MyMz
Anzeige

Geschichte

Fritz leitet die Heeresreform ein

Die Legio III. Italica stellt sich für die Römertage in Eining neu auf. Sie kommt als spätantike Truppe.
Von Jochen Dannenberg

Die Legio III. Italica unter Leitung von Fritz Steindle stellt sich für die Römertage in Eining neu auf. Sie kommt als spätantike Truppe. Foto: Steindle
Die Legio III. Italica unter Leitung von Fritz Steindle stellt sich für die Römertage in Eining neu auf. Sie kommt als spätantike Truppe. Foto: Steindle

Eining. „In einigen Wochen ist es wieder soweit, die Römer kehren nach Abusina zurück.“ Fritz Steindle freut sich. Der Chef der „Legio III. Italica“ kann es kaum noch abwarten bis zum dritten Wochenende im August. Dann findet im ehemaligen Römerkastell Abusina in Eining nämlich wieder das Römerfest „Salve Abusina“ statt. Für Fritz Steindle ist es ein Höhepunkt des Jahres, denn die Veranstaltung ist nicht nur das größte Fest des antiken Roms im süddeutschen Raum, Steindle und seine Kameraden von der Legio III. Italica werden bei „Salve Abusina“ mitwirken. Dieses Jahr treten Steindle und Co. nicht mehr als klassische Legio III. Italica aus dem zweiten Jahrhundert, sondern als eine Gruppe aus spätrömischer Zeit auf.

Neues Erscheinungsbild

Steindle erklärt: „Es handelt sich damit um das 4. bis 5. Jahrhundert. Unsere Legio trug zu dieser Zeit den Beinamen ‚Tertia. LEG. III. Italica-Tertia’.“ Deutlich wird das auch an der Kleidung der Legionäre. „Es handelt sich um ein ganz anderes Erscheinungsbild, als man sich so einen Römer sonst vorstellt“, sagt Fritz Steindle. Die Helme hatten mit einem Mal einen Schutz, der auch die Nase einbezog. Die Schutzschilder waren rund und zur Sicherheitsausrüstung der Legionäre gehörten schuppenartige Panzerungen.

Das Bild zeigt einen römischen Legionär aus dem zweiten Jahrhundert. Auffällig ist, dass das Gesicht des Legionärs noch deutlich zu sehen ist. Das bedeutete, dass das Gesicht nicht so gut geschützt war wie beim Modell aus dem fünften Jahrhundert. Foto: Steindle
Das Bild zeigt einen römischen Legionär aus dem zweiten Jahrhundert. Auffällig ist, dass das Gesicht des Legionärs noch deutlich zu sehen ist. Das bedeutete, dass das Gesicht nicht so gut geschützt war wie beim Modell aus dem fünften Jahrhundert. Foto: Steindle

Das hat Geld, viel Geld gekostet. Legio-Chef Steindle zählt auf: Die Helme für die Gruppe haben 3000 Euro gekostet, die Gürtel pro Person 200 bis 300 Euro, die Tuniken pro Person 120 Euro und die Bemalung pro Schild 200 Euro. Dazu kamen die Kosten für die Panzerungen, Bögen und anderes mehr. Den Männern von der Legio III. war es das wert. Sie wollten sich mit einem anderen Abschnitt der Geschichte der Legionäre beschäftigen.

Geschichte als Erlebnis

Matthias Werner von der Regensburger Veranstaltungsagentur „Stadtmaus“, die die Römertage in Eining auch in diesem Jahr organisiert, kennt das Engagement von Römergruppen wie der Legio III. aus Ingolstadt, deren Mitglieder sich auch aus Neustadt rekrutieren. „Die wollen Geschichte erleben und stellen das Leben der Menschen zurzeit der Antike nach“, lobt er. „Wichtig ist den Gruppen, das Leben möglichst originalgetreu darzustellen. Für die Mitwirkenden ist das eine sehr ernste Angelegenheit. Zugleich ist es ein Unterfangen, das weit über das reine Buchwissen hinaus geht.“

So wie sich die Grenzen des Römischen Reiches veränderten, änderte sich auch die Ausrüstung der Legionäre, die die Macht der Römer militärisch begründeten. Die Veränderung zeigt sich auch beim Helm. Bei späten Modellen ist das Gesicht besser geschützt.  Foto: Steindle
So wie sich die Grenzen des Römischen Reiches veränderten, änderte sich auch die Ausrüstung der Legionäre, die die Macht der Römer militärisch begründeten. Die Veränderung zeigt sich auch beim Helm. Bei späten Modellen ist das Gesicht besser geschützt. Foto: Steindle

