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Polit-Brunch

„Frauen, wählt Frauen!“

Kelheims Kreis-Gleichstellungsbeauftragte und der Frauenbund luden Frauen zum Dialog, um Lust auf Politik zu wecken.
Von Heike S. Heindl

Politikerinnen und Organisatoren begeisterten mit persönliche Erfahrungen zum Thema Politik. Foto: Heike S. Heindl
Politikerinnen und Organisatoren begeisterten mit persönliche Erfahrungen zum Thema Politik. Foto: Heike S. Heindl

Kelheim.Frauen motivieren, zur Wahl zu gehen oder selber zu kandidieren, aber auch Frauen zu wählen – das war das Thema am Samstagmorgen, zu welchen die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Kelheim Gabi Schmid und die Frauenbund Kommission des Diözesanverbandes Regensburg Elisabeth Lammel-Kargl und Anneliese Röhrl geladen hatten.

Rund 50 Frauen folgten der Einladung zum Polit-Brunch, und verfolgten mit großem Interesse das Referat von Prof. Ursula Münch. Sie ist Professorin für Politikwissenschaft und leitet seit 2011 die Akademie für Politische Bildung in Tutzing, eine vom Bayerischen Landtag gegründete, überparteilich arbeitende Anstalt des öffentlichen Rechts. Sie informierte umfangreich zum Thema Frauen und Wahlen.

Persönliche Erfahrungen

Für Marianne Wenisch war es das erste Mal, dass sie einen politischen Vortrag, besuchte. „Ich bin beim Frauenbund und Gemeinderat tätig. Oft braucht man einen breiten Rücken, aber da hat mir der Frauenbund weitergeholfen. Hier kann man auch das Reden lernen, um überzeugender zu sein.“

Sehr interessant waren die Erfahrungsberichte von den Vertreterinnen der Politik. Hier berichteten die CSU- Landtagsdirektkandidatin Petra Högl, Grünen-Bezirkstagskandidatin Dagmar Günther, SPD-Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer und CSU-Bezirksrätin Hannelore Langwieser, wie sie den Weg in die Politik fanden, welche Hürden sie überwinden mussten und was die bittersten Niederschläge waren.

Politikerinnen und Organisatoren begeisterten mit persönliche Erfahrungen zum Thema Politik. Foto: Heike S. Heindl
Politikerinnen und Organisatoren begeisterten mit persönliche Erfahrungen zum Thema Politik. Foto: Heike S. Heindl

Auch Ida Hirthammer aus Kirchdorf meldete sich zu Wort: „Als einzige Frau im Gemeinderat ist es oft nicht leicht, aber wir Frauen müssen uns das zutrauen! Ich war zuerst im Gartenbauverein, dann im Kindergarten ehrenamtlich tätig und später wollte ich unbedingt einen Bauausschusssitz, und ich hab’ ihn auch bekommen. Und eines habe ich gelernt“, betonte sie. „Nach der Sitzung kommt die wichtigste Sitzung – nämlich die im Wirtshaus, denn hier werden viele Entscheidungen getroffen. Traut’s Euch – das kann Jede!“

Dr. Gudrun Weida warf ein Lob für den Landrat dazwischen: „Er hat immer geschaut, dass Frauen angemessen vertreten sind.“

Familie als wichtiger Halt

„Das Wichtigste für mich ist eine starke Familie, die hinter mir steht, das gibt mir Kraft und Stärke und deshalb möchte ich mich auch für andere Familien einsetzen“, berichtet Petra Högl voller Stolz. Wie Högl startete auch Dagmar Günther mit 18 Jahren in die Politik. Hannelore Langwieser ist Späteinsteigerin und betont die gegenseitige Wertschätzung zwischen den Parteikolleginnen. Ihr größter Triumph war der Einzug, als „No Name“ in den Mainburger Stadtrat. Für Johanna Werner Muggendorfer war die Wahl von 1972 ein großer Antrieb, die Willy Brandt Zeit.

