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Feuer

Großbrand bei Kelheim Fibres

Rauchwolke über der Kreisstadt sorgte für Angst bei den Menschen. Eine Produktionsanlage brannte – es gibt Millionenschäden.

  • Eine dunkle Rauchwolke stand am sonnigen Sonntagvormittag über dem Kelheimer Ortsteil Affecking. In der Fibres-Dolan GmbH soll nach ersten Angaben ein Brand in einer Trocknungsanlage ausgebrochen sein. Foto: NEWS5 / Pieknik
  • Schwarze Rauchsäule vor blauem Herbsthimmel: Anwohner sollen Fenster und Türen schließen. Foto: Nadine Lepsky
  • Rund ums Werk wohnen viele Menschen. Foto: Ludwig Liedl

Kelheim.Letztlich endete der Großeinsatz glimpflich: Es gab keine Toten und beinahe keine Verletzten, lediglich ein Mitarbeiter der Fibres-Dolan GmbH wurde wegen geringer Atemwegsbeschwerden behandelt. Gegen 12.30 Uhr am Sonntag hatten die Einsatzkräfte den Brand in einer Produktionsanlage bei Kelheim Fibres im Griff, gegen 14 Uhr gab das Polizeipräsidium Entwarnung: Die Rauchwolke, die sich in unterschiedliche Himmelsrichtungen verbreitet hatte, „stellt keine Gefahr für die Bevölkerung dar“.

„Es ist einerseits ein Glücksfall, andererseits haben die Einsatzkräfte aber auch sensationelle Arbeit geleistet“, sagte Landrat Martin Neumeyer. „Die Bevölkerung war zu keiner Zeit ernsthaft gefährdet. Das ist ein Segen.“ Und keine Selbstverständlichkeit: In dem Chemie-Unternehmen wird rund um die Uhr gearbeitet, auch am Sonntag.

Brandursache ist noch unklar

Gegen 10 Uhr entstand bei einer Verpuffung im Kanalsystem der Fibres ein Brand im sogenannten Spinnsaal. Die Brandursache war am gestrigen Sonntag noch unklar. „Der Brand in den offenen Kanälen erfasste umliegende Maschinen – wie viele, das wissen wir noch nicht. Wir müssen abwarten, bis wir die Anlage wegen der vielen Rauchgase wieder betreten können. Ein Sperrriegel der Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen auf gelagerte Gefahrstoffe“, sagte Konrad Brunner, Produktionsleiter der Fibres GmbH, bei der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. „Die Anlage ist stromlos und alle Ventile wurden geschlossen. Sie ist in einem sicheren Zustand.“ Löschwasser und –schaum wurden aufgefangen, der Keller ist geflutet und darüber hinaus werde die biologische Abwasseranlage ständig mittels PH-Messungen überprüft.

Weitere Bilder zum Brand bei Kelheim Fibres sehen Sie hier:

Brand bei Fibres in Kelheim

Die etwa 20 Anlagenführer, die zum Brandzeitpunkt in der Halle waren, wurden – wie auch alle anderen Fibres-Mitarbeiter in der Kantine versammelt. „Es sind alle da, keiner wird vermisst“, sagte Brunner erleichtert.

Mit dafür verantwortlich, dass der Brand nicht in einer Katastrophe endete, war das schnelle Eingreifen der Rettungskräfte. 200 Feuerwehrmänner aus dem kompletten Landkreis, 50 Einsatzkräfte des Roten Kreuzes , 30 Mann der Werksfeuerwehr, 20 THW-Kräfte, 20 Polizisten und ein Führungsstab aus zehn Personen waren beteiligt.

Mehr als 300 Einsatzkräfte waren vor Ort eingesetzt. Foto: Neumaier
Mehr als 300 Einsatzkräfte waren vor Ort eingesetzt. Foto: Neumaier

Grundlage für ihr Vorgehen war der Sondereinsatzplan Kelheim Fibres, der erst vor wenigen Monaten erarbeitet worden war. „Das hat sich absolut bewährt“, sagt Kreisbrandrat Nikolaus Höfler. „Es geht dabei nicht nur um die Alarmierung sondern auch um die Verkehrsabsicherung inklusive der Donau und auch ein Messkonzept mit mehreren festen Punkten, um mögliche Immissionen festzustellen.“ Die Bevölkerung wurde über Radiodurchsagen und Facebook aufgefordert die Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das THW informierte die Kelheimer per Lautsprecherdurchsagen. Ebenso errichteten Feuerwehr und Polizei notwendige Straßensperrungen.

