mz_logo

Region Kelheim
Donnerstag, 19. Juli 2018 29° 6

Justiz

Ex bringt Vereinsheim-„Knacker“ vor Kadi

Kelheimer Vereine können ein Lied davon singen. Regelmäßig werden sie Einbruchs-Opfer. Nun stand ein 30-Jähriger vor Gericht.
Von Beate Weigert

Mit Schraubenziehern und ähnlichen Werkzeugen hebelte der Angeklagte Fenster und Türen in Vereinsheimen in Riedenburg, Bad Gögging und Hienheim auf. Und ließ Wertvolles mitgehen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Mit Schraubenziehern und ähnlichen Werkzeugen hebelte der Angeklagte Fenster und Türen in Vereinsheimen in Riedenburg, Bad Gögging und Hienheim auf. Und ließ Wertvolles mitgehen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Kelheim.In Polizeiberichten geht es oft um sie. Und regelmäßig beschäftigen sie auch Vereinsvorstände im Kreis Kelheim. Die Rede ist von Vereinsheim-„Knackern“. Die Einbrecher demolieren Fenster oder Türen und lassen die „inneren Werte“ von (Sport-)Vereinsheimen mitgehen. Ein Straftäter musste sich nun vor dem Kelheimer Schöffengericht wegen besonders schweren Falls des Diebstahls verantworten.

Kleinlaut und mit hochrotem Kopf saß der 30-Jährige auf der Anklagebank. Schließlich ging es für ihn nicht nur um den Sach- und Beuteschaden in Höhe von mehr als 5500 Euro, den er drei Vereinen im Landkreisnorden und -süden beschert hatte, sondern auch um die Frage, ob er zwecks einer anderweitig bereits laufenden Bewährungsstrafe nun ins Gefängnis muss.

Gesicherte Spuren, null Treffer

Dass der Altmannsteiner diesmal vor Gericht landete, lag nicht an der erfolgreichen Ermittlungsarbeit der Polizei, wie der Sachbearbeiter der Kelheimer Polizeiinspektion zugeben musste. Weder eine DNA-Probe noch sonstige gesicherte Spuren erbrachten einen Treffer. Stattdessen hatte wohl die Ex-Freundin des Angeklagten den Fall mit ihrem Besuch bei einer anderen Polizeiinspektion ins Rollen gebracht.

Zwischen Juni und Oktober 2016 hatte der gelernte Maurer die Sportheime des MSC Riedenburg am Agathasee, des Vereins Minicar-Racing Bad Gögging und des SV Hadrian Hienheim heimgesucht. Er hebelte Fenster bzw. Türen auf und durchwühlte das Innere auf Wertgegenstände. Er steckte Ladekabel von elektronischen Geräten ein, einen Laptop oder Modellautos samt Fernsteuerung. Obendrein hinterließ er jeweils Sachschaden zwischen 400 und 700 Euro.

Auch das Sportheim des SV Hadrian Hienheim war Ziel des Einbrechers. Foto: Dannenberg/Archiv
Auch das Sportheim des SV Hadrian Hienheim war Ziel des Einbrechers. Foto: Dannenberg/Archiv

Gleich zu Beginn der Verhandlung ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger alle Vorwürfe vollständig einräumen. „Das ist ziemlich schlau und sinnvoll“, kommentierte Vorsitzende Richterin Claudia Nißl-Neumann das Geständnis. Denn der 30-Jährige hatte eine Vorverurteilung inpetto. Wegen einer Drogensache war er im März 2017 vom Amtsgericht Ingolstadt zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die nun verhandelten Straftaten passierten vor dem damaligen Urteil. „Ein Geständnis bewahrt sie möglicherweise vor dem Gefängnis“, so Nißl-Neumann.

„Dass Sie alle Vorwürfe einräumen, ist ziemlich schlau und sinnvoll.,

So kommentierte Vorsitzende Richterin Claudia Nißl-Neumann das Geständnis.

Dr. David Hansen, der Anwalt des Altmannsteiners, erklärte weiter, dass sein Mandant die Taten bereue und er kein „Berufseinbrecher“ sei. Er habe die Gegenstände „wahllos“ mitgenommen. So habe er keine Ahnung gehabt, dass er in Bad Gögging Modellautos im Wert von mehr als 3000 Euro an sich nahm.

