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Sonderschau

Goethes Faust auf Achat erzählt

Ab 1. März zeigt Riedenburgs Kristallmuseum, wozu Meister der Edelstein-Gravur fähig sind. Teils sind die Exponate hauchdünn.
von Petra Kolbinger

Die Gestaltung basiert auf den Faust-Illustrationen des Malers und Zeichners Franz Stassen (1869 – 1949). Herzstück der Ausstellung ist die mit 46 x 38 Zentimeter größte beidseitig geschliffene Kamee der Welt, deren Herstellung mehr als 2000 Arbeitsstunden in Anspruch nahm. Fotos: Kolbinger
Die Gestaltung basiert auf den Faust-Illustrationen des Malers und Zeichners Franz Stassen (1869 – 1949). Herzstück der Ausstellung ist die mit 46 x 38 Zentimeter größte beidseitig geschliffene Kamee der Welt, deren Herstellung mehr als 2000 Arbeitsstunden in Anspruch nahm. Fotos: Kolbinger

Riedenburg.Am 1. März öffnet im Kristallmuseum die neue Sonderausstellung „Der kostbare Faust“. Den Inhabern, Sabine und Karl-Heinz Veits, ist es ein Mal mehr gelungen, Exponate der Extraklasse nach Riedenburg zu holen. Die Edelsteingraveur-Meister Hans Dieter und Andreas Roth aus Idar-Oberstein haben in einem jahrelangen Schaffensprozess einen Großkameenzyklus zu Johann Wolfgang von Goethes „Faust I“ und „Faust II“ aus Lagenachat geschliffen.

Ein Jahr lang wird diese Serie, die als eines der filigransten und umfangreichsten Werke in der Geschichte der Steinschneidekunst gilt, in Riedenburg zu Gast sein. Beim Pressetermin anlässlich des Aufbaus der Ausstellung, gewährt Andreas Roth faszinierende Einblicke.

Jahrhundertstein mit 110 Kilo

Gemeinsam mit seinem Vater Hans Dieter, hat Andreas Roth die Szenen aus Goethes „Faust“ aus Lagenachat gearbeitet. Dieses Ausgangsmaterial sieht am Fundort – man möge den uncharmanten Vergleich verzeihen – aus, wie eine Kartoffel. Erst nach dem Spalten und dem Zerschneiden in Scheiben, offenbart der Achat, der in der Regel aus Brasilien importiert wird, seine Qualität.

„Große Stücke ohne Fehler und Einschlüsse sind sehr selten geworden. Mein Vater hat echten Weitblick bewiesen, als er schon vor vielen Jahren alle guten Stücke aufkaufte“, sagt Andreas Roth.

Unter diesen war eines Tages das, was Roth einen „Jahrhundertstein“ nennt: 110 Kilo schwer, und, wie sich beim Schneiden zeigte, von einzigartiger Qualität.

Mehr Impressionen sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Aus Stein wird Schönheit

Dass daraus das Herzstück, des Faust-Zyklus, die Kamee „Faust und kein Ende“, entstand, ist einem Missverständnis zu verdanken. Anstatt eine wässrige Schicht aus dem Jahrhundertstein heraus zu schleifen, wie geordert, schnitt der ausländische Mitarbeiter eines Steinfärbers das gute Stück einfach entzwei.

Nachbar Faust hatte die Idee

Nach jahrelangem Dornröschenschlaf im heimischen Lager, hatte ein Nachbar, Dr. Armin Peter Faust, ein Kunsthistoriker und Berufskollege von Dieter Roth, die zündende Idee. Basierend auf den Faust-Illustrationen des Malers und Zeichners Franz Stassen, schufen Vater und Sohn Roth in über 2000 Arbeitsstunden die mit 46 mal 38 Zentimetern größte beidseitig gravierte Kamee der Welt – „Faust und kein Ende“.

Sieben Kameen zu „Faust I“ und sieben weitere zu „Faust II“ vervollständigen den Zyklus um Goethes Meisterwerk. „Wer nicht zeichnen kann, kann nicht Steinschleifen“, sagt Roth. Und man braucht eine ruhige Hand. „Was weg ist, ist weg!“. Will heißen: abgetragenes Material kann nicht wieder aufgebaut werden.