Der Leiter der Werksfeuerwehr Markus Weigert, Landrat Martin Neumeyer, Kreisbrandinspektor Karl-Heinz Rott, Kreisbrandrat Nikolaus Höfler und BRK-Einsatzleiter Andreas Ober (v. l.). Foto: Neumaier
Der Leiter der Werksfeuerwehr Markus Weigert, Landrat Martin Neumeyer, Kreisbrandinspektor Karl-Heinz Rott, Kreisbrandrat Nikolaus Höfler und BRK-Einsatzleiter Andreas Ober (v. l.). Foto: Neumaier

Für die Koordinierung des Einsatzes wurde ein Krisenstab gebildet, dem neben Höfler auch Landrat Martin Neumeyer, Bürgermeister Horst Hartmann, Kreisbrandinspektor Helmut Dötzel sowie Werksfeuerwehr-Kommandant Markus Weigert angehörten.

Weigert war mit seiner Truppe der erste an der Brandstelle. „Wir haben schon über das Absaugsystem gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Dann haben wir einen Chemiebrand alarmiert, aber schnell auf den Sonderplan hochgestuft. Es war klar, dass man massiven Einsatz von Atemschutzträgern braucht.“ Auch deshalb wurden, nachdem der Brand äußerlich im Griff war, noch Feuerwehren aus Nachbarlandkreisen nachalarmiert, um die schon eingesetzten Atemschutzträger zu entlasten.

Beobachtung aus der Luft

Die Polizei unterstütze mit zahlreichen Kräften die Feuerwehr bei der großräumigen Absperrung der Straßen rund um die Unfallstelle – inklusive der Donau – und sorgte per Hubschrauber für eine Beobachtung per Bildübertragung aus der Luft. „Zur Ermittlung ist bereits die Kriminalpolizei Landshut angefordert worden“, sagte PI-Leiter Erich Banczyk.

Blick vom Flugzeug aus: Eine Rauchwolke zieht über Kelheim. Foto: Matthias Meier
Blick vom Flugzeug aus: Eine Rauchwolke zieht über Kelheim. Foto: Matthias Meier

Teil des Sondereinsatzplans Fibres war auch die Goldberg-Klinik – dort wurde für einige Stunden Katastrophenalarm ausgelöst, berichtet Chefarzt Dr. Michael Reng: „Wir haben uns für ein Großschadensereignis gerüstet. Das Personal wurde massiv hochgefahren, um auf die Behandlung von vielen Verletzten vorbereitet zu sein. Wegen des Brandes und der starken Rauchentwicklung wurden Beatmungsbetten organisiert oder Operationssäle und -teams vorbereitet. Letztlich war es ja Gott sei dank unnötig.“

Stadtgespräch: die Rauchsäule über Kelheim Fibres Foto: Forster
Stadtgespräch: die Rauchsäule über Kelheim Fibres Foto: Forster

Die Anspannung in der Kreisstadt war greifbar, löste sich für die Bevölkerung schließlich aber gegen 14 Uhr, als das Polizeipräsidium Niederbayern mitteilte, „dass der Brand unter Kontrolle ist und keine Gefahr mehr für die Bevölkerung besteht. Fenster dürfen ab sofort wieder geöffnet werden.“

Vor Ort blieb die Lage angespannt. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, weil Teile der Halle aufgrund des Brandes als einsturzgefährdet galten. Letztlich konnte der Brand bis auf einige Glutnester gelöscht werden. Die Brandwache und die restlichen Löscharbeiten werden von der Werksfeuerwehr übernommen. Die Aufarbeitung steht an und es ist zu klären, wie die Produktion weiterläuft. Außerdem verursachte der Brand Schäden in Höhe eines oberen zweistelligen Millionenbetrags.

Für Bürger, die wegen der Straßensperrungen nicht zum Wahllokal kommen, wurde ein Bürgertelefon eingerichtet.

Es ist nicht das erste Großbrandereignis im Landkreis Kelheim: 2016 war am Hafen nach einer Verpuffung eine Lagerhalle in Flammen aufgegangen. Im Sommer war es bei der Raffinerie Bayernoil in Vohburg zu einer Katastrophe gekommen. Die Auswirkungen spüren die Mitarbeiter im Schwesterwerk in Neustadt an der Donau bis heute.

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