mz_logo

Region Kelheim
Sonntag, 19. August 2018 32° 3

Artenschutz

Fischbesatz zum Anfassen

Drei Fischereivereine zeigen in Kelheim der Öffentlichkeit ihre Bemühungen für die Artenvielfalt in den heimischen Gewässern.
von Renate Beck

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Unterwasser-Bewohner ausnahmsweise mal „an Land“ kennenzulernen. Foto: Beck
Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Unterwasser-Bewohner ausnahmsweise mal „an Land“ kennenzulernen. Foto: Beck

Kelheim.Auf großes Interesse stieß der Kreisfischereiverein Kelheim (KFV) bei seiner Auswilderung mehrerer Tausend Fische in die Donau bei Weltenburg. Was sich bisher im Verborgenen abspielte, wurde vergangenen Samstag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der KFV, der Altmühlfischereiverein Riedenburg und die Neustädter Fischerfreunde präsentierten dabei auch ihre Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt.

KFV-Vorsitzender Manfred Beck begrüßte dazu Landrat Martin Neumeyer sowie Vertreter aus Bezirks- und Landesebene. Thomas Funke vom Landesfischereiverband Bayern sprach dem Fischereiverein für die Organisation dieses Infotages seinen Dank aus. „In Bayern stehen fast 80 Prozent der heimischen Fischarten auf der Roten Liste.“ Er freute sich über Aktionen der Fischer, eigene Fische nachzuzüchten, etwa in der KFV-Aufzuchtstation Essing.

„Die Weinigsten wissen, welchen Naturschutz die Fischer betreiben“ – diese Aussage vom KFV-Vorsitzenden bestätigten mehrere erstaunte Besucher.

Bagger hilft Bachforelle

Für Ludolf Wasner, Vorstand vom Riedenburger Nachbarverein, ist die Arbeit um den Fischbestand genauso wichtig. Er sagte: „Fischen selbst ist der kleine Anteil an unserem Hobby. Der Hauptteil ist, die Artenvielfalt zu erhalten.“ An der Infotafel erklärte er mit Vereinsmitgliedern Arbeiten für einen Kieslaichplatz bei Schambach: „Bachforellen pflanzen sich normalerweise selbstständig fort. Sie schlagen dazu zur Eiablage mit ihren Flossen die Laichgrube frei.“ Ist aber der Bodengrund zu fest, werden ihre Flossen verletzt. Deshalb hat ein Bagger den Kiesbereich umgewandelt. „Segmente werden dabei herausgespült und neuer Kies eingebracht.“ Bereits nach zwei Tagen haben sich Forellen zum Laichen eingestellt.“ Das Monitoring zur Kontrolle zeigte Erfolg: „Wir haben sehr guten Nachwuchs.“ Man konnte damit auch neuen Lebensraum für Steinbeißer und Mühlkoppe schaffen.

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Unterwasser-Bewohner ausnahmsweise mal „an Land“ kennenzulernen. Foto: Beck
Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Unterwasser-Bewohner ausnahmsweise mal „an Land“ kennenzulernen. Foto: Beck

Erhard Garbe, Vorstand Neustädter Fischerfreunde, zeigte mit seinen Vereinskollegen deren Maßnahme zu gesundem Fischnachwuchs: Huchenzucht vom Ei zum Fisch. „Wo der Fisch geschlüpft ist, soll er auch bleiben“ ist deren Meinung. Sie zeigen dabei auf eine Brutbox, die aussieht, als solle sie in der Donau schwimmend Getränke kühlen. „10 000 Eier von Bachforellen und Huchen können wir darin unterbringen.“ Verankert schwimmen sie auf der Wasseroberfläche. Sauberes Wasser umspült die Eier bis zur Brutentnahme. Im Gegensatz zu den vom KFV eingesetzten Brutröhren muss man dabei nicht hüfthoch ins kalte Wasser steigen, sondern kann sie ans Ufer ziehen und die Brut entnehmen. Mit einem Erfolg von 90 Prozent könne man sie – wie vor drei Wochen – geschehen in Donau und Ilm einsetzen.

Die Gebietsbetreuerin der Weltenburger Enge, Franziska Jäger, war mit einem Infostand vertreten. Mit einem Uhu und einem Eisvogel an ihrer Seite sprach sie über Projekte und Veranstaltungen des Landschaftspflegeverbands Kelheim. Sie berichtete, dass über 300 Tierarten in der Weltenburger Enge streng geschützt sind. „Da gehören auch die Fische dazu.“

Vom Boot aus ins Wasser

Während die Ehrenamtlichen an den Infoständen den Besuchern ihre Arbeiten erklärten, wurden die angelieferten Äschen, Huchen, Forellen und Sterlet in die Donau ausgewildert. Freiwillige Helfer trugen sie in Behältern den Kiesstrand entlang hinunter ans Ufer. Vom Boot aus wurden sie flussauf- und flussabwärts in kleinen Grüppchen im fließenden Wasser verteilt. Das Kiesbett in der schnellfließenden sauerstoffreichen kühlen Donau ist der ideale Lebensraum für sie. In kleinen Gruppen eingebracht können sich die jungen Neuankömmlinge hier gut vor ihren Fraßfeinden verstecken und vermehren. „Wir können nicht schützen ohne zu nutzen. Ohne finanzielle Mittel ist das nicht möglich“ erklärte der KFV- Vorsitzende Manfred Beck. „Den Fischbesatz bezahlt zu 100 Prozent der Fischereiverein durch seine Mitgliedsbeiträge und den Verkauf von Fischerei-Erlaubnisscheinen“.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht