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Wissen

Geschichte und Geschichten

Ein Kreis von Oberndorfern sucht nach alten Fotos und Postkarten. Auch die dazugehörigen Informationen interessieren.
Von Gabi Hueber-Lutz

Georg Reil (links) und Hans Lederer möchten gemeinsam mit Archivar Dr. Georg Köglmeier die Oberndorfer Vergangenheit bewahren.  Foto: Gabi Hueber-Lutz
Georg Reil (links) und Hans Lederer möchten gemeinsam mit Archivar Dr. Georg Köglmeier die Oberndorfer Vergangenheit bewahren. Foto: Gabi Hueber-Lutz

Bad Abbach.Hans Lederer schmunzelt: „Wenn einer ganz brav gewesen ist, hört man von ihm nichts.“ Besser im Gedächtnis blieben die anderen Geschichten. Diese Erfahrung hat er aus vielen Gesprächen über seinen Heimatort Oberndorf und die Menschen gewonnen. Er sammelt seit vielen Jahren alte Fotos und Postkarten und die dazugehörigen Informationen.

Gemeinsam mit Georg Reil und Dr. Georg Köglmeier liegt ihm sehr am Herzen, dass das Wissen, das noch da ist, nicht verloren gehe. „In vielen Kellern, Dachböden und Abstellkammern lagern noch wahre Schätze“, sind die drei Männer überzeugt. Sie appellieren deshalb an ihre Oberndorfer Mitbürger, Fundstücke für eine Archivierung oder Digitalisierung zur Verfügung zu stellen. Viele dieser Bilder seien dem Verfall preisgegeben, weil sie nicht sachgerecht gelagert werden. Oft ist es aber auch so, dass die jüngere Generation keinen Bezug mehr zu den Menschen hat, die auf den Fotos abgebildet sind, dass sie die Veranstaltungen nicht mehr kennt, bei denen die Bilder aufgenommen wurden, oder auch die Gebäude nicht mehr identifiziert werden. Deshalb sollen die Informationen, die noch verfügbar sind, dokumentiert werden. Dr. Köglmeier leitet das Bad Abbacher Archiv und ist Fachmann, was die sachgerechte Aufbewahrung oder grundsätzlich die Archivierung betrifft.

Das Hobby macht süchtig

Auslöser für den Wunsch, möglichst viele Fotos und Informationen zusammenzutragen, war die riesige Sammlung von Franz Gruber. Mit ihm hat sich Lederer viel ausgetauscht „und dann wird man süchtig“, blickt er zurück. Gruber war lange Jahre an den Rollstuhl gefesselt und hat sich intensiv mit der Geschichte seines Orts auseinandergesetzt und die Bilder verarbeitet.

Die traditionelle Ausstellung in der Oberndorfer Seelenkapelle am zweiten Adventssonntag hatte einen Teil aus der Sammlung des inzwischen verstorbenen Oberndorfers zum Inhalt. Diese Ausstellung führte auch dazu, dass das Rätsel um ein altes Fotos gelöst wurde. Es zeigt ein Haus mit einigen Menschen davor. Doch welches Haus das war und wer hier abgebildet war, das war nicht bekannt.

Vergangenheit

  • Bildmaterial:

    Gesucht werden Landschaftsbilder, Schulfotos, Fotos vom Dorfleben, vom Hochwasser und vom Eisstoß.

  • Bearbeitung:

    Die Besitzer bekommen ihre Fotos selbstverständlich zurück, wenn sie möchten, denn die Bilder werden digitalisiert.

  • Ansprechpartner:

    Dr. Georg Köglmeier, Hans Lederer und Georg Reil. (lhl)

Barbara Berghammer wusste Bescheid. Sie erkannte das Haus, das inzwischen modernisiert wurde, und sie kannte die Menschen. Sämtliche Informationen befinden sich nun im Computer von Hans Lederer, der alle Fotos digitalisiert hat. Klickt er auf das Bild, werden die Namen derer eingeblendet, die auf dem Foto zu sehen sind. „Da sitz’ ich schon ein bisschen dran“, umreißt er ganz bescheiden die vielen Stunden der Beschäftigung mit der Vergangenheit. Auch Postkarten sammelt Lederer. Es sei aber durchaus schwierig, aus Oberndorf etwas zu finden, berichtet er, da es so viele Orte dieses Namens gibt.

Karte an den Lehrer

Auf einer der Karten – sie stammt aus dem Jahr 1916 – hat eine Oberndorfer Schülerin ihrem Lehrer geschrieben, der in den Krieg ziehen musste: „Wie geht es Ihnen im Feindesland? Hoffentlich nimmt der Krieg bald ein Ende“, steht da in sauberer Handschrift zu lesen.

Um den Zweiten Weltkrieg geht es auf einem anderen Foto. Es zeigt das große Hochwasser im Jahr 1941 und sozusagen als Beifang das alte Oberndorfer Schulhaus mit dem Reichsadler zwischen den Fenstern. „Wer weiß, wenn man heute an dieser Stelle kratzen würde, vielleicht käme er wieder zum Vorschein“, mutmaßt Lederer. Nach Abschluss der Sammeltätigkeit soll eine Fotoausstellung veranstaltet werden. Interessierte Bürger sollen die Bilder auch in digitalisierter Form zur Verfügung gestellt bekommen.

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