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Dreist

Fette Beute für Enkeltrick-Betrüger

Ein Rentner-Ehepaar aus Neustadt hat einen sechsstelligen Betrag an einen Unbekannten übergeben. Die Kripo sucht Zeugen.
Von Martina Hutzler

Die Anruferin bereitete den Coup bei dem Neustädter Rentner-Ehepaar vor – ein Komplize holte das Geld dann ab. Foto: Arno Burgi dpa
Die Anruferin bereitete den Coup bei dem Neustädter Rentner-Ehepaar vor – ein Komplize holte das Geld dann ab. Foto: Arno Burgi dpa

Neustadt.Neustadt. Einen sechsstelligen Betrag haben Unbekannte am Donnerstag im Neustädter Schwaigfeldring erbeutet, meldet das Polizeipräsidium Niederbayern. Der Coup gelang mit einem traurigen „Klassiker“: Eine Anruferin gaukelte einem 78-jährigen Rentner vor, sie sei seine Enkelin und brauche dringend Geld. Ein Komplize holte das Geld ab und verschwand damit auf Nimmerwiedersehen. Nun hofft die Kripo Landshut auf Zeugen.

Sie hat vom Geldabholer eine vage Beschreibung: etwa 1,75 Meter groß, 35 Jahre alt, kräftige Statur; er trug eine schwarzen Übergangsjacke. Wer am Donnerstag, 19. April, zwischen 15 Uhr und 18 Uhr verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Schwaigfeldringes beobachtet, sollte sich mit der Kriminalpolizei unter Tel. 08 71/9 25 20 oder einer anderen Polizeidienststelle in Verbindung setzen.

Überzeugende Betrüger

Denn es sind in aller Regel keine Einzeltäter, die diese Betrugsmasche anwenden, sondern Banden mit teils gut „geschulten“ Kriminellen, erklärt Günther Tomaschko vom Polizeipräsidium Niederbayern: Derjenige, der das Opfer kontaktiert, muss überzeugend auftreten. Im Neustädter Fall war es eine Frau, die gegen 16.45 Uhr beim 78-Jährigen anrief. Sie fragte den Mann zu Beginn des Gesprächs nur, ob er die Anruferin kennen würde. Der Rentner fragte nach: „Nastja?“. Schon hatte die Anruferin den entscheidenden Tipp: Sie konnte ihr Opfer überzeugen, dass sie seine Enkelin sei, berichtet die Polizei.

Die Anruferin bereitete den Coup bei dem Neustädter Rentner-Ehepaar vor – ein Komplize holte das Geld dann ab. Foto: Arno Burgi dpa
Die Anruferin bereitete den Coup bei dem Neustädter Rentner-Ehepaar vor – ein Komplize holte das Geld dann ab. Foto: Arno Burgi dpa

Nun bat sie den Mann telefonisch um Geld – sie brauche es dringend für einen Notartermin zum Kauf einer Wohnung. Sie sei gerade in Ingolstadt und müsse den Notar sofort bezahlen, so die Anruferin. Fatal war, dass der Rentner zu verstehen gab, dass er Bargeld im Haus habe: Die Betrügerin vereinbarte mit ihm gleich einen Zeitpunkt zur Geldübergabe, schildert die Polizei. Die „Enkelin“ rief noch mehrmals an – bis gegen 17.45 Uhr ein Mann an der Wohnungstür des Ehepaars stand, das Bargeld in Empfang nahm und damit verschwand.

Am selben Tag registrierte die Mainburger Polizei einen Betrugsversuch bei einer Seniorin (87) in Mainburg. Dort rief gegen 14 Uhr eine Frau an und gab sich als Enkelin aus: Sie sei zufällig in Mainburg, brauche Geld. Die 87-Jährige „erkannte aber sofort, dass es sich bei der Anruferin nicht um ihre Enkelin handelt und legte sofort auf“, meldet die Polizei. In dem Fall unternahmen die Betrüger auch keine weiteren telefonischen Anläufe mehr.

Fünf Fälle an einem Tag

Der Kripo Ingolstadt wurden am Donnerstag ebenfalls sage und schreibe fünf Betrugsversuche aus der „Enkeltrick-Serie“ gemeldet. In einem Fall konnte die die Tochter des Opfers die Übergabe eines fünfstelligen Betrages in letzter Minute verhindern.

Polizei bittet Angehörige um Mithilfe

  • Weil

    immer wieder ältere Menschen das Opfer von „Enkeltrick“-Betrügern werden, appelliert das Polizeipräsidium Niederbayern nun auch an Angehörige, sich über die Betrugsmasche zu informieren und die Senioren zu warnen.

  • „Helfen Sie

    ihrem Angehörigen dabei, Vornamen im Telefonbucheintrag abkürzen zu lassen“, wenn der Vorname aufs Alter schließen lässt: Kreszentia oder Xaver etwa sind typisch für ältere Semester – was die Täter wissen.

  • „Bestärken Sie

    Angehörige darin, einfach den Telefonhörer aufzulegen, wenn ein Anruf verdächtig erscheint. Anschließend sollte die Polizei über 110 verständigt werden“ – aber auch, wenn der Senior trotz aller Vorsicht Betrugsopfer wurde.

  • „Hinterlassen Sie

    bei Ihrem Angehörigen, wo er Sie im Zweifel schnell erreicht.“

  • „Wirken Sie

    darauf hin, dass Angehörige keine größeren Geldbeträge oder Wertgegenstände zuhause aufbewahrt.

Die vier weiteren Opfer durchschauten den Trick.

Die Verfolgung der Betrüger ist schwierig, räumt Polizeisprecher Tomaschko ein: Häufig sitzen zum Beispiel die Anrufer, die den Kontakt herstellen, im Ausland, und nur der Geld-Abholer wagt sich vor Ort.

Ob es immer wieder die selben Banden sind, die zuschlagen, könne man nicht ohne weiteres sagen. „Aber wir versuchen natürlich, neue Fälle mit älteren abzugleichen“, so Tomaschko.

Enkeltrick - die jüngsten Fälle

Vereinzelt gelingt es der Polizei, den Geldabholer auf frischer Tat zu ertappen. So zum Beispiel im Oktober 2017 im Raum Würzburg, wo den Ermittlern eine resolute Seniorin zu Hilfe kam: Als die 83-Jähriger von ihrer vermeintlichen Enkelin „Susanne“ angerufen wurde, durchschaute sie die Masche sofort und verständigte die Polizei.

Die Kripo betreute daraufhin die Seniorin bei den folgenden Anrufen, in denen sich die Betrüger unter anderem als Notar, Bankmitarbeiter und Polizeibeamte ausgaben. Als schließlich ein Kollege von „Susanne“ das Geld holen wollte, klickten bei ihm die Handschellen.

Das Polizeipräsidium Niederbayern gibt im Zusammenhang mit den jüngsten Fällen nochmals Tipps gegen diese Betrugsmasche.

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