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Engagiert

Fachkundige Hilfe macht Schule in Rohr

Gymnasiasten können sich im Ernstfall auf ihre Kameraden verlassen: Der Schulsanitätsdienst läuft – dank eines Schülers.
Von Gaby Peters

Was tun nach einem Treppensturz? Die Schulsanitäter haben diesen Ernstfall geprobt und hier dem „Verletzten“ eine Halsmanschette angelegt. Fotos: Peters
Was tun nach einem Treppensturz? Die Schulsanitäter haben diesen Ernstfall geprobt und hier dem „Verletzten“ eine Halsmanschette angelegt. Fotos: Peters

Rohr. „Zuerst verschaffen wir uns einen Überblick, ehe wir mit weiteren Maßnahmen beginnen!“ Aufmerksam hören die 20 Schulsanitäter dieser Ansage zu. Sie treffen sich in der Mittagspause im Schulsanitätsraum des Rohrer Johannes-Nepomuk-Gymnasiums zu einer ihrer regelmäßigen Übungen. Nach den Erklärungen der Übungsleitung werden sie selbst zur Tat schreiten. „Wichtig ist, dass durch das regelmäßige Üben von Ernstfällen eine gewisse Routine reinkommt, zum Beispiel beim Messen des Blutdrucks oder beim Anlegen von Verbänden oder Schienen. Dann können wir schnell helfen, wenn wirklich etwas passiert“, sagt Schulsanitäter Leon Mitscherling.

Fünf der zwanzig Schulsanitäter am Johannes-Nepomuk-Gymnasium Rohr: (von links) Leon Mitscherling, Simone Karrer, Amelie Mayerhofer, Lukas Schmalhofer und Helena Rabl. Fotos: Peters
Fünf der zwanzig Schulsanitäter am Johannes-Nepomuk-Gymnasium Rohr: (von links) Leon Mitscherling, Simone Karrer, Amelie Mayerhofer, Lukas Schmalhofer und Helena Rabl. Fotos: Peters

Mit 15 schon in Ausbildung

Der 15-jährige Schüler der 10. Klasse interessiert sich sehr für Medizin. Er ist schon seit 2016 beim Jugend-Rot-Kreuz und seit diesem Jahr auch bei der BRK-Bereitschaft in Abensberg dabei, wo er eine Ausbildung als Sanitätshelfer absolviert hat. Dabei kam ihm die Idee, an seiner Schule die Einrichtung eines Schulsanitätsdiensts anzuregen. Gern hat Schulleiter Franz Lang diese Idee aufgegriffen und mit Unterstützung des Fördervereins verwirklicht.

Damit die Schulsanitäter für den Ernstfall gerüstet sind, hat Leon Mitscherling eine Broschüre erarbeitet, die das Vorgehen bei Krankheiten und Unfällen erklärt. Was zum Beispiel wäre zu tun bei einem Treppensturz? „Da würden wir die betroffene Person zunächst ansprechen, nach offenen Wunden suchen, um diese zu versorgen, sowie einen ,Stifneck’ anlegen“, also eine Kunststoff-Manschette, um die Halswirbelsäule ruhig zu stellen, erklärt Leon das Vorgehen. Am Sanitätsdienst fasziniert ihn die Möglichkeit, Menschen helfen zu können, aber auch die medizinische Technik.

Was tun nach einem Treppensturz? Die Schulsanitäter haben diesen Ernstfall geprobt und hier dem „Verletzten“ eine Halsmanschette angelegt. Fotos: Peters
Was tun nach einem Treppensturz? Die Schulsanitäter haben diesen Ernstfall geprobt und hier dem „Verletzten“ eine Halsmanschette angelegt. Fotos: Peters

Die Schulsanitäter haben T-Shirts und Pullis als „Erkennungszeichen“. Zum Einsatz kommen sollen sie während der Schulzeit, in den Pausen und bei Schulveranstaltungen wie dem Sportfest. Für die Einsätze gibt es einen Dienstplan, und der blaue Sanitätskoffer ist stets griffbereit.

Vorträge und Exkursionen

Lehrerin Tanja Schwingshärl, die den Schulsanitätsdienst leitet, will künftig auch Experten, zum Beispiel Ärzte, einladen. Sie sollen über Fälle aus der Praxis berichten. Auch eine Exkursion ins Krankenhaus ist geplant.

„Durch die Übungsstunden mit Vorträgen und praktischen Übungen erwirbt man sich auf jeden Fall ein solides Grundwissen, das man auch gut für das spätere Leben brauchen kann“, findet Amelie Mayerhofer. Sie war gleich von der Idee eines Schulsanitätsdienst begeistert; später will sie ohnehin ein medizinisches Praktikum machen.

Ersthelfer an den Schulen

  • Der Schulsanitätsdienst

    , abgekürzt auch SSD oder SSanD, ist eine ehrenamtliche Institution an Schulen, direkt der Schulleitung untergeordnet. Er ergänzt und sichert die Erste-Hilfe-Versorgung.

  • Bei Unfällen

    , Verletzungen und Erkrankungen stellen Schüler, die mindestens in Erster Hilfe ausgebildet sind, als Schulsanitäter die Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sicher. Und sie betreuen schulische Veranstaltungen sanitätsdienstlich (Quelle: Wikipedia)

„Man fühlt sich einfach sicherer, wenn man weiß, was im Notfall zu tun ist, ob in der Schule oder zu Hause“, sagen Simone Karrer und Helena Rabl. Sie hat sogar vor, später eine Ausbildung als Notfallsanitäter zu machen oder im Pflegemanagement tätig zu werden. „Dafür ist der Schulsanitätsdienst sicherlich eine gute Basis“.

Wie Lukas Schmalhofer schätzen die Schulsanitäterinnen aber auch das Miteinander bei den Übungsstunden. „Wir haben viel Spaß in der Gruppe“ ist die einhellige Meinung.

Nachwuchs willkommen

Alle hoffen nun, dass sich noch weitere Schüler als Schulsanitäter anschließen, auch aus den unteren Jahrgangsstufen – damit der Schulsanitätsdienst auch dann fortbesteht, wenn die jetzigen Schulsanitäter die Schule bereits verlassen haben.

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