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Schifffahrt

Fahrfehler führte zu Havarie

Der Kapitän selbst und nicht, wie anfangs von ihm angegeben ein Maschinenschaden, war für den Crash der „Herzog Tassilo“ bei Poikam verantwortlich.
von Benjamin Neumaier

Der Schubverband „Herzog Tassilo“ war bei Poikam gegen die Eisenbahnbrücke gekracht. Foto: Archiv

Bad Abbach.Die Havarie des Schubverbandes „Herzog Tassilo“ am Donnerstag voriger Woche bei Poikam ist nicht, wie der Kapitän des Schiffes behauptete auf einen Maschinenausfall zurückzuführen, sondern lag an einem Fahrfehler des Kapitäns. Das teilte Thomas Schönhütl, Leiter der Wasserschutzpolizei Gruppe Regensburg, mit: „Der Schiffsführer hat die extreme Querströmung, die gerade bei einem hohen Wasserstand am Wehr bei Poikam entsteht wohl unterschätzt oder nicht einberechnet. Das Wasser verzeiht aber solche Fehler nicht – und so war der Unfall nicht mehr aufzuhalten.“

Brücke bleibt heil

Letztlich habe der Unfall relativ glimpflich geendet. „Am Schiff entstand kein Schaden, weder am Rumpf noch am Ruder und auch an der Eisenbahnbrücke gibt es keine Schäden. Einzig durch die Strömung, die sich durch das liegengebliebene Schiff entwickelte, ist eine Kiesaufschüttung entstanden, an der andere Schiffe hätten auflaufen können – die ist aber ebenfalls beseitigt.“

Schönhütl bezeichnet den Unfall letztlich als „nicht besonders schlimm, auch wenn es durch den Einsatz vom mehr als 100 Einsatzkräften nach außen dramatisch wirkt.“ Vergleichbar sei es, wenn ein Auto im Winter an den Randstein prallt. „Aber ein Schiff ist eben kein Auto, das dann selbst wegfahren oder abgeschleppt wird, sondern muss aufwendiger wieder fahrtüchtig gemacht werden.“ Solcherlei Unfälle gäbe es in der Schifffahrt durchaus häufiger und auch wenn die Herzog Tassilo schon eine bewegte Unfallgeschichte – mehrmaliges Auflaufen auf einer Sandbank unter anderem 2011 , Rammen der Schleuse in Riedenburg 2014, oder ein getöteter Schiffsführer beim Bedienen des Teleskopsteuerstandes 2007 – hinter sich hat, sei die Herzog Tassilo nicht als Problemschiff einzustufen. „Dafür gibt es keine Anzeichen.“

Kapitän müsste die Strecke kennen

Ganz so einfach sieht die Lage Hans Kerber, Schifffahrtssachbearbeiter vom Regensburger Wasser- und Schifffahrtsamt nicht: „Ein alltäglicher Unfall ist das nicht unbedingt. Der Kapitän müsste, gerade weil er die Strecke kennt, die Stelle bei Poikam einschätzen können. Es gibt zwar dort keine Warnschilder, aber bei jedem Schleusenkanal entwickelt sich eine Querströmung.“ Jeder Kapitän müsse sein Fahrverhalten an die aktuellen Gegebenheiten der Wasserstraße anpassen. „Dabei geht es bei einem Unfall nicht nur um den havarierten Schubverband, sondern auch um nachfolgende Schiffe. Jeder Tag, den ein Schiff nicht fahren kann, kann tausende Euro kosten“, sagt Kerber.

Als Problemschiff könne er die Herzog Tassilo aber ebenfalls nicht einschätzen – auch weil ich, wie auch die Wasserschutzpolizei, nur einen gewissen Bereich im Blick habe.“

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