Jedesmal ein spannendender Moment: Der Rohstein, meist aus Brasilien, offenbart erst beim Öffnen, von welcher Qualität der Lagenachat im Inneren ist. Ein Jahr lang bleiben die Exponate nun in Riedenburg.
Jedesmal ein spannendender Moment: Der Rohstein, meist aus Brasilien, offenbart erst beim Öffnen, von welcher Qualität der Lagenachat im Inneren ist. Ein Jahr lang bleiben die Exponate nun in Riedenburg.

An der dünnsten Stelle ist der Achat von „Faust und kein Ende“ nur mehr zarte 0,8 Millimeter dick. Das Licht fällt von hinten ein und streut milchig auf die Szenerie um den Verführer Mephisto in anthrazitgrauem Achat. „Poliert wird mit Holz und Filz“, beschreibt Roth.

„Zum Schleifen benutzen wir Diamantwerkzeug und wir arbeiten mit einer Kopflupe. 30 Prozent der eingesetzten Werkzeuge stammen aus dem Zahnarzt-Bedarf. Die Schattierungen entstehen durch verschieden starken Abtrag der weißen Lage. Je stärker die darunter liegende graue Schicht hindurch schimmert, desto dunkler erscheint die Stelle.“ Wird ein Motiv aus einem Stein erhaben heraus gearbeitet, nennt das Kunstwerk sich Kamee.

„Der kostbare Faust“

  • Die Sonderausstellung

    „Der kostbare Faust“: wartet ab 1. März im Kristallmuseum auf Bewunderer. Die Serie der 14 Faust-Kameen gilt weltweit als eines der filigransten und umfangreichsten Projekte der Steinschneidekunst.

  • Stolz

    die Ausstellung: Die beiden Inhaber des Kristallmuseums Sabine Scholz-Veits (v.li.) und Karl-Heinz Veits sowie das Ehepaar Andrea und Andreas Roth aus Idar-Oberstein freuen sich auf viele Besucher.

  • Edelsteingraveur-Meister

    Andreas Roth beim Arrangieren seiner Kunstwerke im Kristallmuseum. Mit Bedacht und Handschuhen wurde die Sonderausstellung aufgebaut. Die Presse durfte über die Schulter schauen. (epk)

Beim Intaglio wird das Motiv in den Stein hinein graviert. Und Gemme ist der Oberbegriff für alles, informiert der Edelsteingravur-Meister, der sagt, er habe seine Berufung schon als Kind erkannt und nie etwas anderes werden wollen.

Das Ehepaar Veits hat er vor drei Jahren auf den Mineralientagen in München kennengelernt und versprochen, seine Meisterwerke aus Idar-Oberstein ins Altmühltal zu schicken, damit die Besucher des Kristallmuseums Gelegenheit haben, sich von den meisterhaft und detailreich gearbeiteten Kameen fesseln und begeistern zu lassen.

Graveur macht Lust auf Literatur

Jetzt hat er sein Versprechen eingelöst: vom 1. März an, kann man sich hier Goethes Faust von einer ganz speziellen Seite nähern. Beschreibungen neben den Achatkameen liefern den literarischen Hintergrund zu der gezeigten Szenerie in Stein. Manch einer dürfte beim Betrachten Lust bekommen, sich näher mit der Tragödie des Gelehrten zu beschäftigen – jenem zeitlosen Stoff, den Goethe im Deutschland um das Jahr 1500 ansiedelt. „Da steh’ ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug, als wie zuvor“, lässt Goethe seinen Faust sagen. Weit mehr als dieser weltbekannte Ausspruch, wird den Besuchern der Sonderausstellung im Gedächtnis bleiben. Und Bewunderung für die hohe Kunst des Edelsteingravierens.

Mephistos Konterfei
Mephistos Konterfei

Für jene, die eine „greifbare“ Erinnerung an ihren Besuch im Kristallmuseum mit nach Hause nehmen möchten, hat Roth einen Schmuckanhänger entworfen mit Mephistos Konterfei.

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