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Menschlichkeit

Großer Einsatz mit viel Erfolg

Die Hilfsaktion Noma hat etwas mit der Abensbergerin Elfriede Seitz zu tun. Jetzt gibt es ein Buch über die Organisation.
Von Wolfgang Abeltshauser

Das Ehepaar Elfriede und Walter Seitz mit Hamidou Fotos: Abeltshauser/Archiv
Das Ehepaar Elfriede und Walter Seitz mit Hamidou Fotos: Abeltshauser/Archiv

Abensberg.Der Name der Regensburgerin Ute Winkler-Stumpf hat auch in Abensberg einen guten Klang. Sie begründete 1994 die Hilfsaktion Noma. Von der bakterielle Krankheit Noma, die Kindern das Gesicht zerfrisst, wissen die Abensberger. Ihre Mitbürgerin Elfriede Seitz hat sie dafür sensibel gemacht. Auch sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Organisation.

Nicht nur das: Sie hat mit Hamidou und Fatima zwei jungen Afrikanern ein Heim in Deutschland gegeben, als diese hier erfolgreich operiert wurden. Es war für beide der Start in ein selbstbestimmtes Leben. Nun hat Winkler-Stumpf ihre Erfahrungen und den gemeinsamen, erfolgreichen Kampf gegen die Krankheit in ein Buch gesteckt. Zusammen mit der Autorin Gertrud Teusen hat sie es verfasst. In Regensburg hat sie schon aus „Das geschenkte Lächeln – mein Einsatz für Kinder in Afrika“ vorgetragen. Auch in der Babonenstadt ist eine Lesung für dieses Jahr geplant. Derzeit sind Winkler-Stumpf und die Buchhandlung Nagel auf Terminsuche.

Schlaflose Nacht als Beginn

Am Beginn der ganzen Geschichte stand eine Fernsehsendung über Noma, die Winkler-Stumpf am 31. August 1994 den Schlaf raubte. „Wie grausam muss eine Krankheit sein, die Kindern das Lachen stiehlt?“, fragt sie sich in ihrem Buch. Dieser Augenblick war die Geburtsstunde der Noma-Hilfe. Fast 25 Jahre engagiert sie sich gemeinsam mit ihrer Familie in den Ländern Niger und Guinea-Bissau. 130 000 Kindern halfen sie und ihre Mitstreiter. Fast hundert junge Afrikaner konnten in Deutschland operiert werden. Ihre Aufklärungsarbeit vor Ort hat die Krankheit nach eigener Aussage deutlich zurückgedrängt.

Für diese Entwicklung ist Elfriede Seitz mitverantwortlich. Sie stieß 1997 zur Hilfsaktion. Auch sie ließ ein Fernsehbericht über die Krankheit nicht mehr los. „Mir haben die Kinder so leid getan“, sagt sie heute darüber. Über den Arzt Karl Gorbunov, der sich ebenso engagiert, fand sie den Kontakt zu Winkler Stumpf.

Seitz organisierte seither Infostände und Vorträge. Sammelte in Abensberg so nahezu 100 000 Euro ein. Was ihr die bayerische Verfassungsmedaille in Silber sowie den liberalen Bürgerpreis einbrachte. Da ist sie bei Winkler-Stumpf in guter Gesellschaft. Die ist unter anderem Trägerin der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste und des Bundesverdienstkreuzes.

Ehrungen hat Seitz sicherlich verdient. Denn ihr Einsatz ging über Spenden Sammeln hinaus. Als Winkler-Stumpf Pflegeltern suchte, um Kinder, die in Deutschland operiert wurden, aufzunehmen, meldeten sie sich und ihr Mann Walter. Wobei sie anfangs durchaus kritische Gedanken hatte.

Es kam viel Liebe zurück

Sie war sich nicht sicher, ob es gut sei, ein afrikanisches Kind aus der gewohnten Umgebung zu reißen. Im Blick zurück sieht das ganz anders aus. Sie will die gemeinsame Zeit nicht missen. „Ich bin mit so viel Liebe überschüttet worden.“ Und so können viele Abensberger sicher mit dem Namen Hamidou sofort etwas anfangen. Sie sahen den Jungen mit dem Fahrrad durch die Straßen düsen. Oder auf dem Fußballplatz dem Ball hinterherjagen.

