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Kommunalwahl

Gegenwind stört ihn nicht

Die SPD hat einen Kandidaten für das Amt des Neustädter Bürgermeisters gefunden. Der ist jung und kämpferisch.
Von Jochen Dannenberg

Neustadts zweiter Bürgermeister Bernhard Rieger (li.) und erster Bürgermeister Thomas Reimer (re:) sind begeistert von ihrem Kandidaten.  Foto: Dannenberg
Neustadts zweiter Bürgermeister Bernhard Rieger (li.) und erster Bürgermeister Thomas Reimer (re:) sind begeistert von ihrem Kandidaten. Foto: Dannenberg

Neustadt. Der SPD bläst der Wind ins Gesicht. Ob zuletzt in Bremen, bei der Europawahl oder im Landkreis Kelheim – die „alte Tante SPD“ steht mit dem Rücken zur Wand. Die Wähler laufen ihr davon, in den Meinungsumfragen kommen die Sozialdemokraten nicht gut weg. Dennoch gibt es in Neustadt einen jungen Mann, der für die SPD bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr um das Amt des Bürgermeisters kämpfen will.

Marcel Prause, 35 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei kleinen Mädchen und SPD-Mitglied, ist der Mann, der für die Sozialdemokraten das Neustädter Rathaus holen will. Die Rückendeckung des SPD-Ortsvereins hat der 35-Jährige, der Gewerkschaftssekretär bei der IG BCE in München ist. Bei der Mitgliederversammlung des Ortsvereins, die vor wenigen Tagen stattfand, wurde Prause für seine Bereitschaft zur Kandidatur und seine Bewerbungsrede mit großem Beifall bedacht. Prause stammt aus einer Neustädter Familie. Sein Vater war hier Internist und Badearzt und schon der Großvater war SPD-Mitglied.

Sein Enkel hat gelernt zu kämpfen. Erst als Jugendvertreter in der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt, später als hauptberuflicher Gewerkschafter. Er weiß deshalb: „Geschenkt wird einem nichts.“ Und um einen Erfolg zu erringen, muss man verhandeln und darf selbst in schwierigen Situationen nicht den Mut verlieren. Das gilt auch für die gegenwärtige Situation der SPD.

Sozialer Ausgleich wichtig

„Nur weil die Zeiten schwierig sind, ist es nicht richtig, die eigenen Überzeugungen über Bord zu werfen“, sagt ern im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Die Sozialdemokratie stehe für ihn für Gerechtigkeit, sozialen Ausgleich, Chancengleichheit, Teilhabe an Gesellschaft und Politik sowie Solidarität. Da habe die Partei auch in jüngerer Zeit Erfolge zu verzeichnen, zum Beispiel bei der Einführung des Mindestlohns aber auch bei Verbesserungen bei den Renten. „Das größte Problem für die SPD“, sagt der 35-jährige, „ist der Umstand, dass sie durchaus Erfolge hat, aber die kriegen sie schlecht verkauft.“

Ein Neustädter

  • Vita:

    Marcel Prause ist 35 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei kleinen Mädchen und SPD-Mitglied. Er arbeitet als Gewerkschaftssekretär für die IGBCE in München. Er stammt aus Neustadt.

  • Entscheidung:

    Wichtig sind ihm die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit. Deshalb durfte auch die Familie mitentscheiden, ob er für das Amt des Bürgermeisters von Neustadt kandidiert.

„Die SPD steht für mich als die Vertretung der Interessen der Arbeitnehmerschaft. Sie hat historisch gesehen das meiste für die Arbeitnehmer erreicht“, sagt er und erinnert an die Einführung des Betriebsverfassungsgesetzes. Ohne dieses Gesetz gebe es die Mitbestimmung im heutigen Sinne nicht. Darauf weise er immer wieder auch als Gewerkschafter in Versammlungen hin. Dennoch weiß auch Marcel Prause, dass ein Teil der Arbeitnehmer inzwischen AfD wählt. Das ärgert ihn, ändert aber nichts an seinem Entschluss, für die SPD in den Ring zu steigen. „Für die soziale Marktwirtschaft steht immer noch die SPD am stärksten da“, sagt er. „Wir müssen was für die Menschen tun und ihnen die besten Möglichkeiten verschaffen.“

Aber dennoch verliert die älteste der deutschen Parteien zunehmend an Einfluss. „Wir sollten erst über Inhalte reden und dann über Personen“, kontert Prause. Und deshalb will er nicht müde werden, den Menschen die Verdienste seiner Partei nahezubringen und zu betonen, „dass das Ende noch nicht erreicht ist“.

Hier sehen Sie eine interaktive Karte zu den Bürgermeisterkandidaten:

Probleme erlebt

Als gelernter Chemikant und Gewerkschafter sieht sich Marcel Prause auf der Seite der Arbeitnehmer. „Ich bin immer in der Industrie unterwegs gewesen. Da kennt man die Probleme der Menschen“, sagt er. Zum Beispiel, wenn es um die Fahrt zum Arbeitsplatz geht. „Die Leute haben keine Lust auf Pendeln“, sagt der 35-Jährige, der derzeit jeden Tag von seinem gegenwärtigen Wohnort Wolnzach nach München pendelt, aber schon seit Monaten nach einer neuen Heimat für seine Familie in Neustadt sucht. „Die meisten wollen gut leben und arbeiten an einem Ort.“ So sieht er denn auch sein Engagement in der Kommunalpolitik nicht als „Antreten in schweren Zeiten“. Kommunalpolitik sei nicht mit dem Betrieb in Berlin gleichzusetzen. Hier gehe es um die Leute. Jedoch könne die SPD auf dem Land genauso wie im Bund ein Korrektiv sein für etwas, was von vielen als ausufernder Kapitalismus empfunden wird.

Und was die GroKo betrifft, erinnert Prause an die Entstehung der Regierung. Die SPD habe zunächst nicht koalieren wollen, dann hatte die FDP jedoch „hingeschmissen“ und schließlich die SPD die Verantwortung übernommen.

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