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Faires Leben mit fairen Preisen

Das Eine-Welt-Forum Abensberg wird 25 Jahre alt. Es versucht, Menschen aus benachteiligten Ländern Perspektiven zu bieten.
Von Roswitha Priller

Faire Löhne bedeuten weniger Kinderarbeit und die Chance auf Bildung. Foto: Zakari Fati - Noma-Hilfe
Faire Löhne bedeuten weniger Kinderarbeit und die Chance auf Bildung. Foto: Zakari Fati - Noma-Hilfe

Abensberg. „Wir wollen keine Almosen, sondern gerechte Preise“, diesen Ausspruch des so genannten „Apostel Lateinamerikas“ Dom Helder Camara haben sich die Gründer des Eine-Welt-Forums aus Abensberg seit nunmehr 25 Jahren mit Herzblut verschrieben. Seit 1993 hat das Eine Welt Forum (EWF) die Idee vom fairen Handel und von fair gehandelten Produkten nach Abensberg und Umgebung gebracht. „Vor 1993 waren das lauter Einzelaktionen von vor allem kirchlichen Verbänden. Wir wollten die Ideen und Aktivitäten bündeln“, erzählte das Gründungsmitglied Albert Steber (Vertreter der Pfadfinder Offenstetten). Der damalige Kaplan Martin Müller lud zu einem runden Tisch ein und das Ergebnis war dann das Eine Welt Forum. „Wir haben ein Startkapital von insgesamt 3650 Deutschen Mark von beiden Kirchen bekommen, um erste Waren einkaufen zu können“, erinnerte sich die Mitgründerin Marie-Luise Ott, die als Vertreterin der evangelischen Kirchengemeinde mit am runden Tisch saß.

Philosophie des fairen Handels

In den ersten Jahren standen die ehrenamtlichen Mitglieder des EWF jeden Samstag auf dem Wochenmarkt und verkauften die fair gehandelten Produkte. Schokolade, Kakao, Tee, Kaffee und Orangensaft, aber auch verschiedene Weine sind derzeit im Angebot. Inzwischen kann man an jedem Geschäftstag faire Ware vom EWF bei „Christina’s“ und bei „Zieglers Obst- und Gemüseladen“ einkaufen. „Es ist unser Anliegen, die Grundidee und Philosophie vom fairen Handel zu verbreiten“, so Albert Steber. Die Menschen müssten deshalb mit ihrem Einkaufskorb genau danach handeln. Nur durch faire Löhne und faire Arbeitsbedingungen haben die Menschen in den benachteiligten Ländern eine Chance. Faire Löhne bedeuten zu gleich weniger Kinderarbeit und die sehr wertvolle Chance auf Bildung. „Die Rechte der Frauen werden auch gestärkt, wenn sie für ihre Arbeit einen fairen Lohn bekommen. Viele der Kooperationen werden von Frauen betrieben“, sagte die Mitgründerin Johannette Bohn (Donum Vitae).

Das Eine-Welt-Forum überreichte Spenden in Gesamthöhe von 2000 Euro an die Noma-Hilfe, Patenkind Samira, Sahel e.V. und Donum Vitae. Foto: Priller
Das Eine-Welt-Forum überreichte Spenden in Gesamthöhe von 2000 Euro an die Noma-Hilfe, Patenkind Samira, Sahel e.V. und Donum Vitae. Foto: Priller

Ein sehr ehrgeiziges Projekt des Eine-Welt-Forums ging im Mai 2010 in Erfüllung. Abensberg wurde als erste Stadt in Niederbayern mit dem Fair Trade Siegel ausgestattet. „Wir haben schon viel erreicht, es muss aber noch mehr werden. Selbst nach 25 Jahren werden wir noch gefragt, warum die Produkte so teuer sind“, meint die Forums-Sprecherin Klara Wirthensohn. Viele der Büros, Praxen und Geschäfte in Abensberg haben außerdem auf fairen Kaffee und Tee umgestellt, die Pfarrei verteilt an ihre Jubilare Geschenkkörbe mit fairen Produkten und auch die Zusammenarbeit mit den Schulen und Kindergärten ist mittlerweile sehr eng.

Wirklich alles wird gespendet

Jetzt konnten Spenden in Höhe von insgesamt 2000 Euro überreicht werden. „Wir suchen uns immer Projekte mit regionalem oder persönlichem Bezug aus“, so Wirthensohn. Heuer gingen die Spenden zu je 500 Euro an Donum Vitae, die Noma-Hilfe, Sahel e.V. und an das Patenkind Samira aus Burkina Faso. Insgesamt an die 37 000 Euro hat das EWF in den letzten 25 Jahren gespendet. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich und auch die beiden Obst-Geschäfte arbeiten für uns kostenlos. Die kleine Verkaufsspanne, die wir haben, spenden wir zu 100 Prozent“, erklärt die Forums-Sprecherin Wirthensohn.

Hilfe für Samira

  • Patenkind Samira:

    Samira ist neun Jahre alt und lebt in Burkina Faso in einer Pflegefamilie. Sie ist ein Waisenkind. Samira wird von der Kirchmann-Stiftung gefördert, seit sie drei Jahre alt ist. Sie war völlig unterernährt, konnte kaum sprechen und nur schlecht laufen. Inzwischen besucht Samira die 2. Klasse und hat sich in ihrer Pflegefamilie prächtig entwickelt. Seit drei Jahren ist Samira das Patenkind des EWF.
    Der Verein Sahel betreibt das Projekt „AMPO“ in Burkina Faso. Es betreibt mehrere Waisenhäuser und Ausbildungsstätten und arbeitet nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Gründerin ist Katrin Rohde, gebürtige Hamburgerin und ehemalige Buchhändlerin. Bildung und Aufklärung sind das zentrale Ziel, um Menschen langfristig ein selbstbestimmtes Leben in ihrem eigenen Land zu ermöglichen. (drp)

Das Jubiläumsjahr 2018 stellt das EWF unter die große Überschrift „Fluchtursachenbekämpfung“. „Wir wollen Denkanstöße zu Fluchtursachen auf der ganzen Welt geben“, so Klara Wirthensohn. Mit gerechteren Lebensbedingungen nimmt der Druck von den Menschen ab, ihre eigene Heimat zu verlassen. Erste Veranstaltung zu dem Thema ist der Vortrag „Die Regenwälder am Amazonas zwischen Schutz, Nutzung und Zerstörung“ von Dr. Rainer Putz, Biologe am Regenwald-Institut Freiburg/Breisgau, der am 12. April um 19 Uhr im Aventinum stattfindet. Der Eintritt hierfür ist frei. Der Referent Dr. Rainer Putz behandelt unter anderem Themen, wie „Was geht mich der Regenwald an?“, der nachhaltige Schutz des Regenwaldes sowie die Waldflucht der Menschen am Amazonas in die Städte. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Eine Welt Netzwerk Bayern e.V. statt und wird gefördert aus Mitteln der Bayerischen Staatskanzlei.

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