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Kräuter

Gesundes und Schmackhaftes der Natur

Vieles, was in der Kelheimer Wald und Flur wächst und verächtlich als Unkraut abgetan wird, hat Heilwirkung. Oder es verfeinert raffiniert Gerichte.
Von Karin Einsle

Michaela Schlosser zeigt den Wiesenbärenklau. Foto: Einsle

St.Johann.Zu einer Kräutertour trafen sich 20 interessierte Bürger aus St. Johann und Umgebung mit Kräuterpädagogin Michaela Schlosser in der Nähe der Nepomukkapelle.

Gerade in der heutigen Zeit, wo Ernährung gesund sein soll, vielfältig und doch schmackhaft, interessieren sich immer mehr Bürger für essbare Wildpflanzen. Gleich zu Beginn der kleinen Wanderung entdeckte Schlosser eine Distel. Ja, sie ist stachelig – aber sie hilft in der Medizin bei Leberschäden, ein Extrakt aus der Mariendistel wird selbst bei Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen angewandt.

Mädesüß gegen Kopfweh

Dadurch, dass der Frühling recht warm war, konnte die nächste Pflanze, die Kamille, sehr gut wachsen. Die echte Kamille erkennt man an dem typischen Geruch und daran, dass der Blütenboden hohl ist. Man kann die Blüten und auch das Kraut für Tees verwenden. Zum Haltbarmachen wird es bei 40 Grad im Ofen eine Stunde getrocknet.

Als „Un“-Kraut angesehen wird die Melde. Dabei kann man auch sie, die „Gartenmelde“, als Gemüsepflanze, ähnlich wie Spinat verwenden. Ihren Namen verdankt sie ihrem Aussehen, „bemehlt“ sieht sie aus, dabei sind es winzige Haare, die wie Mehl wirken.

Zu den Rosengewächsen, so erklärte Schlosser, gehört das Mädesüß. Vermutlich stammt der Name davon ab, dass man zum Süßen des Weins früher diese Pflanze verwendete „Metsüß“. Man kann die Blüten über eine dunkle Nachspeise streuen, was sehr dekorativ aussieht, oder auch eine Sahne damit verfeinern. Dazu hängt man eine Blüte in die noch flüssige Sahne und lässt sie vor dem Schlagen eine Stunde ziehen. Aber auch gegen leichte Kopfschmerzen soll Mädesüß helfen, da die Pflanze Salicylsäure enthält. Hierzu werden die Blüten und jungen Blätter zu einem Tee zubereitet.

Auch die nächste Pflanze, welche die Gruppe gefunden hatte, hat es in sich: das „Labkraut“. Man unterscheidet hier: das „echte Labkraut“ und das „Wiesenlabkraut“. Die Pflanze enthält das „Enzym Lab“, das auch im Kälbermagen vorkommt und bei der Käseherstellung verwendet wird. So wird der englische Chesterkäse mit dem echten Labkraut hergestellt. Dieses verleiht dem Käse den typischen Geschmack. Die jungen Triebspitzen und die Blüten können für Salate, Wildgemüse, Gelees, Getränke und Süßspeisen verwendet werden. Man nennt dieses Kraut auch „Maria Bettstroh“ – Esel und Ochse ließen laut Legende Maria im Stall dieses Kraut über – und so kam Jesus in diesem duftenden Labkraut zur Welt. Es hat einen aufbauenden Duft und wurde als Duftkissen früher den Müttern ins Wochenbett gelegt.

Aufessen statt ausrotten

Während die Gruppe zum nächsten Haltepunkt ging, erzählte Albert Vollmeier aus Mauern, dass sein Arbeitskollege aus St. Johann bei ihm die Neugierde auf Kräuter und somit auf die Wanderung geweckt hatte. Und auch bei Julia und Sophia (10) war es die pure Neugierde, die sie zu der Gruppe brachte.

Die Naturpädagogin entdeckt einen gefleckten Schierling und warnte: „Dieser ist giftig, eine der wenigen einheimischen Pflanzen, bei der alle Pflanzenteile giftig sind.“ Jedoch hat er einen sehr widerlichen Geruch und warnt dadurch. Er riecht nach Mäuseurin.

Dass der weit verbreitete Giersch auch eine Heilpflanze ist, erfahren die Kräuterkundler als nächstes. Der Giersch hilft bei Gicht und Rheumatismus. Schlosser meint: „Wenn ich es nicht bekämpfen kann, ess ich es auf.“

Damit die nächste Heilpflanze nicht brennen kann, zeigte Schlosser, wie man die Brennnessel zähmt. Das Blatt wird eingerollt und zerrieben. Verzehrt werden kann es als Gemüse wie Spinat oder als Salat genossen werden. Die Brennnessel wächst auf stickstoffhaltigen Boden, daher oft dort, wo Kompost abgelagert wurde oder wo früher das Klohäuschen stand.

Eine Pflanze zeigte die Naturpädagogin noch zum Abschluss, den Wiesenbärenklau: „Ist der Stängl kantig und rauh, ist’s der Wiesenbärenklau“. Der „große Bruder“ dieser Pflanze ist die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau genannt. Sie ist hautschädigend. Schon allein, wenn man an dem Blatt streift, zerstört es die Pigmente in der Haut. Sonne kann dann ungehindert eindringen, es kommt zu Verbrennungen 2. Grades. Deshalb, so warnte Schlosser, gehört diese Pflanze auf keinen Fall dorthin, wo Kinder in der Nähe spielen.

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