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Anbau

Feldversuch mit einer Unbekannten

Noch fristet die Sojabohne auf den Äckern des Landkreises Kelheim ein Schattendasein. Landwirte wie Eugen Müller aus Herrngiersdorf wollen das ändern.

  • Agraringenieurin Anne-Kathrin Schäfer erklärte, wie das „Impfen“ die Ausbildung von Bakterien-Knöllchen (auf der Hand) an Pflanzenwurzeln beeinflusst.
  • Eugen Müller zeigt eine Sojapflanze mit heranreifenden Schoten.Fotos: hu

Herrngiersdorf.Sie ist noch die große Unbekannte, auf gerade mal 40 Hektar Ackerfläche im Landkreis – aber das könnte sich ändern, nimmt man den „Soja-Feldtag“ bei Herrngiersdorf als Maßstab. Rund 100 Landwirte haben sich am Montag über den Anbau der Sojabohne informiert, auf dem Feld von Eugen Müller. Als gentechnik-freie Alternative zu importierter amerikanischer Ware wird Soja hierzulande sowohl für konventionelle wie auch für Biobauern zunehmend interessant. Erstere beliefern vorrangig die Futtermittel-Industrie, letztere auch Hersteller des Lebensmittels Tofu.

Auf den ersten Blick könnten es Buschbohnen sein, die bei Herrngiersdorf-St. Johann auf dem Acker sprießen. In der Tat gehören Soja, Erbsen, Bohnen und andere Pflanzen zur Familie der „Schmetterlingsblütler“, in der Landwirtschaft meist als „Leguminosen“ bezeichnet. Sie alle nutzen einen Trick: Sie arbeiten mit bestimmten Bakterien-Arten zusammen, in einer Symbiose. Die Pflanze bildet an den Wurzeln Knöllchen: das traute Eigenheim für die Bakterien. Die „fangen“ im Gegenzug Stickstoff aus der Luft ein und stellen ihn der Pflanze fürs Wachstum zur Verfügung. Was die Pflanze für den Bauern interessant macht: Sie kommt ohne Stickstoff-Dünger aus. Die Sojabohne ist überdies sehr reich an Eiweiß, das zudem tierischem Eiweiß ähnelt. Weltweit landet sie deshalb oft als Viehfutter in den Trögen. Wertvoll ist Soja, in Zeiten wachsender Weltbevölkerung, freilich auch als Nahrungsmittel. Aus den linsengroßen Sojabohnen wird der Fleischersatz Tofu hergestellt.

Bund und Freistaat fördern den Anbau der Sojapflanze mit Forschung und Beratung. Unter anderem mit „Feldtagen“ auf ausgewählten Betrieben – wie eben dem von Eugen Müller. Der Vollerwerbslandwirt schätzt es, neue Wege zu gehen. Mit seiner Frau hat der „Sentehanser“ – wie er mit Hausnamen heißt – ein Hof-Café aufgebaut, und 2010 hat er sich an den Soja-Anbau gewagt. Müller suchte eine Alternative zum aufwendigen Anbau von Stärkekartoffeln und fand diese in der Sojapflanze: Sie fordere vergleichsweise wenig Arbeit und Maschinen und bringe derzeit gutes Geld, was den Anbau bei halbwegs guter Ernte wirtschaftlich macht.

Man muss allerdings mit der Pflanze umzugehen wissen: Das machten Landwirt Müller und die Agrar-Ingenieurin Anne-Kathrin Schäfer vom „Soja-Netzwerk“ beim Feldtag deutlich. „Im Prinzip ist sie mit dem Mais vergleichbar: Wo der wächst, gedeiht auch Soja“, beschreibt es Müller: Sie braucht es halbwegs warm beim Keimen und noch mal zur Blütezeit, wo sie gleichzeitig genügend Wasser benötigt. Sehr speziell ist allerdings, dass man sie „impfen“ muss.

So nennt man, dass man die Bohne, deren Ursprünge in Asien liegen, vor oder bei der Aussaat „verpaaren“ muss mit einer ganz bestimmten stickstoff-sammelnden Bakterienart, die in hiesigen Böden nicht vorkommt. Es gibt vorgeimpftes Saatgut, aber Eugen Müller zum Beispiel rührt die Bohnen vor der Aussaat selbst mit dem klebrigen Bakterien-Gemisch an – von Hand: „Die Sojabohne ist sehr empfindlich“. Auch bei der Ernte hat sie Tücken: Übliche Mähdrescher erwischen die untersten Schoten nicht, das mindert die Ernte ordentlich. Heuer will Müller ein Fahrzeug mit speziellem Schneidwerk anheuern.

Seine Ernte wird dann von der Erzeugergemeinschaft „Bayernhof“ abgeholt, mit der Müller jeweils zu Jahresbeginn per Vorvertrag einen Grundpreis aushandelt. Auch die Weiterverarbeitung der Bohne – sie ist für Tier wie Mensch erst nach Hitzebehandlung bekömmlich – ist nicht mehr Sache des Landwirts.

Viele Tipps und Erfahrungen bekamen die rund 100 Landwirte von Müller, der als „Leuchtturm-Betrieb“ Feldversuche mit verschiedenen Sorten und Anbaumethoden betreibt. Viele Interessierte kamen zum Feldtag, um „mal die Fühler auszustrecken“ in Sachen Soja-Anbau, wie es Erhard Aiwanger aus dem Raum Rottenburg formuliert: Neben Ackerbau hat der Landwirt Legehennen – und deshalb größtes Interesse an nicht-gentechnisch verändertem Futter. Dieser Vorteil von heimischem Soja ist ein Grund für den aktuellen Boom der Pflanze. Ein zweiter: Soja soll beim „Greening“ angerechnet werden, sprich bei der EU-Verpflichtung für Bauern, „ökologische Vorrangflächen“ auszuweisen.

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