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Beweidung

Gestatten, wir sind die Neu-Gleislhofer!

Auf Augenhöhe mit der Riedenburger Rosenburg kümmert sich Rotes Höhenvieh ums „Rasenmähen“. Der Tierhalter ist Kallmünzer.
Von Petra Kolbinger

Die Tiere haben ein mahagonirotes Fell. Sie sind genügsam und robust.
Die Tiere haben ein mahagonirotes Fell. Sie sind genügsam und robust. Fotos: Kolbinger

Riedenburger.„Jetzt ist es so weit! Die Neubürger in Gleislhof sind da“, stellte Bürgermeister Siegfried Lösch mit Blick auf die kleine Herde des Roten Höhenviehs fest. Dieses weidet seit wenigen Tagen auf den Höhen des Riedenburger Ortsteils, quasi auf Augenhöhe mit der Rosenburg. Ein knappes Dutzend der kastanienroten Rinder, die schon zu Zeiten der Kelten in der Region gegrast haben sollen, ist mittlerweile vom „Rotviehhof am Jurasteig“ bei Kallmünz ins Altmühltal gezogen. Mit dem Umzug startet die nächste Phase des Erhaltungs- und Weiterentwicklungsprojekts der ökologisch wertvollen Landschaft im Altmühltal namens „Naturschutzprojekt Altmühlleiten“. Das steht unter Federführung des Landschaftspflegeverbandes Kelheim, dem VöF.

Dessen Vertreter, Geschäftsführer Klaus Blümlhuber und Kollege Andreas Frahsek, erläuterten Vertretern der Stadt und einem guten Dutzend interessierter Bürger am Montag in Sichtweite der friedlich grasenden Rindviecher die Grundzüge des Projekts.

Zusammen gefasst geht es primär um den Erhalt der Artenvielfalt auf einstigen Hutungsflächen, die nach dem Krieg aufgegeben worden waren, und nun durch die Beweidung mit Schafen und eben jenen vom Aussterben bedrohten Rindern reaktiviert respektive bewahrt werden sollen. Der Erhalt der alten Rinderrasse, die laut Konrad Wagner vom Fachzentrum Fleischrinderzucht und Mutterkuhhaltung in Schwandorf und Tierhalter Hans Graml „standortangepasst, genügsam, robust und leichtkalbig“ ist, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Schöner Anblick für Touristen

Die attraktiven, nicht sehr großen Rinder leuchten im Licht der untergehenden Sonne mahagonirot – ein schöner Anblick für Einheimische und Urlauber, womit ein weiteres „Nebenziel“ erreicht wäre: eine Bereicherung für den Tourismus in Riedenburg. Außerdem, so die Fachleute, sei die Weidehaltung von Mutterkühen mit Kälbern die natürlichste und tierschutzgerechteste Art der Rindfleischerzeugung.

Der Unterstand, der im Lauf der nächsten Woche auf den fest eingezäunten und mit stromführenden Litzen eingefriedeten Flächen entstehen soll, dient so auch eher der „Beruhigung besorgter Bürger, die menschliche Maßstäbe bei Tieren anlegen“, wie Klaus Blümlhuber in Anspielung auf Probleme in der Vergangenheit anmerkte, als Tierfreunde das Veterinäramt eingeschaltet hatten, woraufhin letzten Endes die Beweidung des Areals durch die Kühe eines ortsansässigen Halters aufgegeben worden war.

Erst acht, später elf Hektar

  • Die alte Nutzungsform

    der Rinderbeweidung im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Altmühlleiten wurde wieder eingeführt.

  • Auf heuer acht, später elf Hektar

    auf dem Gleislhofberg weiden Vertreter des Roten Höhenviehs, einer vom Aussterben bedrohten, alten Rinderrasse, die einst in der Region heimisch gewesen sein soll.

  • Die Ziele liegen

    im Naturschutz, im Erhalt der alten Nutztierrasse, der Produktion hochwertigen Rindfleisches und der Bereicherung des Landschaftsbildes vor Ort.

  • Das Rote Höhenvieh

    ist eine robuste, widerstandsfähige Mittelgebirgsrasse, die ursprünglich bis auf die Kelten zurückgeht. Halter und Besitzer der Tiere ist Familie Graml vom „Rotviehhof am Jurasteig“ aus Kallmünz. (epk)

Jedenfalls sei mit Hans Graml diesmal ein Profi am Start. Alle Maßnahmen seien vorab mit dem Veterinäramt abgestimmt. So habe man eine Wasserleitung verlegt, die die Tiere permanent mit frischem Trinkwasser versorgt und auch einen Unterstand geplant, obwohl der gesetzlich nicht vorgeschrieben sei.

