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Region Kelheim
Samstag, 23. Juni 2018 18° 3

Entwicklungshilfe

Es geht aufwärts in Sabou


Von Manfred Forster, MZ

Sabou Die Betonpfeiler wachsen in die Höhe und mit ihnen die Hoffnungen der Menschen auf eine bessere Gesundheitsversorgung. Doch in Afrika ist vieles anders, als in Deutschland. Das muss Hanns-Peter Kirchmann, der in den 1960/70-er Jahren längere Zeit in Afrika gelebt hat und seit mittlerweile vier Jahren das Gesundheitszentrum Maximilian Kolbe in Sabou in Burkina Faso (Westafrika) unterstützt, immer wieder aufs Neue feststellen. Wie jetzt bei seinem dritten Besuch in diesem Jahr in Sabou. Seine Bilanz seines jüngsten Baustellenbesuchs jetzt im August „Alles ist zur Zeit mehr oder weniger auf dem richtigen Weg, wenn manchmal auch sehr mühsam“.

Was das genau bedeutet? Nach der Vergabe an ein großes Unternehmen in Ouagadougou und begleitet durch Architekt Formouzere Zala, der auch der Architekt der Deutschen Botschaft ist, entsteht das Krankenhaus mit den Abteilungen Gynäkologie (Entbindungsstation) und Operationsblock. Die Probleme, von denen Kirchmann berichtet, hören sich unglaublich an und sind nur im afrikanischen Kontext zu verstehen. „Da sind keine Lateritsteine zum Bauen da, weil die Verkäufer der Lateritsteine jetzt in der Regenzeit auf dem Feld sind, um diese zu bestellen. Da wurde das Krankenhaus spiegelverkehrt in die Landschaft gesetzt, was man gerade noch mit einigem Aufwand wieder richten kann. Der Personaleingang ist vorne und der Haupteingang hinten“ erzählt Kirchmann.

Immer wieder wenig Erfreuliches

„Materialkonzepte sind eine Einbahnstraße, man muss das vorgelegte Muster nehmen, weil es eben nichts anderes vor Ort gibt. Die Klimaisolierung auf dem Dach mit zwei Zentimeter ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in Burkina nicht ausreichend. Die Baustelle ist drei Wochen in Verzug, was der Unternehmer und der Architekt darauf zurückführen, dass die Franziskaner – und hier bin ich voll ihrer Meinung – nicht wollen, dass am Sonntag gearbeitet wird.“

Trotzdem, die Krankenhauserweiterung nimmt Formen an. Nebendran im allgemeinen Krankenhaus in der Abteilung unterernährte Kinder ist es relativ ruhig um diese Zeit. Die Bauern sind auf dem Feld, und nur im äußersten Notfall kommen sie ins Krankenhaus. Doch gibt es immer wieder auch weniger erfreuliche Anlässe – gerade im Umfeld des Gesundheitszentrums. „Da passiert es schon einmal wie in dieser Woche“ erzählt Kirchmann von seinem jüngsten Besuch“, dass der kleine Hérve, gerade am Krankenhaus angekommen, am Rücken seiner Mutter gestorben ist.“

Und es gibt Situationen, in denen die Hilfe nicht erwünscht ist. Kirchmann erzählt die Geschichte einer Großmutter mit Tochter und deren Kind. „Beide waren sehr krank. Die Diagnose ergab eine Mischung aus Aids und Malaria. Wir hatten wenig Hoffnung, sie zu retten. Dann kam das Familienoberhaupt und hat unterschrieben, dass beide auf sein Risiko wieder nach Hause müssen. Die Aktion war ihm zu teuer. Mutter und Kind waren für ihn ohnedies schon abgeschrieben. Die Großmutter daneben weinte bitterlich. Aber das ist halt auch Afrika.“

Schwester Amy – die Kinder der Grundschule Train kennen sie, sie hat ihnen auch einen Brief geschrieben – ist im wohlverdienten Urlaub in den USA, ihrer Heimat. Schwester Marguerite wird ihr Mitte September folgen.

Trotz all der Schwierigkeiten beziehungsweise Unwägbarkeiten, von denen Kirchmann berichtet, ist er zuversichtlich, dass die Erweiterung des Krankenhauses im Ausbau Ende des Jahres fertig ist. Dann muss für Außenanlagen und medizinische Einrichtung gesorgt werden.

Das Ministerium kümmert sich

Dazu kommt die Suche nach einem geeigneten Gynäkologen und Chirurgen. Die Vereinbarung mit dem Staat, die ihn dazu verpflichtet, Krankenhauspersonal und Ärzte zu stellen, ist noch nicht unterzeichnet. Doch auch hier ist Kirchmann zuversichtlich.

„Viele Gespräche, vor allem mit der sehr kooperativen Botschafterin von Burkina Faso, Odile Bonkoungou-Balima bis hinauf zum Präsidenten von Burkina Faso, Blaise Compaoré, haben jetzt endlich bewirkt, dass man sich im Bereich des Gesundheitsministeriums und der Krankenhausverwaltung um die Angelegenheit kümmert. Ob die Vereinbarung dann so ist, dass sie nicht nur einseitig für den Staat, sondern für beide ein faires Ergebnis bringt, wird man noch sehen.“

Und dann gibt es noch eine andere „Baustelle“ für die Kirchmann-Stiftung. Sie ist derzeit auch noch damit beschäftigt, die Musik-Kunst-Kultur-Veranstaltung „Masques“ in Siegen vom 22. bis 29. September vorzubereiten. Bei „Main dans la Main“ 2012 in Siegen stehen Masken im Mittelpunkt, die von den Künstlern interpretiert werden. Masken sind in vielen Teilen Afrikas unverzichtbarer Bestandteil von rituellen und religiösen Tänzen.

Je nach Region und Zweck variieren die Masken in Form und Material. Die magischen Kräfte einer Maske werden erst im Tanz offenbar, durch den die Tänzer zu übernatürlichen Wesen mutieren und den Ahnen die Gelegenheit geben, sich mit der Welt der Lebenden in Verbindung zu setzen.

„Masques“ ist quasi eine Neuauflage von „Main dans la Main“ vom März 2009 im Landkreis Kelheim mit Künstlern und Musikern der Organisation Wekre aus Burkina Faso, die auch bereits in Abensberg waren.

Auf Siegen fiel deshalb die Wahl, weil in Siegen zum einen die Keimzelle des späteren Kirchmann-Unternehmens kplan liegt, und kplan dort nach wie vor einen Standort unterhält, und weil der Landkreis Siegen-Wittgenstein zusammen mit seinem Partnerlandkreis Emek Hefer in Israel ein gemeinsames Engagement in Burkina Faso auslotet.

Ein Video des Abensberger Fotografen und Grafikdesigners Anton Mirwald (www.bild-gestalten), das einen Einblick in das Land Burkina Faso, das Leben der Menschen gibt und auf die Aktion „Masques“ hinführt, finden Sie bei uns im Internet unter: www.mittelbayerische.de/kelheim

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