandel sei auch bei ihm und in seinem Institut angekommen, so dass man schon geraume Zeit an Lösungen arbeitet und die Waldbauernschüler durch ein breites Bildungsangebot schult, den Wald auf die Zukunft vorzubereiten. Ein Umstand, der die Waldpflege heutzutage besonders schwer macht, ist die Konzentration auf wenige Baumsorten, welche man in der Vergangenheit praktiziert hat. Als Folge daraus ist der Wald nun besonders gefährdet und anfällig für die Änderungen, die die Klimaerwärmung mit sich bringt. Es gilt, die geerbten Monokulturen möglichst schnell in Mischwälder umzuwandeln. Im Wald stecke laut Hummer riesiges Potenzial, auch weil Holz schließlich die einzige Ressource ist, die insbesondere Bayern zu bieten habe. Dass Holz knapp werde, befürchtet er nicht, denn schließlich wächst pro Sekunde ein Kubikmeter des Rohstoffs in Bayern nach. Die Bevölkerung und die Waldbauern müssen nun wieder lernen, diesen regionalen Rohstoff zu nutzen, sowohl stofflich, beispielsweise beim Hausbau, aber auch thermisch, als Pellets, Hackschnitzel oder Scheitholz.

Experimente mit nicht heimischen Baumarten

Peter Enders, der Bereichsleiter Forsten im AELF Abensberg, konnte fachkundige Auskunft über den Zustand des Waldes im Landkreis Kelheim und darüber hinaus geben. Die Waldfläche in seinem Amtsbereich ist ca. 41 000 Hektar groß und zu etwa 60 Prozent im Eigentum von privaten Waldbesitzern. Insgesamt betreut das AELF ca. 10 000 Waldbesitzer..Die Klimaerwärmung sei für seine Arbeit ein Faktor, der sich mit all seinen negativen Effekten im Wald beobachten lässt. Er habe Auswirkungen auf Schädlinge, Vegetationszeiten, Jahreszeiten, Bodenbeschaffenheit und vieles mehr. Darauf zu reagieren, sei die große Herausforderung seiner Arbeit. Bis der Prozess der Vermischung des Waldbestandes und damit sein Potenzial als natürlicher CO2-Speicher voll ausgeschöpft werden kann, wird es noch dauern. „Wir und die aktuell ganz junge Generation werden das nicht mehr erleben. Der Wald der Zukunft ist für Förster und Waldpfleger eine richtige Herausforderung“, sagte Enders. Welche Bäume können den steigenden Temperaturen, heftigen Stürmen, den längeren Trockenperioden und Schädlingen sowie Krankheiten trotzen? Um das herauszufinden, wird im AELF viel experimentiert – teils auch mit bei uns noch fremden Baumarten.

Totholz für die Waldgesundheit

Die Perspektive der Forschung einerseits und der Waldbesitzer andererseits – also gleichermaßen Theorie und Praxis – konnte Lucia Gruber einbringen. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass Waldwirtschaft längst keine reine Männerdomäne mehr ist. Privat und beruflich sei es ihr wichtig, die Erkenntnisse der Forschung in die Waldarbeit mit einfließen zu lassen. Gemeinsam mit Familie und Mitarbeitern versuche sie, den Privatwald an den Klimawandel anzupassen. Für sie ist die wirtschaftliche Nutzung und deren Vereinbarung mit Umwelt- und Klimaschutz ein großes Anliegen. Eine Maßnahme, die sie als sehr wirksam empfindet, um damit den Wald ein Stück weit ins Gleichgewicht zu bringen, ist das Belassen von Totholz im Wald. Ein Wald müsse keineswegs ordentlich und aufgeräumt sein, so Gruber. Durch die Verwesung von Totholz nämlich werde die Humusbildung angeregt, was den Waldboden mit neuen Nährstoffen versorgt und damit auch die Gesundheit der Bäume und des gesamten Waldes fördert.

Lebhafter Austausch

Nachdem alle Gäste ihre Sicht der Lage des Waldes dargelegt hatten, übernahm Ludwig Friedl und stellte den Podiumsteilnehmern erste Aufwärmfragen. Dann folgte der eigentliche Kern des Abends, der Dialog aller Anwesenden. Diese Gelegenheit wurde bereitwillig angenommen und es entstand ein lebhafter, facettenreicher Austausch.

Die zur Sprache gebrachten Themen bedienten ein breites Spektrum und reichten von den Sorgen eines Waldbesitzers, dem Potenzial der Verwertung von Holz als hochwertigen Rohstoff, über den Erfahrungsaustausch aus Experimenten mit verschiedenen Baumsorten bis hin zum Wunsch nach mehr Holzzäunen anstatt anderer Modeerscheinungen wie Metallzäunen.

Einig waren sich am Ende alle Besucher darüber, dass der Wald und mit ihm seine Bewohner des Schutzes würdig sind. Bei der Eindämmung der Klimaerwärmung falle dem Wald und den Menschen, die ihn nutzen, eine zentrale Rolle zu. Wichtig sei der stetige Austausch aller, die sich im Wald zur Arbeit, zur Erholung, zum Sport, zum Ausgleich usw. aufhalten. Zum einen müsse die Bevölkerung fundiert über den Zustand und die Rolle des Waldes informiert werden. Nicht nur der Klimawandel mache dem Wald zu schaffen, sondern auch die fehlende Aufmerksamkeit und Wertschätzung des Menschen weltweit bringe den Wald in einen kritischen Zustand. Andererseits müssen auch die Experten und Fachleute ständig über Erfahrungen und Forschungsergebnisse in Kontakt bleiben und gemeinsam die Anpassung des Waldes vorantreiben.

Die positive Grundstimmung zog sich auch in den anschließenden Austausch hinein. Gerne nahm man die Gelegenheit an, im persönlichen Gespräch mit den anwesenden Fachleuten das ein oder andere Thema zu vertiefen. Auch an Themen für künftige Klimaloge scheint kein Mangel zu herrschen.

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