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Region Kelheim
Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Bilanz

Flaute an Bord, Boom an Land

Der Kelheimer Hafen macht sein Kerngeschäft längst im Speckgürtel. Nun erhalten seine Finanziers ordentlich was zurück.
Von Martina Hutzler

Autos in Reih’ und Glied prägen das Kelheimer Hafengebiet. Ein Teil soll jetzt auf Stellplätze weiter draußen umziehen, unter anderem auf eine neue Fläche bei der Kläranlage (Pfeil). So soll Platz an den Kais frei werden für das, was einen Hafen ausmacht: Schiffsgüter-Umschlag. Luftbild: Dr. Satzl
Autos in Reih’ und Glied prägen das Kelheimer Hafengebiet. Ein Teil soll jetzt auf Stellplätze weiter draußen umziehen, unter anderem auf eine neue Fläche bei der Kläranlage (Pfeil). So soll Platz an den Kais frei werden für das, was einen Hafen ausmacht: Schiffsgüter-Umschlag. Luftbild: Dr. Satzl

Kelheim.Die Bilanz der Häfen im Landkreis glänzt – aber der klassische Hafenbetrieb schwächelt. Die Grundstücks- respektive Immobilienerlöse des Hafen-Zweckverbands (HZV) sind mittlerweile fast vier Mal so hoch wie die Erlöse aus Hafen-, Bahn- und Kranbetrieb im Hafen Kelheim/Saal und an der Güterlände Riedenburg. Dem will der HZV entgegen wirken – unter anderem mit noch mehr Grundstücken.

Grundstücke sind längst das Kerngeschäft

Den Hafen Kelheim umgibt ein Auto-Gürtel des Logistikers BLG. Und der Gürtel soll noch breiter werden. Die Stadt Kelheim und die Gemeinde Saal schaffen auf Antrag des HZV gerade Baurecht für zwei neue Flächen: knapp 1,5 Hektar auf Saaler Gebiet, zwischen Kläranlage, B16-Abfahrt Altmühltal und Kreisstraße KEH 38; dazu rund 4,3 Hektar im Kelheimer „Hopfenfeld“, angrenzend an bestehende BLG-Stellplätze und die Asylbewerber-Unterkunft. Die im Übrigen auch der HZV erbaut hat und für die ihm der Staat als Pächter nun 336 000 Euro Erlös jährlich überweist.

Autos in Reih’ und Glied prägen das Kelheimer Hafengebiet. Ein Teil soll jetzt auf Stellplätze weiter draußen umziehen, unter anderem auf eine neue Fläche bei der Kläranlage (Pfeil). So soll Platz an den Kais frei werden für das, was einen Hafen ausmacht: Schiffsgüter-Umschlag. Luftbild: Dr. Satzl
Autos in Reih’ und Glied prägen das Kelheimer Hafengebiet. Ein Teil soll jetzt auf Stellplätze weiter draußen umziehen, unter anderem auf eine neue Fläche bei der Kläranlage (Pfeil). So soll Platz an den Kais frei werden für das, was einen Hafen ausmacht: Schiffsgüter-Umschlag. Luftbild: Dr. Satzl

Mit den zwei neuen Hafen-Erweiterungsgebieten kämen zu den bislang 26 000 Auto-Stellplätzen im und ums Hafengebiet knapp 3000 neue hinzu. Ein Teil soll aber dem Umschichten dienen, erklärt HZV-Geschäftsführer Herbert Engl: Der Auto-Logistiker BLG brauche keine Flächen direkt am Kai. Er soll dort Platz freiräumen für andere Firmen, die Schiffsverkehr generieren, so der HZV-Plan.

Kein Schiff wird kommen? Das soll sich ändern

Denn „ein Hafen ist nur ein Hafen, wenn’s ein Hafen ist“, formulierte es Verbandsvorsitzender Landrat Martin Neumeyer in der HZV-Beiratssitzung. Ihn treibt um, dass der Transport zu Wasser rückläufig ist. Beklagt hat der HZV das in Briefen an MdB Florian Oßner und Europa-Abgeordneten Manfred Weber. Denn das Wasser wäre zu verstopften Straßen die Alternative für Massengüter, die es nicht so eilig haben: Holz, Getreide, Kohle, Sand etwa.

Die Realität sieht anders aus in Kelheim und Riedenburg: Vor zehn Jahren ankerten noch fast 1300 Schiffe, voriges Jahr nur 464. Ein Tiefststand, an dem auch eine mehrwöchige „Eiszeit“ am Kanal Schuld hat. Entsprechend ist der Güterumschlag per Schiff gesunken: von über einer Million Tonnen zu Spitzenzeiten auf aktuell knapp 384 000 Tonnen.