Dazu kommen die Erlebnisse bei gemeinsamen Unternehmungen oder wie in letzten zwei, drei Jahren, als man die neue Ausrüstung entwickelte. Das schweißt die Männer von der „Legio III. Italica“ zusammen. Dazu kommen noch andere Motive. So sagt Gerhard Protz, ein Neustädter: „An der Gruppe begeistert mich die Kameradschaft. Wir erleben Sachen, die man normal nicht erleben kann. Zum Beispiel waren wir 2012 mit Studenten der Uni Regensburg auf einem Römerschiff auf der Naab bei Regensburg unterwegs.“

Ursprünglich waren die Schilde der Legionäre rechteckige und nahezu ebene Tafeln. Mit diesen Schilden konnten die Römer auch die Formation „Schildkröte“ bei Kämpfen gegen feindliche Truppen einsetzen.  Foto: Steindle
Ursprünglich waren die Schilde der Legionäre rechteckige und nahezu ebene Tafeln. Mit diesen Schilden konnten die Römer auch die Formation „Schildkröte“ bei Kämpfen gegen feindliche Truppen einsetzen. Foto: Steindle

Hobby-Legionär Steindle erklärt, wie es zur Heeresreform in seiner Truppe kam. Ihn fasziniere das Ende des Römischen Reiches: „Nach der großen Heeresreform in der römischen Armee Ende des dritten Jahrhunderts, wo die Legionen zersplittert wurden und kleinere Einheiten geschaffen wurden, um auf die Übergriffe der Germanen zu reagieren, verlegte man den Limes an die Ufer der Donau. Von nun ab war der Fluss der nasse Limes und bildete die Reichsgrenze in Rätien.“ Weiter sagt er: „Mit Flusskriegsschiffen befuhr man im Linienverkehr die Donau. Übersetzende sowie zurückkehrende Germanenverbände nach Raubzügen im Reichsgebiet brachte man auf und vernichtete diese.“

Kleinere Einheiten

Die Zeit der „Legio III. Italica-Tertia“ steht auch für eine weitere Veränderung. „Die bestehenden Kastelle ließ man offen und nutzte nur noch einen kleinen Teil.“ Das traf auch auf das Kastell in Eining zu. Der Burgus in Eining und den anderen Kastellen wurde damit zum Vorläufer der Burgen im Mittelalter. „Dieses war möglich durch die kleineren Einheiten“, sagt Steindle.

So wurden Teile der Legio zur Nachschubsicherung in den österreichischen Teil des Römischen Reiches sowie noch Oberitalien verlegt. Auch wurden kleinere Einheiten an den Rhein verlegt. Zudem formierte sich die Leibwache des Statthalters in Augsburg aus Legionären der Legio III..

Nicht nur die Grenzen änderten sich, auch die Kriegstaktik der Römer wandelte sich. Im fünften Jahrhundert setzten die Römer kreisrunde Schilde ein. Die Gladiatoren (Nahkampf) nutzten diese Variante schon lange.  Foto: Steindle
Nicht nur die Grenzen änderten sich, auch die Kriegstaktik der Römer wandelte sich. Im fünften Jahrhundert setzten die Römer kreisrunde Schilde ein. Die Gladiatoren (Nahkampf) nutzten diese Variante schon lange. Foto: Steindle

Außerdem dienten inzwischen sehr viele Germanen und Angehörige befreundeter Stämme in der römischen Armee. „Man kann dieses mit der heutigen Fremdenlegion vergleichen“, meint Steindle. „Diese Soldaten brachten ihre Ausrüstung und handwerklichen Fähigkeiten mit. Dieses schlug sich natürlich im Erscheinungsbild der Legionen nieder.“

Einführung des Rundschilds

Das Kettenhemd sowie der Schuppenpanzer waren die Körperpanzerung. Der Schienenpanzer hatte ausgedient. Die Schuppenpanzer, die in verschiedenen Variationen getragen wurden, stammten ursprünglich aus dem vorderen Orient sowie der jetzt gebräuchliche Spangenhelm. „Dieser war schneller und billiger zu fertigen. Das Scutum wurde durch das Rundschild ersetzt und der Gladius durch das Langschwert, die Sparta. Die Bekleidung war mit aufwendigen Verzierungen versehen – Vorläufer der heutigen Rangabzeichen bei den Armeen in unseren Tagen“, erklärt Fritz Steindle zu seiner Heeresreform.

Weitere Berichte aus Neustadt und den Ortsteilen

Frituz leitet die Heeresreform ein

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht