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Tradition

Gillamoos-Viehmarkt zieht die Massen an

Insbesondere Geflügel, Hasen und Meerschweinchen sind bei großen und kleinen Besuchern des Markts gefragt. Tierschützer üben allerdings Kritik.
Von Philipp Seitz, MZ

  • Händler Johann Erl zeigt interessierten Viehmarktbesuchern die Hasen und Meerschweinchen, die er zum Kauf anbietet. Foto: Pieknik
  • Adrians neues Meerschweinchen. Foto: Seitz
  • Auch Pferde standen beim traditionellen Gillamoos-Viehmarkt zum Verkauf. Foto: Seitz

Abensberg.Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen, doch auf dem Gillamoos herrscht schon längst emsiges Treiben. Mit einer Zange greift Heribert Hummel ein Paar Weißwürste aus dem heißen Bottich, der auf einer Holzbank vor ihm in die Höhe ragt. Er hat alle Hände voll zu tun, denn die ersten Gäste haben sich bereits kurz nach 6 Uhr im ausgeleuchteten Zelt des Geflügelzuchtvereins eingefunden.

Einer davon ist Andreas Köglmeier, der sich mit seinen Freunden für den Besuch am traditionellen Viehmarkt stärkt. „Jetzt gibt es erst einmal eine Weißwurst, und dann schau ich mir das mal an“, sagt er. Ein paar Meter weiter bereiten sich die Händler schon auf den Viehmarkt vor. Holzstangen werden im Boden befestigt und die Käfige für die Hühner aus den Transportern gehoben. Mit einem dicken Aktenstapel unterm Arm geht Konrad Ettengruber von Stand zu Stand und betrachtet die Tiere. Er ist dafür verantwortlich, dass beim Pferde- und Viehmarkt alles reibungslos abläuft. „Den Viehmarkt gibt es schon so lange, wie es den Gillamoos gibt“, berichtet Ettengruber. „Da hat schon immer ein Markt dazugehört.“

Geflügel verkauft sich gut

Doch der Charakter des Markts hat sich im Lauf der Jahre verändert: „Früher waren Nutztiere gefragt, und ein Landwirt hat sich ein Ochsengespann auf dem Gillamoos gekauft. Das ist heute nicht mehr so.“ Stattdessen finden Hasen, Enten und Meerschweinchen guten Absatz. „Vor zwei Jahren habe ich eine alte Bäuerin getroffen, die sich wahnsinnig gefreut hat, dass sie am Gillamoos Enten kaufen konnte.“ Dass Geflügel begehrt ist, weiß auch Markus Hirsch vom gleichnamigen Geflügelhof. Insgesamt 120 Tiere, vom Huhn über den Gockel bis hin zur Ente, bietet er zum Verkauf an. „Für mich lohnt sich der Besuch jedes Jahr wieder“, sagt Hirsch, der seit vier Jahren nach Abensberg kommt. „Die Leute kommen von weit her, um hier beim Viehmarkt einzukaufen.“

Schnell bildet sich am Stand des Geflügelhofs eine kleine Warteschlange. In Pappkartons wandert das Geflügel schließlich über den Ladentisch. Auch Horst Ertl ist heuer wieder früh aufgestanden, um beim Viehmarkt einzukaufen. „Ich nehme mir jedes Jahr Hühner und Enten mit. Letztes Jahr habe ich gleich 20 Stück gekauft“, erzählt er. Doch nicht nur Geflügel ist gefragt: Adrian ist aus Siegenburg angereist und weiß genau, was er möchte. Er will sich ein Rosettenmeerschweinchen kaufen, sagt er, und deutet auf die leere Transportbox, die er vorsorglich mitgebracht hat. Es soll nicht lange dauern, bis Adrian fündig wird: am Stand von Johann Erl. „Das ist genau das, was ich mir vorgestellt habe“, ist er zufrieden. Der Kaufpreis von zehn Euro ist okay – auch wenn der Opa das Meerschweinchen gerne billiger gehabt hätte.

Pferdehändler ist unzufrieden

Johann Erl ist derweil zufrieden: „Es läuft nicht schlecht“, zieht er nach zweistündigem Markttreiben eine erste Bilanz. Wie die meisten Händler kommt er schon seit vielen Jahren zum Gillamoos. Seit 20 Jahren ist Erl mit von der Partie. Auch der Pferdehändler, der namentlich nicht genannt werden möchte, kommt seit knapp 30 Jahren zum Markt. „Das hat Tradition“, erzählt er. Doch hohe Gewinne könne er beim Viehmarkt nicht erzielen: „Wenn ich ein oder zwei Pferde verkaufe, dann ist das schon viel.“

Doch nicht alle Besucher können dem Viehmarkt Positives abgewinnen: Stefan Weiß von der Tieroase Stefanshof sieht in dem Markt „eine Show“. Die Tiere würden oft unter widrigen Umständen von einem Ort zum anderen gekarrt werden. „Wir fahren deshalb zum Viehmarkt und machen darauf aufmerksam, wenn etwas bei den Tieren nicht passt“, betont Weiß.

Konrad Ettengruber erklärt derweil, dass der Viehmarkt strengen Regeln unterliege. „Und ich bin dafür verantwortlich, dass diese eingehalten werden.“ So sei beim Gillamoos-Markt stets ein Amtstierarzt anwesend und kontrolliere unter anderem den Gesundheitszustand der Tiere. So könne sichergestellt werden, dass die Tiere in einwandfreiem Zustand seien.

Diese Aufgabe übernahm Amtstierarzt Gottfried Arnhofer, der alle Tiere und die Unterlagen der Händler sorgfältig überprüfte. „Im Großen und Ganzen passt es“, resümierte Arnhofer. Kleinere Mängel würden notiert und an das jeweils zuständige Landratsamt weitergeleitet. Händler, die öfters wegen Verstößen aufgefallen sind, würden beim Gillamoos nicht mehr zugelassen. Die Richtlinien sind klar formuliert: „Wenn etwas mit den Tieren nicht stimmt, dürfen diese erst gar nicht ausgeladen werden.“ Oft musste Arnhofer nicht eingreifen. Lediglich den Verkauf von verängstigen Meerschweinchen und nicht geimpftem Geflügel untersagte der Amtstierarzt. Und: „Einer hat sich mit einem Kamel angemeldet. Das würden wir auch nicht zulassen – wir sind hier schließlich kein Zoo.“

Hauch von Streichelzoo

Zumindest einen Hauch von Streichelzoo hat der Viehmarkt aber schon. Besonders die jungen Besucher erfreuen sich an den Pferden und streicheln ihnen durch das Fell.

Für Gillamoos-Urgestein Georg Huber, der an seinem Stand Haushaltsartikel anbietet, ist der Viehmarkt jedes Jahr wieder etwas Besonderes: „Es ist immer schön, auch wenn die Leute dann weniger Zeit für meinen Stand haben.“ Seit 65 Jahren ist Huber schon beim Gillamoos als Händler tätig. „Und vielleicht komm ich auch nächstes Jahr, so Gott will.“

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