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Es ist ein „Kreuz“ mit Corona

Künstlerpfarrer Robert Hegele schaffte ein Corona-Kreuz. In der Kirche zur Hl. Familie lädt es die Gläubigen zur Meditation.
Von Heike Heindl

Pfarrer Robert Hegele, auch als
Pfarrer Robert Hegele, auch als "Künstlerpfarrer" für seine Skulpturen, Gemälde und Installationen bekannt, hat sich auf seine eigene Art und Weise Gedanken um die Lage mit Covid-19 gemacht. Foto: Heike Heindl

Bad Abbach.Wenn man die Kirche zur Heiligen Familie in Bad Abbach betritt und auf den Altar schaut, sieht man derzeit eine nachdenklich stimmende Skulptur in Form eines Kreuzes stehen. Es ist das neuste Werk des Künstlerpfarrers Robert Hegele. Mit diesem Werk hat sich der Pfarrer im Ruhestand auf seine eigene Art und Weise Gedanken um die Lage mit Covid-19, vulgo „Corona“ gemacht.

Die Farbe Rot dominiert das Kunstwerk. „Das wirkt auf den ersten Blick etwas Angst einflößend, sagten schon einige zu mir,“ berichtet Hegele und erklärt weiter das dies aber auch die Farbe des Blutes, des Lebens und der Lebenskraft sei. Das Kreuz, das Universale, das Verbindende ist in vielen Kulturen zu finden, so sei es nicht nur als christliches Symbol zu sehen, erklärt der Pfarrer weiter. „An das Kreuz habe ich eine Gestalt gesteckt. Sie schaut überhaupt nicht schön aus, ist zusammengefügt mit Gitter und Verbandmaterial und die Hände sind aus Drahtgeflecht“.

Auf den ersten Blick denkt man an Jesus Christus, aber der Künstler sagt: „ Es könnte Jesus sein, es kann aber auch jeder Mensch sein, der jetzt gekreuzigt ist, eingespannt in dieser schlimmen Situation“.

Menschen werden verhungern

Dabei richtet Hegele seinen Blick auf das Kaffee-Plantagen-Projekt in Guatemala. Seit 25 Jahren gibt es das. Hegele berichtet: „Dort gibt es keine Beatmungsgeräte, die Menschen können nicht raus. Als Tagelöhner können sie nicht arbeiten. Sie wedeln mit weißen Tüchern, weil sie verhungern. Vor den Hütten hängen Fahnen. Dort geht es wirklich um das Leben. Dort werden viele Menschen mehr an Hunger sterben, als an Corona“. Im Bezug auf die vielen armen Länder hat der Künstler sein Kreuz symbolisch in die Erde gerammt. Hegele ist im Blick auf die Verbindung mit Guatemala, jede Woche mit Schweste Ruth in Kontakt. Sie leitet die Krankenstation und das Projekt.

Familien, die von der durch das Coronavirus verursachten Wirtschaftskrise betroffen sind, betteln an den Straßen um Essen. Foto: Prensa Libre/Erick Avila
Familien, die von der durch das Coronavirus verursachten Wirtschaftskrise betroffen sind, betteln an den Straßen um Essen. Foto: Prensa Libre/Erick Avila

An dem Corona-Kreuz ist aber auch Positives zu finden - rechts oben. Dort funkeln Kristalle. Diese hat der Künstler ganz bewusst hineingesetzt: „Inmitten dieser Krise und dieses Elends, erfahren wir so viel Glanz. Das Miteinander wächst, das wir füreinander Sorge tragen.“ Dabei denkt er an die vielen Ärzte, Pflegepersonal, Politikern, die alle Helfen und sich Gedanken machen und die Trost und Freude bringen, die heilen, pflegen und Menschen begleiten. Dass der Mensch in seinem ganzen Elend auch eine Würde hat, zeigt die Krone, die die Gestalt am Kreuz trägt. Corona heißt ja auch übersetzt Krone.