Der Güterumschlag an den Hafen-Kais soll ausgebaut werden. Foto: Hutzler
Der Güterumschlag an den Hafen-Kais soll ausgebaut werden. Foto: Hutzler

Bayernweit indes stieg der Güterumschlag der Binnenschifffahrt von 2016 auf ’17 um zehn Prozent, meldet das Statistische Landesamt. Der Hafen Straubing-Sand steigerte sich sogar um 28 Prozent. Andere Häfen, andere Voraussetzung, antwortet Kelheims Hafenchef Herbert Engl. Regensburg etwa habe viel „Leichter-Verkehr“: Dort müssen, bei niedrigem Donau-Wasserstand, flussabwärts fahrende Schiffe einen Teil ihre Ladung abladen. Diese Art von Güterumschlag „wollen wir in Kelheim gar nicht unbedingt haben“, so Engl.

Neidischer blickt er nach Straubing: Die industrielle Ölmühle im Hafen verarbeitet Riesen-Mengen Rapssaat zu Nahrungsmitteln, Biodiesel, Industrieprodukten. „Das wär’ natürlich auch was für uns – aber dafür bräuchten wir einen zweite Etage im Hafen“, seufzt Engl mit Blick auf die restlos belegten HZV-Flächen.

Bahn-Nutzern fehlt der Platz zum Rangieren

Auch die Bahn schwächelte 2017: Rund 82 000 Tonnen betrug der schienen-seitige Güterumschlag – 2016 waren es noch 116 000 Tonnen. Zwar schwankt die Menge immer, abhängig davon, wieviel eigenes Schotter-Recyclingmaterial die Bahn zu transportieren hat, erklärt Engl. Doch der Schienenverkehr stoße längst an Kapazitätsgrenzen. Einen Ganzzug – das sind 20 Waggons – könne man im Hafen nicht an einem Tag be- oder entladen, „sechs bis zehn Waggons pro Tag sind machbar“. Also sind Abstellgleise nötig, „und da sind wir am Limit“. Zumal sich jetzt sogar der A3-Autobahnausbau auswirkt, schildert Engl.

Denn wegen der dafür nötigen Brückenbauarbeiten kann ein Teil des Regensburger Güterumschlags-Bahnhofs nicht genutzt werden. Als Ausweich-Gleis nutzt die DB Cargo offenbar auch die 2014 reaktivierte Stichstrecke neben „Kelheim Fibres“, erfuhr der HZV kürzlich. Als Rangiergleis für den Hafen fällt die Strecke damit wohl für vier Jahre weg. Eine MZ-Anfrage dazu blieb von der Bahn bislang unbeantwortet. „Eventuell können wir ein Gleis im Bahnhof Saal besser nutzen, wenn dort eine neue Weiche eingebaut würde“, ergänzt Herbert Engl.

Aus der Verbandssitzung

  • Ausgebucht:

    Der Hafen-Zweckverband hat sämtliche verfügbare Grundstücke – 48,5 Hektar – verpachtet. An der Lände Riedenburg wurde jetzt das letzte Areal vermarktet.

  • Ausgedehnt:

    Im Mai ist Baubeginn für das neue Areal für die Firma BLG bei der Saaler Kläranlage geplant. Den Auftrag für den Humusabtrag will der Zweckverband demnächst vergeben.

  • Ausgebaggert

    werden muss eine ein Meter dicke, „stichfeste“, schadstoffbelastete Schicht Schlamm am 180 Meter langen Kai der Güterlände Riedenburg. (hu) Fotos: Dr. Satzl (2), ik

2017 endet mit sattem Gewinn und einem warmen Geldregen

Trotz derlei Widrigkeiten endete das HZV-Geschäftsjahr 2017 erfreulich, mit 668 000 Euro Gewinn. Und aus dem Finanzpolster des Verbands genehmigen sich die „Gründungsmitglieder“ des Kelheimer Hafens eine Teilrückzahlung ihrer Umlagen, mit denen sie einst den Hafen aufbauen halfen. Von der Brutto-Million erhält der Landkreis 590 000 Euro, die Stadt Kelheim 168 000, Saal 84 000 Euro. Riedenburg geht leer aus, weil die Stadt erst später zum HZV kam. Der Fiskus nimmt 160 000 Euro – trotzdem waren die Beiräte erfreut. „Für den Kreis Kelheim ist der Hafen- der erste Zweckverband, der spürbare Rückzahlungen leistet“, lobte Verbandsbeirat und Kreisrat Sebastian Hobmeier.

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