Aktuell sind acht Absetzer auf dem Gleislhofberg – und eine zwölfjährige Kuh mit Kalb, „die für Ruhe in der Herde sorgt“, wie Graml anmerkte. Und es sollen deutlich mehr werden, denn durch die feucht-warme Witterung ist der Aufwuchs auf der heuer acht Hektar großen Fläche, die ab dem nächsten Jahr um weitere drei Hektar erweitert werden soll, üppig – zu üppig für die genügsamen Tiere, wie Graml befand. Zumal in der Vergangenheit Luzerne eingesät worden war, die jetzt von den weidenden Rindern zurück gedrängt werden soll, um seltenen Pflanzen mehr Lebensraum zu verschaffen und von denen gibt es einige, so Frahsek.

„Ungeahnte Schätze“ habe man noch während des Aufstellen des Festzauns entdeckt und einiges ausgezäunt, um es vor Verbiss zu schützen. Zwar sind die harten Klauen der alten Rinderrasse eher an ihrem Heimatstandort in Kallmünz gefragt, doch auch in Riedenburg sind Trittsicherheit, Klauengesundheit und geringe Trittschäden durch die vergleichsweise leichten Rinder von Vorteil. Zwar zeichne sich das Rote Höhenvieh durch „Leichtkalbigkeit“ aus, will heißen: die Kälber kommen in der Regel problemlos und ohne menschliche Unterstützung zur Welt, doch „dass auch mal etwas schief geht, ist in der Natur nicht auszuschließen“, so Graml. Jedoch seien derzeit keine Geburten auf den Weideflächen geplant.

Kollege schaut nach dem Rechten

Weil er darüber hinaus von seinem 40 Kilometer entfernten Standort die Entwicklungen nicht genau im Auge behalten könne, wird sich ein ortsansässiger Landwirt täglich vom Wohlergehen der Herde überzeugen.

Die Weidefläche grenzt an den Wanderweg zwischen Gleislhof und Rosenburg. Zwar war die Stromversorgung nur während des Termins kurzzeitig abgeschaltet, doch ein Bürger wollte wissen, „was passiert, wenn trotzdem einmal jemand die Weide betritt und zu den Tieren geht“. Graml: „Im Normalfall nichts!“ Den Beweis traten die Halterfamilie, die VöF-Vertreter, der Rathauschef samt Kindern und ein paar Interessierte gleich beim Fototermin an und tatsächlich verhielten die Rinder sich bei langsamer Annäherung ruhig und zurückhaltend.

Auf Tuchfühlung: v. li. Josef Fuchs, Konrad Halbig, Therese Helmich, Halterfamilie Graml, Klaus Blümlhuber, Konrad Wagner, Andres Frahsek und Bürgermeister Siegfried Lösch mit den Kindern Niklas und Luna
Auf Tuchfühlung: v. li. Josef Fuchs, Konrad Halbig, Therese Helmich, Halterfamilie Graml, Klaus Blümlhuber, Konrad Wagner, Andres Frahsek und Bürgermeister Siegfried Lösch mit den Kindern Niklas und Luna

Betreten sollte man die Weide, auf der sich Mutterkühe mit Kälbern tummeln, natürlich trotzdem nicht. „Ich fürchte bloß, dass Hunde da reinlaufen und die Rinder beunruhigen oder gar hetzen könnten“, murmelte eine Gleislhoferin, die wusste, dass „der Weg von vielen Hundebesitzern genutzt wird, die ihre Tiere ableinen und einfach laufen lassen.“

Allen stromführenden Zäunen und entsprechenden Warnschildern zum Trotz: hier wird man vor allem auch auf die Vernunft und Rücksichtnahme der Menschen vertrauen müssen, damit das Projekt auf dem Gleislhofberg gelingen kann, so die Erkenntnis. Und dass das Projekt ein Erfolg werden wird, das wünschten sich alle.

Gastronom und Stadtrat Josef Fuchs sah schon den ersten Vertreter des Roten Höhenviehs als Ochs am Spieß enden. Eine Vision, die sich durchaus erfüllen könnte, wie Tierhalter Graml prognostizierte. Mit rund zwei Jahren werden die Rinder geschlachtet. Ein Gedanke, den einige Anwesende dann doch lieber verdrängten, auch wenn sich alle einig waren, dass Rindfleischerzeugung wohl nicht tiergerechter möglich ist.

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