„Schwere Zeit, zu viel Alkohol“

Der 30-Jährige habe 2016 eine schwere Zeit durchgemacht. „Probleme in der Arbeit, die Trennung von der Freundin, zu viel Alkohol und falsche Freunde.“ Der 30-Jährige wolle die angerichteten Schäden schnell regulieren. Er habe dazu von seinen Eltern einen Kredit gewährt bekommen.

Einen Laptop, wertvolle Modellautos und (Elektronik-)Zubehör hatte der 30-Jährige geklaut. Foto: Silas Stein/dpa
Einen Laptop, wertvolle Modellautos und (Elektronik-)Zubehör hatte der 30-Jährige geklaut. Foto: Silas Stein/dpa

Das Geständnis des Mannes sparte denn auch dem Gericht eine aufwändige Beweisaufnahme. Nachdem der Sachbearbeiter der Polizei ausgesagt hatte, konnten die zahlreich geladenen restlichen Zeugen entlassen werden.

Bis das Urteil gesprochen wurde, dauerte es dann ein wenig. Denn das Kelheimer Schöffengericht musste die Strafen aus der Ingolstädter Verurteilung aufdröseln und mit den Einbruchsdiebstählen zusammenbringen.

Ärger und Frust bei den Vereinen

  • Zeuge:

    Der langjährige Vorsitzende des SV Hadrian Hienheim (Vereinsheim im Bild), der vor Gericht nicht mehr aussagen musste, nutzte den Moment, um etwas loszuwerden.

  • Entschuldigung:

    „Dass er es bereut, nehme ich zur Kenntnis. Nur nach ihm kommt sicher bald der Nächste. Im Schnitt wird einmal pro Jahr bei uns eingebrochen. Jedes Mal bedeutet das aufs Neue eine Menge Arbeit, Frust und Ärger.“

  • Ersatzanspruch:

    Seit 1. Juli 2017 ist die Einziehung von Taterträgen im Rahmen eines Strafverfahrens gesetzlich neu geregelt. Durch die Gesetzesänderung soll erreicht werden, dass einem Straftäter, der sich finanziell bereichert hat, das aus der Tat Erlangte wieder weggenommen werden kann und die Schadensersatzansprüche der Geschädigten befriedigt werden. Der Angeklagte kündigte an, rasch die Schäden regulieren zu wollen. (re)

Der 30-Jährige wurde wegen der Einbruchsserie schuldig gesprochen. Die neue Gesamt-Freiheitsstrafe: zwei Jahre auf Bewährung, mit dreijähriger Bewährungszeit; die neue Gesamt-Geldstrafe: 150 Tagessätze à 50 Euro, ergibt 7500 Euro. Zudem muss der Mann innerhalb von zwei Monaten glaubhaft nachweisen, dass er den drei geschädigten Vereinen Wertersatz zukommen lassen wird, so Richterin Claudia Nißl-Neumann in der Urteilsbegründung.

Sie ging darin auch auf das Plädoyer des Verteidigers ein: Ja, das Geständnis ersparte dem Gericht eine lange Beweisaufnahme, und der Angeklagte habe in Vereinsheimen nicht bei fremden Leuten im Schlafzimmer herumgewühlt. Was ein Unterschied sei. Dennoch habe der 30-Jährige „erhebliche kriminelle Energie an den Tag“ gelegt. Dass er letztmals einen deutlichen „Schuss vor den Bug“ benötige, das hatte auch der Verteidiger zuvor gefordert. Der 30-Jährige nahm das Urteil unmittelbar an. Es ist somit rechtskräftig.

Bei den Vereinsvertretern entschuldigte er sich. Er bereue die Taten sehr. Die Geschädigten nahmen das zur Kenntnis (s. Infokasten). Doch sie fürchten auch, dass sie bald der nächste Einbrecher heimsucht. „Er hat sich entschuldigt, das macht auch nicht jeder“, bemerkte die Richterin.

Mehr Gerichtsberichte aus dem Kreis Kelheim lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht