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Nachhaltig

Gegen Plastik – Kunst aus Müll

Im Rahmen der Aktion „Kunstwerkzukunft 2018“ findet mit Gymnasiasten ein ganz besonderes Kunstprojekt statt.
Von Roland Kugler

Viel Spaß hatten die Schüler auf der Schnitzeljagd durchs Kelheimer Museum. Im Sommer wird dann gestaltet. Fotos: Kugler
Viel Spaß hatten die Schüler auf der Schnitzeljagd durchs Kelheimer Museum. Im Sommer wird dann gestaltet. Fotos: Kugler

Kelheim.Wir haben als Kinder unsere Guadl noch einzeln und ohne Verpackung gekauft. Wenn, dann wurden sie in eine Rogl gesteckt, die man wieder hernahm“, erzählte Franz Aunkofer im Archäologischen Museum. Und fragte die Schüler und Besucher, ob sie wissen, was Guadln und eine Rogl sind. „Auch die Bratheringe gab es damals offen. Man musste ein Gefäß mitbringen, um sie zu transportieren.“

„Meere sind voll Plastikmüll“

Aus einem Fass oder Blecheimer, ohne Einzel- oder Umverpackungen aus Plastik, Alu oder Ähnlichem. Die Beispiele des stellvertretenden Kelheimer Bürgermeisters veranschaulichten den Wandel früherer Verpackungs- und Transportmittel zur Einweg-Kaffeekapsel und Coffee-to-go- Wegwerfmentalität der heutigen Zeit. „Auch die Einweckgläser der Mutter wurden jahrzehntelang hergenommen. Heute wirft man leere Gläser in den Container und die Meere sind voll Plastikmüll“, sagte Aunkofer.

Das weiß mittlerweile auch das bayerische Umweltministerium, deshalb hat es die Aktion „Kunstwerkzukunft 2018“ ins Leben gerufen. Um Jugendlichen die Problematik nahe zu bringen und auf kreative Weise Ideen dagegen zu entwickeln, wurde in einem Wettbewerb für jeden Regierungsbezirk ein Kunstprojekt ausgewählt.

Für Niederbayern gewann die Kelheimer Gruppe „Nah-türlich“. Sie besteht aus der Affeckingerin Sabine Perzl und der Ihrlersteinerin Christine Linhard. Die beiden umweltbewussten Biologinnen wollen nicht nur ihren eigenen Kindern, sondern auch anderen eine naturschützende und nachhaltige Lebensweise näher bringen. „Wir machen das selbständig, ohne Auftraggeber oder Anstellung“, sagt Sabine Perzl. „Wir fragen bei Kindergärten oder Schulen an, um junge Menschen für einen schonenden Umgang mit unserer Natur vor Ort zu sensibilisieren. Deshalb auch unser Name Nah-türlich“, erklärt sie ihre Beweggründe.

Der Kunstlehrerin Marion Fochler gefällt die Idee. Sie möchte sie mit Schülern des Donau-Gymnasiums Kelheim verwirklichen. Auch ein namhafter Künstler war schnell gefunden: Martin Wöhrl, ein Cousin von Christine Linhard. Der Münchener Bildhauer war sofort begeistert von dem Projekt: „Meine Kunst entsteht aus Sachen, die andere wegwerfen. Hauptsächlich Holz, vor allem alte Türen. Ich hole sie aus Baucontainern oder alten Abbruchhäusern“, erklärt er dem Publikum seine Arbeitsweise und zeigt beeindruckende Bilder von seinen Werken. Er freut sich, Ende Juli mit Schülern aus verschiedenen Klassen am Donau-Gymnasium zu arbeiten.

An zwei Tage Projekttagen wollen sie zusammen sägen und werken, und aus alten Türen etwas Neues schaffen. „Vielleicht Sitzgelegenheiten für die Schule, etwas das man brauchen kann“, sagt Wöhrl. Was genau entsteht, sollen sich die Schüler dann selbst ausdenken und gemeinsam mit ihm schaffen.

Spannende Zeitreise

Dasselbe Projekt soll anschließend auch in Regensburg stattfinden. Christine Schmidt vom Naturkundemuseum will es mit dem Künstler und Schülern dort ebenso umsetzen. Damit diese sich schon mal ein Bild machen können, wie sich Transport- und Verpackungsmaterialien im Laufe der Zeit verändert haben, machten die Schüler eine Rätselschnitzeljagd durch Museum. Dabei konnten sie sehen, wie es von antiken Tongefäßen über Holzkoffer des 19. Jahrhunderts zum Mikroplastikmüll in unseren Meeren kam. Am kommenden Sonntag findet von 14 Uhr bis 16 Uhr dazu eine Veranstaltung für die Öffentlichkeit im Archäologischen Museum der Stadt Kelheim statt. Unter dem Motto „Ver-packende Ideen“ können Kinder und Erwachsene eine spannende Zeitreise im Museum erleben.

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