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Folgenreiche Annäherung

Eine Infektion mit dem Corona-Virus hat weitreichende Folgen – für Betroffene und Kontaktpersonen
Von Martina Hutzler

Telefonieren ist in Sachen Corona derzeit eine Hauptaufgabe im Landratsamt – ob hier am Bürgertelefon oder beim Ermitteln und Informieren von Kontaktpersonen durch das Gesundheitsamt. Foto: Rutrecht/Archiv
Telefonieren ist in Sachen Corona derzeit eine Hauptaufgabe im Landratsamt – ob hier am Bürgertelefon oder beim Ermitteln und Informieren von Kontaktpersonen durch das Gesundheitsamt. Foto: Rutrecht/Archiv

Kelheim.Rund 430 Menschen im Kreis Kelheim haben sich seit Anfang März mit dem neuen Corona-Virus infiziert. Das hat aber nicht nur für sie Folgen, sondern auch für Menschen, mit denen sie kurz vor und seit der Erkrankungen in Kontakt waren. Auch von diesen „Kontaktpersonen“ bekommen viele dann einen folgenreichen Anruf vom Gesundheitsamt.

Seit dem allerersten Patienten im Landkreis – der am 9. März vom Landratsamt vermeldet wurde – läuft bei jedem positiv Getesteten das selbe Prozedere im Gesundheitsamt an: das vorgeschriebene „Kontaktpersonen-Management“. Das schildert der Leiter dieser staatlichen Behörde, Dr. Alexander Werner.

Dr. Alexander Werner leitet das Kelheimer Gesundheitsamt. Über Arbeitsmangel kann er derzeit wahrlich nicht klagen.  Foto: Hutzler
Dr. Alexander Werner leitet das Kelheimer Gesundheitsamt. Über Arbeitsmangel kann er derzeit wahrlich nicht klagen. Foto: Hutzler

Beim Infizierten selbst ist ja klar, dass er oder sie für seine Mitmenschen ein Infektionsrisiko darstellen würde und deshalb – egal ob krank oder beschwerdefrei – in Quarantäne muss. Aber was Corona zur Pandemie werden ließ: Es überträgt sich, vor allem via Tröpfcheninfektion, auf andere Menschen sehr leicht und vor allem sehr früh; geschätzt schon zwei, drei Tage, bevor ein Infizierter Symptome hat. Um die Ausbreitung des Virus’ zu stoppen, müssen deshalb auch potenziell Infizierte ausfindig gemacht werden.

Telefonieren ist in Sachen Corona derzeit eine Hauptaufgabe im Landratsamt – ob hier am Bürgertelefon oder beim Ermitteln und Informieren von Kontaktpersonen durch das Gesundheitsamt. Foto: Rutrecht/Archiv
Telefonieren ist in Sachen Corona derzeit eine Hauptaufgabe im Landratsamt – ob hier am Bürgertelefon oder beim Ermitteln und Informieren von Kontaktpersonen durch das Gesundheitsamt. Foto: Rutrecht/Archiv

Jeden, der positiv getestet wurde, befragt deshalbdas Gesundheitsamt vor allem, mit wem er Kontakt hatte – zurück bis zwei Tage vor den ersten Covid-19-Symptomen.

Kontaktzeit ist entscheidend

Hatte man mindestens 15 Minuten „Gesichts-Kontakt“ – zum Beispiel ein direktes Gespräch, oder man wohnt zusammen – oder Kontakt zu Körperflüssigkeiten, etwa bei der Körperpflege, gilt das als Kontakt der Kategorie 1.

Bei diesen Personen ist das Risiko hoch, dass der Infizierte sie angesteckt hat. Deshalb muss das Gesundheitsamt jeden einzelnen ausfindig machen und anrufen: Er oder sie wird unmittelbar in häusliche Quarantäne geschickt.

Quarantäne

  • Vorgabe:

    Kontaktpersonen der Kategorie 1 müssen, wie Infizierte auch, in Quarantäne. Dies wird per Bescheid durchs Gesundheitsamt angeordnet, auf Basis des Infektionsschutz-Gesetzes

  • Folge:

    In Quarantäne darf man die eigene Wohnung respektive das Grundstück nicht verlassen, keinen Besuch bekommen; man muss sich von anderen Haushalts-Angehörigen separieren, zwei Mal täglich Fieber messen, seinen Gesundheitszustand per Tagebuch protokollieren.

Danach frägt das Gesundheitsamt praktisch täglich ab, wie es einem geht – die Behörde kontrolliert mit dem Anruf gleichzeitig das Einhalten der Quarantäne.

Gerade die Erstinformation von Kontaktpersonen sei kein leichter Anruf, schildert Amtsleiter Werner: Betroffene haben oft viele Fragen und Sorgen; von jetzt auf gleich zuhause festzusitzen stellt viele Betroffene zum Beispiel beruflich vor Probleme.

Verlängerung droht

Als Damokles-Schwert droht zudem, dass sich die Quarantäne verlängert. Etwa wenn sich in einem Haushalt zwar der Infizierte isoliert, aber später trotzdem ein weiteres Familienmitglied erkrankt: Dann startet für alle im Haushalt die 14-tägige Quarantänezeit von vorn.

Der behördliche Aufwand fürs tägliche Ermitteln und Anrufen von Infizierten und Kontaktpersonen steigt daher noch steiler als die Corona-Fallzahlen selbst. Trotzdem sei das Management bislang lückenlos, meldet Dr. Werner nicht ohne Stolz: mit bislang 400 Infizierten und 670 Kontaktpersonen in Quarantäne. Dafür wurde das Gesundheitsamt um zehn auf 30 Mitarbeiter aufgestockt. Demnächst werden weitere 30 dazukommen.

So stellt sich aktuell die Corona-Lage im Kreis Kelheim dar:

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