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Wahlporträt

Fan von einem begrenzten Freistaat

Über sein Ideal vom unabhängigen Bayern fand Fritz Zirngibl zur Bayernpartei. Für sie will der Teugner jetzt in den Landtag.
Von Martina Hutzler

Falls die Bayernpartei am 14. Oktober die Fünf-Prozent-Hürde nimmt, wäre sie im Landtag offen für „eine Regierung der konservativen Kräfte“, kündigt ihr Kelheimer Kandidat und Landesvize Fritz Zirngibl an. Foto: Heike S. Heindl
Falls die Bayernpartei am 14. Oktober die Fünf-Prozent-Hürde nimmt, wäre sie im Landtag offen für „eine Regierung der konservativen Kräfte“, kündigt ihr Kelheimer Kandidat und Landesvize Fritz Zirngibl an. Foto: Heike S. Heindl

Kelheim.Er propagiert ein „liebenswertes Bayern“; aber die Liebe hat Grenzen, wenn auch momentan zu lasche, findet Fritz Zirngibl. Grenzen und Freistaat, das gehört für den Kelheimer Direktkandidaten der Bayernpartei (BP) zusammen. Schließlich ist ja die Abspaltung des Freistaats vom Rest der Republik eines der Partei-Ideale. „Grundsätzlich schon.“

Auch beim Polit-Gillamoos 2018 warb die Bayernpartei und ihr Kandidat Fritz Zirngibl für ein eigenständiges Bayern. Foto:  Holger Mandl
Auch beim Polit-Gillamoos 2018 warb die Bayernpartei und ihr Kandidat Fritz Zirngibl für ein eigenständiges Bayern. Foto: Holger Mandl

Aber so schnell, in den nächsten zehn Jahren, werde es nichts mit dem unabhängigen Freistaat, relativiert Zirngibl: Wie lange so was dauere, habe man ja bei der Zweiteilung der einstigen Tschechoslowakei gesehen oder bei den Ex-Jugoslawien-Staaten. In der Tat – aber beim Zerfallsprozess am Balkan hat doch die Welt noch viel mehr gesehen: weit über 100 000 Tote, eine dreiviertel Million Kriegsflüchtlinge?! Weshalb eine bayerische Unabhängigkeit ja nur auf friedlichem Wege, per Volksabstimmung vonstatten gehen dürfe, schiebt Zirngibl hinterher.

Zur Person

  • In Kürze:

    Fritz Zirngibl, Jahrgang 1954, lebt mit seiner Frau Daniela in Teugn. Hier und in München ist er als Immobilienmakler tätig. Neben der Kommunal- und Landespolitik schätzt er sein Motorrad und den Karatesport.

  • In Kontakt:

    Über die Homepage der Bayernpartei (https://kelheim.bayernpartei.de) und auf Facebook („fritz.der.revoluzzer“)

Näher, weil griffiger sind ihm kurzfristige Ziele unter dem Motto „Bayern stärken“. Geschwächt werde es derzeit vor allem durch einen „Bürokratisierungswahn“. Ob Polizei, Bauern, Wirte oder andere Berufsgruppen: „Alle haben zum Beispiel immer mehr Dokumentationspflichten“ und zu enge Vorgaben, beklagt der gelernte Banker, der als selbständiger Immobilienmakler tätig ist. Andererseits kritisiert er selbst immer wieder zum Beispiel laxen Umgang mit Umweltvorschriften; unlängst im Kreistag etwa die Plastik-Verunreinigung von Biomüll.

Schneller Kandidaten-Check gefällig? „Fünf Fragen - Fünf Antworten“!

Kein Widerspruch, findet der Teugner. „Vorschriften gibt es genug, aber es fehlen die Kontrollen“, weil der Staat zu wenig Personal dafür habe. Ein Problem, das im übrigen auch Krankenhäuser und Pflegeheime plage, kritisiert er am Beispiel der Kelheimer Goldberg-Klinik – dort kenne er die Situation, durch Aufenthalte seiner Mutter, erklärt der 63-Jährige. „Engagiert, aber überfordert“ sei das Personal. Doch woher nehmen, das zusätzliche Personal?