Massaoudou war einer der ersten Fälle der Hilfsaktion Noma. Foto: Islaman Abdou/Unicef,
Massaoudou war einer der ersten Fälle der Hilfsaktion Noma. Foto: Islaman Abdou/Unicef,

Zweimal war der mittlerweile 25-jährige Mann aus dem Niger als Kind in der Babonenstadt. Auch die gleichaltrige Fatima kam zu einem Behandlungsaufenthalt nach Deutschland. Lebte bei Elfriede und Walter Seitz. Sie ist etwas weniger bekannt in der Stadt, weil sie nicht ganz so eingebunden war ins alltägliche Leben. Weil sie das laut Seitz auch nicht so wollte.

Beide Afrikaner sind Gesichter des Erfolges des Einsatzes der beiden rührigen Frauen. Einmal zeigt die Geschichte der beiden jungen Menschen, dass die Hilfe ankommt. Ihnen ist anzusehen, dass die Operationen in Deutschland geholfen haben. Und sie zeigt, dass die Hilfe nachhaltig ist. Beide stehen auf ihren eigenen Füßen. Sie verdienen ihr eigenes Geld und können ihre Familien unterstützen. „Fatima ist eine richtige Geschäftsfrau geworden“, freut sich da Elfriede Seitz. Von ihr erhielt sie kürzlich erst noch einmal freudige Nachrichten. „Sie erwartet ein Kind“, berichtet sie dem MZ-Reporter.

Hamidou und Fatima

Auch auf Hamidou, der eine eigene Schneiderwerkstatt besitzt, ist sie stolz. Bei der Suche nach dem Berufswunsch habe ihn Winkler-Stumpf unterstützt. Wie sich Seitz erinnert. Mittlerweile hat er ein eigenes Haus bauen können. Fatima bietet ihren Mitmenschen an, Handys und Batterien mit Strom aufzuladen. Ein Solarmodul am Haus mache das möglich. Beiden gehe es für afrikanische Verhältnisse gut.

Wie ein Hollywood-Drehbuch

Wer das Buch von Ute Winkler-Stumpf in die Hand nimmt und darin blättert, wird dort auf weitere solche schöne Beispiele stoßen. Er wird Massaoudou kennenlernen. Der ist Facility-Manager in der Noma-Klinik in der Stadt Niamey. Vor 24 Jahren war er der erste kleine Patient, der über die Noma-Hilfe behandelt werden konnte. Ihm ist ein eigenes Kapitel im Buch von Winkler-Stumpf gewidmet. Vor kurzem erst hat sie ihn im Niger besucht. Und ihm ein Buch mitgebracht. Das ausgerechnet er in dem Krankenhaus Arbeit gefunden hat, das durch den Einsatz der Regensburgerin entstanden ist, klingt wie eine Hollywood-Geschichte.

Als Winkler-Stumpf in Regensburg jüngst eine Lesung hielt, war der Saal laut Seitz voll. Das hat das Buch verdient. Ist es doch eigentlich gar nicht die Lebensgeschichte der Regensburgerin, sondern die vieler junger Afrikaner, die jetzt eine Perspektive haben. Abensberg hat dank Seitz seinen Anteil daran.

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Die Autorin und ihr Buch

  • Buch:

    „Das geschenkte Lächeln. Mein Einsatz für Kinder in Afrika“ von Ute Winkler-Stumpf und Gertrud Teusen ist im mvg Verlag erschienen und kostet 16,99 Euro. Die ISBN-Nummer lautet: 978-3-86882-889-4

  • Person:

    Ute Winkler-Stumpf arbeitete jahrzehntelang als Lehrerin, bevor sie 1994 die Noma-Hilfe gründete, deren Vorsitzende die Regensburgerin bis zum heutigen Tag ist. (wo)

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