Weitere Kunstwerke

  • Heilige Kirche Bad Abbach

    Am Fuße des Altars steht eine Skulptur aus Stein der Hl. Familie

  • Kreuzweg aus Bronze

    In Bruckberg bei Landshut um die Pauli-Berg-Kirche

  • Brunnen und Leuchter In Werdenfels im Innenhof des Exerzitien - und Bildungshauses steht der Bruder-Klaus Brunnen und in der Kapelle ein Osterleuchter

  • Bronzerelief

    Anton Gogeisl Siegenburg

  • Letzte Ausstellung

    Im Mai 2017 unter dem Motto „SinnZeit“ im Kreuzgang in Abensberg

Was zählt eigentlich ? Was bleibt ?- Das große Herz in der Mitte der Figur symbolisiert, die Liebe und das füreinander: „Die Herzlichkeit und die Liebe wird unsere Gesellschaft verändern. Wenn alles wieder hochgefahren wird, muss eines bleiben - Das Herz!“ Betont der Pfarrer. Denn nur liebende Menschen können die Gesellschaft zum Guten wandeln. So soll das Corona-Kreuz nicht erschrecken und vor Angst lähmen, sondern„Durchkreuzungen“ im Leben können oft neue Richtungen und ungeahnte Wege aufzeigen. Denn man sieht, hört, fühlt und handelt nur mit dem Herzen gut.

Die Rückseite des Corona-Kreuzes
Die Rückseite des Corona-Kreuzes

Persönlich kennt der gebürtige Siegenburger Pfarrer auch Betroffene, die an Corona erkrankt sind und auch einen Kollegen, der an Corona verstorben ist. „Angst habe ich nicht, es ist mehr die Sorge, dass das Ganze irgendwie ausschlägt. Jetzt haben wir ja diese ganzen Verschwörungstheorien, wie zum Beispiel auch Kardinal Müller, der deshalb von der Bischofskonferenz zurechtgewiesen worden ist.“ Doch Hegele hofft, dass vieles von dem was nun auch Positives erlebt wird, erhalten bleibt. Er ist der Meinung, dass sich auch in der kirchlichen Situation etwas ändern wird. Kirche und Religiosität muss dabei unterschieden werden. „Die Menschen werden nachdenklicher und werden die Frage nach Gott stellen. Aber das muss nicht unbedingt kirchlich bezogen sein. Die Kirche wird sich in Zukunft mehr um suchende und fragende Menschen kümmern müssen. Diese offiziellen hierarchischen Strukturen und Formen die für uns so wichtig waren, mit denen werden wir nicht mehr so viel anfangen können“, sagt er.

Kunst

Vorantasten mit Herz und allen Sinnen

Im Kreuzgang des ehemaligen Karmelitenklosters in Abensberg zeigt Robert Hegele Skulpturen aus Ton und Bronze.

Noch oft denke er an die Worte von Johannes Paul II, die dieser am Anfang seines Pontifikates gesagt hatte: Der Weg der Kirche ist der Mensch. „Das haben wir leider oft vergessen. Die Coronazeit wird uns und der ganzen Gesellschaft schon eine gewisse Lehre sein.“ Der Pfarrer befürchtet, das viele Menschen und Familien ihre Existenzen verlieren und viele durch Einsamkeit sterben werden.

Interessante Erfahrungen

In den letzten Monaten hat der Pfarrer, der sich in Bad Abbach zur Ruhe gesetzt eine interessante Erfahrung gemacht: „Ich bin sehr viel beim Einkaufen in den Supermärkten unterwegs und hatte selten so viele tiefe Gespräche wie hier. Da habe ich selber viel gelernt von Denkenden und suchenden jungen Menschen. Sie sind nicht weniger religiös, aber stellen mehr Fragen und Suchen und da müssen halt wir versuchen Antwort zu geben.“ Papst Benedikt sagte am Anfang: Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt. Somit kann ich nicht alle in einen Schafstall zwingen, sondern muss die Wege der Menschen respektieren. Da sind wir wieder bei der Krone - Corona - die Würde des Menschen.

Weitere Informationen finden Sie unter rohe-kunst.de

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