Aber eines haben alle gemeinsam: Die ehrenamtliche Arbeit im Vorfeld. „Politik ist nicht das einfachste Geschäft, aber es lohnt sich als Frau“, bemerkt Elisabeth Lammel-Kargl am Ende, „Männer sagen nicht, das kann ich nicht, das sagen nur Frauen! Also traut Euch!“

Das sagen die Besucherinnen

Brigitta Becke Foto: Heike S. Heindl
Brigitta Becke Foto: Heike S. Heindl

Brigitta Becke aus Kelheim: „Ich höre mir gerne Politik an, egal um welche Partei, es sich handelt. Aber ich frage mich jetzt, wenn sich die Damen aus den verschiedenen Parteien so gut verstehen, warum es der großen Politik nicht gelingt und die für eine Bildung der GroKo ewig brauchen. Das ärgert mich, darüber könnte ich mich aufregen. Das, was die politisch engagierten Damen hier schaffen, sollte sich nach oben fortsetzen.“

Dagmar Kellner Foto: Heike S. Heindl
Dagmar Kellner Foto: Heike S. Heindl

Dagmar Kellner aus Abensberg: „Mein absoluter Appell richtet sich an alle Frauen, dass sie mehr Mut haben, um sich politisch zu engagieren. Das geht stückchenweise und beginnt beim Ehrenamt. Ich selber bin im Pfarrgemeinderat, in der Führung im Frauenbund und Vorsitzende des Frauenbunds-Bezirks Neustadt und war auch schon Stadtratskandidatin. Politik ist spannend, vor allem wenn man aktiv mitwirken kann.“

Bettina Danner Foto: Heike S. Heindl
Bettina Danner Foto: Heike S. Heindl

Bettina Danner aus Biburg: „Mir haben heute ganz besonders die Politikerinnen gefallen, denn sie haben mit vollem Herzblut gesprochen. Ich selber bin beim Frauenbund, Seniorenbeauftragte, im Helferkreis, Gemeinderätin und Pfarrgemeinderätin tätig. Da bleibt kaum mehr Raum, um mich enger politisch zu engagieren, aber ausschließen möchte ich es nicht. Wählen ist für mich sehr wichtig. Auch das Mitgestalten spielt für mich eine Rolle. Schade, dass sich so wenig Frauen für die Politik interessieren.“

Marie-Theres Reisinger Foto: Heike S. Heindl
Marie-Theres Reisinger Foto: Heike S. Heindl

Marie-Theres Reisinger aus Kelheim: „Diese Veranstaltung war für mich sehr interessant. Die Vorstellung der hiesigen Damen aus der Politik fand ich sehr motivierend. Die Worte gaben Stärke, um sich zu trauen und nicht immer den Männern den Vortritt zu lassen. Ich selber studiere in Regensburg Lehramt und bin dort in der RCDS. Hier beschäftigen wir uns vor allem mit Hochschulpolitik und auch normaler Politik. Den Vortag von Frau Dr. Münch fand ich beeindruckend.“

Das sagt die Referentin

Prof. Ursula Münch Foto: Heike S. Heindl
Prof. Ursula Münch Foto: Heike S. Heindl

Im Referat war immer wieder zu hören, dass in den skandinavischen Ländern der Anteil von Frauen in der Politik bedeutend höher ist. Warum?

Im Norden sind die Rahmenbedingungen andere. Die gesamt politische Kultur ist stärker gemeinschaftsorientiert. Vieles wird in diesen Ländern politisch geregelt, so auch die Quotenregelung. Die Aufteilung zu 50 Prozent für Frauen und Männer ist dort Normalität. Man hat nicht darauf gewartet, dass sich etwas von selbst regelt, sondern man hat es politisch geregelt.

Wie steht es mit dem Anteil der weiblichen Abgeordneten im Bundestag und im Bayerischen Landtag?

Der Frauenanteil liegt im Bayerischen Landtag immer niedriger als im Bundestag. Bei kommunalen Vertretern liegt er zwischen 20 und 42 Prozent. Bayern liegt dabei mit 26 Prozent im hinteren Mittelfeld. Bei den Landräten sind es sogar nur 5,6 Prozent.

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