Personalnot im Inland beheben

Aus dem Ausland eher nicht, antwortet Fritz Zirngibl: wegen der Sprache und weil diese Fachkräfte dann ja in ihren Heimatländern fehlten. Für ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild sei er freilich „durchaus offen“. Aber mit besserer Bezahlung fänden sich auch genügend inländische Pflegekräfte, vermutet er: „Wir haben viel zu viele ,Hartz-IV’-ler“, gerade unter Jugendlichen. „Bundesweit rund 17 Prozent Leistungsempfänger unter 25 Jahre“, reicht er später per Mail einen „Focus“-Bericht von 2012 als Beleg nach. „Die müssten in den Beruf geführt werden“, fordert er; auch in anderen Branchen.

Machen Sie sich selbst ein Bild: Fritz Zirngibl im Video

Politisches und Privates von Bayernpartei-Kandidat Fritz Zirngibl Video: Heike S. Heindl & Martina Hutzler

Arbeitsplätze stattdessen mit integrierten Flüchtlingen auf Dauer zu besetzen, lehnt er hingegen ab: Wer vor dem Krieg geflohen sei, müsse zurück und sein Heimatland aufbauen, wenn dort wieder Frieden herrsche, fordert der Bayernpartei-Kandidat, der andererseits von Asylbewerbern „Integration durch Arbeit“ anmahnt. Wenn das aber an fehlenden Arbeitserlaubnissen scheitert? Dann liege es wohl daran, dass der Betreffende hierzulande nicht asyl-berechtigt sei, antwortet er.

„Durchgreifen beim Asylthema“

Seit Fritz Zirngibl vor acht Jahren die BP zur politischen Heimat erkoren hat und diese im Kreis Kelheim seither praktisch verkörpert, läuft bei ihm vieles aufs Asyl-Thema hinaus. Obwohl er das gar nicht wolle, sagt er im Redaktionsgespräch. Aber ihm fehle „bei dem Thema das Durchgreifen“ des Staats: „Abschreckende Strafen“ gegen straffällige Flüchtlinge und eine „echte Grenzkontrolle“ nennt er als Beispiele.

Das klingt nach AfD – aber eine Nähe zu dieser Partei weist Zirngibl zurück. „Ich will die AfD weder verteidigen noch niedermachen“, aber in Bayern „brauchen wir sie nicht“, schon gar nicht in der Regierung. Dass sie in den Landtag kommt, hält er für indes sicher – anders als bei seiner BP, die mit der Fünf-Prozent-Hürde zu kämpfen habe, räumt der Vize-Landesvorsitzende ein. Und das mit knapper Wahlkampfkasse, weil man laut Vorstandsbeschluss Großspenden über 20 000 Euro – „gekaufte Politik!“ – ablehne.

Falls die Bayernpartei am 14. Oktober die Fünf-Prozent-Hürde nimmt, wäre sie im Landtag offen für „eine Regierung der konservativen Kräfte“, kündigt ihr Kelheimer Kandidat und Landesvize Fritz Zirngibl an. Foto: Heike S. Heindl
Falls die Bayernpartei am 14. Oktober die Fünf-Prozent-Hürde nimmt, wäre sie im Landtag offen für „eine Regierung der konservativen Kräfte“, kündigt ihr Kelheimer Kandidat und Landesvize Fritz Zirngibl an. Foto: Heike S. Heindl

Sollten aber Sitze frei werden im Maximilianeum, dann sei die BP schon offen für „eine Regierung der konservativen Kräfte“, sagt ihr niederbayerischer Listenführer: etwa für eine Koalition mit der CSU – die habe ja sowieso schon einige BP-Forderungen kopiert – sowie mit FDP und Freien Wählern, falls im Landtag vertreten.

„In einer großen Partei müsstest Du Dich über Jahre nach oben buckeln. Das ist nicht meine Art.“

Alles besser als ein „schwarz-rot-grünes Bayern“ – für den Teugner sein persönliches „worst-case“-Szenarien, das nur noch getoppt wird vom rot-rot-grünen Berlin. Die dortige Devise „sexy, aber pleite“ habe ihn 2010 ja erst zur Politik gebracht, erzählt er; und da geradewegs in die kleine Bayernpartei. Denn „in einer großen müsstest Du Dich über Jahre nach oben buckeln. Das ist nicht meine Art.“

Lesen sei, neben Motorradfahren und Karate, sein Haupt-Hobby, sagt Fritz Zirngibl – im Bild mit Hund „Lu“. Foto:  Holger Mandl
Lesen sei, neben Motorradfahren und Karate, sein Haupt-Hobby, sagt Fritz Zirngibl – im Bild mit Hund „Lu“. Foto: Holger Mandl

Alle Porträts der zehn Kelheimer Direktkandidaten und weitere Infos zur Landtagswahl veröffentlichen wir hier!

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