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Bildung

Erstklässler „learnen“ in Offenstetten

Bilingualen Unterricht gibt es seit heuer an der Grundschule Offenstetten. Katrin Bopp ist mit dem Lernerfolg zufrieden.
Von Philipp Froschhammer

In der Gruppe erarbeiten sich die Schüler englische Tiernamen. Katrin Bopp verzichtete beim Unterricht komplett auf den deutschen Wortschatz.
In der Gruppe erarbeiten sich die Schüler englische Tiernamen. Katrin Bopp verzichtete beim Unterricht komplett auf den deutschen Wortschatz. Foto: Froschhammer

Offenstetten.In dem Klassenzimmer in der Grundschule Offenstetten trudeln langsam die letzten Schüler ein. Gerade war Pause, doch jetzt geht der Unterricht wieder los. Ihre Lehrerin Katrin Bopp erwarten die 19 Erstklässler bereits. Auch Lola steht schon auf dem Lehrerpult bereit. Für die nächste Schulstunde trägt sie einen Mantel – eine Fahne des Vereinigten Königreichs Großbritannien.

Bei Lola handelt es sich nicht um einen Menschen. Lola ist eine Stoffpuppe, die immer am Lehrerpult steht und passend zum Unterrichtsfach von der Lehrkraft gekleidet wird. Trägt sie die Flagge von Großbritannien als Mantel, wissen die Schüler: „It‘s English time now!“

Spielerisch Englisch lernen

Eigentlich lernen Kinder in Bayern in der Regel erst ab der dritten Klasse eine Fremdsprache. Doch bei bei den Erstklässlern der Offenstettener Grundschule handelt es sich keineswegs um eine normale Klasse. Die 19 Kinder besuchen den bilingualen Unterricht. Die Kleinen werden dabei von der ersten Klasse ab in zwei Sprachen, Englisch und Deutsch, unterrichtet.

Zu Beginn der Stunde treffen sich alle Schüler mit ihrer Lehrerin vorm Pult. Dort, auf einem Teppich, setzten sie sich im Kreis zusammen und begrüßen sich: „Hello Misses Bopp, hello Elli, hello Noah, ...“ Dann geht es auch schon los. Musikunterricht steht auf dem Stundenplan. In englischer Sprache erklärt Bopp ihren Schülern das heutige Programm. Sie lernen englische Tiernamen, trennen die Worte in ihre Silben und klopfen dann den richtigen Takt. Das erste Wort lautet „elephant“ – sprich kurz, kurz, lang. Jeder darf einmal den Takt klatschen.

Auch das Klassenzimmer der 1b ist zweisprachig gestaltet.
Auch das Klassenzimmer der 1b ist zweisprachig gestaltet. Foto: Froschhammer

In den Fächern Sport, Musik und Kunst sowie ab und zu auch in Mathematik und im Heimat- und Sachunterricht werden die Schüler der bilingualen Klasse in englischer Sprache unterrichtet. Dabei verzichtet die Lehrkraft auf Erklärungen in Deutsch. „Lieber wiederhole ich das gesagte ein paar Mal. Meistens ist mindestens einer dabei, der es versteht und für die anderen übersetzt“, erklärt Bopp.

Notfalls benutzt sie Bilder, ihre Hände und Füße oder andere Hilfsmittel. So sei der Lerneffekt am besten. Ziel des bilingualen Unterrichts ist es nämlich nicht, anhand von Vokabeln die englische Sprache zu lernen. Die Schüler sollen mit beiden Sprachen aufwachsen, die Begriffe unterbewusst wahrnehmen und später dadurch leichter Englisch lernen können. „Ich erwarte von keinem Schüler, dass er Englisch spricht. Doch je früher man damit anfängt, desto leichter erlernen Kinder eine neue Sprache“, sagt Bopp. Einige der Sechs- bis Siebenjährigen können bereits einzelne Phrasen auf Englisch. Und es macht ihnen sichtlich Spaß: In kleinen Gruppen setzten sich die Erstklässler zusammen und klatschen verschiedene Tiernamen. Bopp geht währenddessen durch die Tischreihen und hört sich an, wer es richtig macht. Bei Bedarf hilft sie einzelnen Schülern etwas nach – auf Englisch, versteht sich.

Die Testphase läuft bislang positiv

Die Testphase des bilingualen Unterrichts in Offenstetten läuft bereits seit Beginn dieses Schuljahres. Die Grundschule ist eine von insgesamt 20, die dieses Unterrichtsmodell ausprobieren. Bislang kann Bopp eine positive Bilanz ziehen: „Anfang waren die Kinder noch skeptisch. Doch mittlerweile hinterfragen es nur noch wenige – Englisch ist ein Teil ihres täglichen Unterrichts.“

Auch von der Lernbereitschaft ihrer Schüler ist die Lehrerin beeindruckt. Gängige Phrasen wie „Sit down“ (deutsch: Setz dich hin) oder „Close the door please“ (deutsch: Bitte die Türe schließen) versteht mittlerweile jeder. Es geht sogar teilweise soweit, dass die Kinder englische Wörter in ihre Gespräche einbauen. Im Sportunterricht hätte eine Schülerin einmal zu Bopp gesagt: „Ich wusste gar nicht, dass wir walken (gehen) sollen.“ Doch dass die Kinder den Englischen und Deutschen Wortschatz miteinander vermischen und eine Art „Denglisch“ sprechen, befürchtet Bopp nicht: „Die Schüler können klar trennen, was Englisch und was Deutsch ist.“

Englisch nicht nur im Unterricht

Nicht nur im Unterricht selbst, sondern auch bei verschiedenen Aktionen der Schule oder bei Klassenausflügen spielt die englische Sprache ein Rolle. Jüngst haben die Kinder beispielsweise ein Herbst-Projekt umgesetzt, bei dem sie die Jahreszeit auf verschiedenen Schautafeln dargestellt haben. Auf den Plakaten waren zudem QR-Codes hinterlegt, mit denen die Schüler ein Herbst-Quiz auf ihrem iPad abrufen konnten – alles in Englisch.

Bopp hofft somit ähnliche Erfolge mit ihren bilingualen Unterricht zu erzielen, wie es zuvor die St. Anna Grundschule in Augsburg gemacht hat. Diese Grundschule gilt als Referenzschule im Bereich bilinguale Schulbildung und arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit diesem Unterrichtssystem. „Ich war wirklich beeindruckt, als die Schüler der St. Anna Grundschule uns besucht haben und in Englisch Augsburg vorgestellt haben“, berichtet Bopp.

In Kanada, skandinavischen Ländern oder Italien hat sich der bilinguale Unterricht bereits etabliert. Schüler aus diesen Ländern schneiden regelmäßig überdurchschnittlich Gut in diversen Fremdsprachentests ab. Und vielleicht kann sich auch bald Bayern in diese Riege einreihen.

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